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Drei Väter und zwei Babys: Wie ein „Throuple“ seine polyamoröse Beziehung lebt

Ian Jenkins (links) mit seinen Partnern Alan (Mitte), der Baby Piper hält, und Jeremy.

Ian Jenkins hat zwei Partner – der Mediziner lebt in einer polyamorösen Beziehung mit Alan und Jeremy. Mit den gemeinsamen zwei Kindern wohnen sie im US-Bundesstaat Kalifornien: Die dreijährige Piper und der einjährige Parker wurden mithilfe einer Eizellenspende und einer Leihmutter auf die Welt gebracht. Zwar sind Alan und Jeremy die biologischen Väter, die gesetzliche Elternschaft haben aber alle drei Männer gemeinsam. Das steht auch offiziell in der Geburtsurkunde der beiden Kinder. Über diese für viele ungewöhnliche Konstellation hat Jenkins am 9. März das Buch „Three Dads and a Baby“ (deutsch: „Drei Väter und ein Baby“) veröffentlicht.

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Im RND-Interview erklärt Jenkins (45) nun, wie der Weg zur Elternschaft aussah, wie es sich als sogenanntes „Throuple“ – also einer Beziehung zu dritt – lebt und welche Vorurteile der Familie entgegenschlagen.

Herr Jenkins, Ihre beiden Kleinkinder haben drei Väter. Wie nennen Piper und Parker ihre Eltern?

Ian Jenkins: Sie nennen mich Papa, Jeremy nennen sie Daddy und Alan ist Dada.

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Wie haben Sie Ihre Partner Jeremy und Alan kennengelernt?

Ich traf Alan, als er Medizin studierte. Er arbeitete als Student in meinem Team, ich war sein Betreuer für zwei Monate. Danach nahm er wieder Kontakt zu mir auf, wir trafen uns, und dann nahm die Geschichte ihren Lauf. Jeremy lernte ich online kennen, wir trafen uns zum Mittagessen. Er sagte sehr deutlich, dass er kein Paar daten möchte. Ich sagte ihm, das sei kein Problem, und dass wir Freunde sein können. Als er zum Abendessen vorbeikam, bemerkten wir drei, dass eine tolle Chemie zwischen uns herrscht. Dann verbrachten wir eine Woche zusammen. Von da an ging es langsam weiter – wir führten viele Gespräche.

War es eine Umstellung, nicht mehr ein Pärchen, sondern ein „Throuple“ (zu deutsch: Trärchen) zu sein?

Es war ein relativ einfacher Prozess, wir hatten wenige Unstimmigkeiten. Es kann aber vorkommen, dass sich bei zwei Leuten einer schneller verliebt als der andere. Bei einer Dreierbeziehung ist das noch wahrscheinlicher. Wir mussten viel reden, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt.

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In Ihrem Buch schreiben Sie: „Schwule Paare stolpern nicht zufällig in die Elternschaft. Es ist immer ein bewusster Akt.“ Wie war Ihre Erfahrung als Throuple?

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Anfänglich gingen nur Jeremy und Alan zu der Kinderwunschklinik. Das war also nicht anders als bei einem Paar, außer, dass ich mich ein wenig ausgeschlossen gefühlt habe. Damals dachten wir noch gar nicht, dass es möglich sei, mehr als zwei Elternteile zu haben. Wir hatten Angst, dass sie uns in der Klinik diskriminieren. Beim nächsten Mal haben wir gleich gesagt, dass wir zu dritt sind, und sie halfen uns, eine Familie zu werden.

Sie sagten gerade, dass Sie sich am Anfang des Befruchtungsprozesses ausgeschlossen gefühlt haben. Haben Sie dieses Gefühl überwunden?

Das war für mich im Grunde genommen keine allzu große Sache. Mir machte es mehr Sorgen, dass ich kein gesetzliches Elternteil werde. Das hätte sich sehr ungerecht angefühlt, weil ich keine gesetzlichen Pflichten oder Rechte für das eigene Kind bekommen hätte. Wenn die anderen Partner also entscheiden würden, zu gehen und das Kind mitzunehmen, wäre das erlaubt. Ich hatte keine Angst, dass Alan und Jeremy das machen würden, aber es wäre seltsam, keine gesetzliche Beziehung zum eigenen Kind zu haben. Wir waren sehr froh, als wir alle drei auf der Geburtsurkunde eingetragen wurden.

Wie lange hat dieser rechtliche Prozess gedauert?

Das eigentliche Gerichtsverfahren dauerte nur 45 Minuten. Aber der Prozess der Leihmutter- und Elternschaft dauerte länger. Normalerweise ist es in den USA so: Man hat einen Anwalt, der eine Informationsmappe über die Eltern anlegt. Dann gehen die Eltern zum örtlichen Gericht, erklären, wer die Leihmutter und die gesetzlichen Eltern sind. Dann stimmt der Richter zu. Das dauert normalerweise fünf Minuten. Bei uns gab es ein langes Hin und Her zwischen unseren Anwälten und der Richterin.

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Was ist dann passiert?

Die Richterin erklärte uns, dass sie kein Gesetz erfinden könne und nicht drei Väter auf der Geburtsurkunde angeben könne. Wir dachten, wir würden verlieren. Alan unterbrach die Richterin und sagte ihr, sie müsse unsere Geschichten anhören. Dann durfte jeder von uns erklären, warum die Eintragung so wichtig für uns ist. So haben wir ihre Meinung geändert.

Doch bei uns ist es einfacher, weil wir jeder von zwei Leuten lernen können.

Ian Jenkins

Wie funktioniert die Kinderbetreuung mit drei Elternteilen?

Normalerweise ist es ja so, dass sich eine Person von einer Geburt erholen und gleichzeitig ein Neugeborenes umsorgen muss. In vielen Orten in den USA gibt es nicht genug Elternzeit für den Vater oder für die Mutter. Es kann also sehr schwer sein. Doch wir hatten drei Elternteile, die sich um das Kind kümmerten. Die Eizellenspenderin wohnte sogar bei uns, also hatten wir vier Leute, die das Kind umsorgten.

Wie haben Sie die Aufgaben aufgeteilt?

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Meghan, die Eizellenspenderin, lebt in Argentinien, dort machen die Restaurants erst um 21 Uhr auf, weswegen sie das lange Wachbleiben gewohnt ist. Sie legte das Baby gegen ein Uhr nachts schlafen. Einer von uns schlief zu der Zeit schon und stand nachts fürs Füttern und Windelwechseln auf. Um 6 Uhr morgens kümmerte sich ein anderer Vater um das Baby. Bei uns war niemand wirklich müde. Kindererziehung ist wirklich harte Arbeit: Gestern hatte Piper beispielsweise einen Tobsuchtsanfall. Doch bei uns ist es einfacher, weil jeder von zwei Leuten lernen kann.

Was lernen Sie von Jeremy und Alan?

Jeremy hat eine natürliche Art, mit Kindern umzugehen, und Alan hat ein kinderpsychiatrisches Training gemacht. Ich habe zwei wundervolle Partner, die mir zeigen, wie ich besser mit den Kindern umgehen kann.

Die Familie hat auch mehrere Hunde.

Die Familie hat auch mehrere Hunde.

Haben beide Kinder immer noch Kontakt mit der Eizellenspenderin Meghan?

Sie ist ein sehr wichtiger Teil unserer Familie: Sie ist kein Elternteil, sie ist also nicht für die Kinder verantwortlich, außer sie passt auf Piper und Parker auf. Vor Kurzem besuchte Meghan uns aber für zwei Monate – die Kinder lieben sie und sie liebt die Kinder. Als Meghan wieder ging, hat sie einen Youtube-Channel gestartet, um den Kindern jeden Abend Bücher vorzulesen. Außerdem sprechen wir häufig auf Facetime.

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Welche falschen Vorstellungen haben Menschen über Ihre Familie?

Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld haben keine falschen Vorstellungen von uns. Sie wissen, dass wir ganz normale Menschen sind. Es gibt bei uns zwar eine Person mehr, aber es fühlt sich in unserem Zuhause an wie in jedem anderen. Wir treffen eher im Internet auf Menschen mit Vorurteilen: Manche glauben, dass Schwulsein oder Polyamorie falsch ist. Die reflektieren das gar nicht. In unserem Zuhause gibt es aber mehr Liebe und Möglichkeiten als in manch anderen Familien mit zwei Elternteilen.

Auf welche Vorurteile treffen Sie konkret im Netz?

Manchmal höre ich, dass unsere Kinder keine mütterliche Figur in ihrem Leben haben, was automatisch schlecht sein soll. Diese Personen kritisieren damit im Übrigen jedes gleichgeschlechtliche Elternpaar. Bei uns ist die Eizellenspenderin ja sogar involviert und es gibt viele andere Frauen in dem Leben unserer Kinder. Manchen Kritikern reicht das nicht mal. Andere glauben, dass sich Polyamorie nur um Sex dreht. Das stimmt natürlich nicht, wir haben immerhin jeder fordernde Jobs und müssen zwei Kinder versorgen.

Einige Menschen in der schwulen Community sorgten sich zum Beispiel, dass wir ein eigenes Recht anstrebten. Sie dachten, wir sprachen von Polygamie, also der Ehe mit mehreren Menschen. Polygamie ist in den USA verboten und das ist auch richtig so, dafür gibt es gute Gründe.

Was sind das für Gründe?

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Manche religiöse Sekten, zum Beispiel fundamentalistische Mormonen, nötigen und missbrauchen junge Frauen. Ich bin strikt gegen die Erlaubnis von Polygamie, weil ich weiß, dass sie es missbrauchen könnten.

Konnten Sie das Missverständnis mit den Mitgliedern der LGBTQ-Community klären?

In einer Onlinegruppe für schwule Väter erfuhren wir großen Gegenwind, wir hatten eine lange Konversation mit den Leuten. Daraufhin bekamen wir herzliche Entschuldigungen und gute Wünsche.

Wir möchten, dass unsere Kinder in einer Umwelt aufwachsen, die sie willkommen heißt.

Ian Jenkins

Sie kommen aus Virginia, leben aber im viel progressiveren Staat Kalifornien. Glauben Sie, dass Ihr Familienleben auch in Ihrer Heimat möglich wäre?

Nein, wir wären wahrscheinlich weggezogen. Wir möchten, dass unsere Kinder in einer Umwelt aufwachsen, die sie willkommen heißt. In jeder Community gibt es unfreundliche Menschen, aber wir wollten sichergehen, dass unsere Kinder nicht gemobbt würden oder es Missverständnisse mit anderen Eltern gibt.

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Sie und Ihre Partner haben verändert, wie das kalifornische Gesetz Familie definiert. Wie definieren Sie Familie?

Ich habe viele schwule Menschen kennengelernt, die von ihrer Familie verstoßen wurden. Wegen dieser Erfahrungen definiere ich Familie als Menschen, die man auswählt, weil sie einen lieben. Das nenne ich ‚Chosen Family’ – dabei ist eine Blutsverwandtschaft unwichtig. Deswegen war es für mich auch so einfach, eine Beziehung mit mehr als einem Menschen einzugehen. Liebe, das Sorgen für einander und Kommunikation machen Familie aus. Ich liebe meine Kinder sehr, obwohl wir nicht blutsverwandt sind. Ich würde gegen zehn Bären kämpfen, wenn das hieße, sie zu schützen.

„Three Dads and a Baby: Adventures in Modern Parenting“ von Ian Jenkins ist am 9. März 2021 bei Cleis Press erschienen.

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