Experte über Lavastopp auf La Palma: „Vulkan gilt weiterhin als aktiv“

Der Vulkan auf La Palma verstummte am Montagabend.

Der Vulkan auf La Palma verstummte am Montagabend.

Mehr als drei Monate ist es her, dass der Vulkan im Gebirgszug Cumbre Vieja auf La Palma ausgebrochen ist. Immer mal wieder pausierte der Vulkan, doch noch nie so lange wie aktuell. Seit Montagabend spuckt der noch namenlose Feuerberg im Süden der Insel keine Lava mehr. Ist der Ausbruch nun vorbei?

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„Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es zu Ende geht“, erklärt der Vulkanexperte Harri Geiger, Geochemiker an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, am Donnerstag gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es trete keine Lava mehr aus, die Erdbebenaktivitäten seien stark zurückgegangen und auch die Schwefeldioxidbelastung sei lange nicht mehr so hoch wie vor einiger Zeit, als der Experte noch selbst vor Ort war.

Gehören solche Bilder bald der Vergangenheit an? Der Vulkan auf La Palma verstummte am Montagabend.

Gehören solche Bilder bald der Vergangenheit an? Der Vulkan auf La Palma verstummte am Montagabend.

Geiger kehrte vor etwa einer Woche nach einem rund zweiwöchigen Forschungsaufenthalt auf La Palma zurück nach Freiburg. „Ich habe die Situation weiter als angespannt wahrgenommen. Noch angespannter als bei meinem ersten Besuch Ende Oktober. Die Menschen sind erschöpft, was aufgrund der Dauer des Ausbruchs wenig verwunderlich ist“, beschreibt Geiger die Lage auf der Kanareninsel.

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Erneuter Ausbruch unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen

Von Kolleginnen und Kollegen habe er aber nun gehört, dass sich die Gemüter erstmals langsam entspannen würden, auch wenn die Angst im Hinterkopf noch eine Rolle spiele. Auszuschließen sei ein erneuter Ausbruch nämlich nicht. „Der Vulkan von La Palma gilt weiter als aktiv. Erst wenn sich die aktuellen Werte über mehrere Wochen stabil halten, kann von einem endgültig Ende des Ausbruchs sprechen“, betont Experte Geiger.

Wann die geflüchteten Menschen in die noch bewohnbaren Gebiete zurückkehren können, kann Geiger nicht sagen. „Die Behörden werden extrem vorsichtig sein, wie sie es bisher auch waren. Dieser Vorsicht ist es auch zu verdanken, dass es in der gesamten Ausbruchszeit nur einen Todesfall gegeben hat“, sagt Geiger.

Wann gilt ein Vulkan als „ruhig“?

Als „ruhig“ können Vulkane bezeichnet werden, wenn es eine Periode ohne Ausbrüche oder Explosionen jeglicher Art, also Lava, Asche oder Gase, mehr gibt. Zudem müssen die Erdbebensignale auch in Tiefen bis zu 40 Kilometern deutlich zurückgehen oder gänzlich ausbleiben, erklärt Geiger. Das treffe aktuell auf den Vulkan auf La Palma zu.

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Dr. Harri Geiger auf der Kanareninsel La Palma.

Dr. Harri Geiger auf der Kanareninsel La Palma.

Gesamtschaden von rund 700 Millionen Euro

Seit dem Ausbruch des Vulkans am 19. September hat die bis zu 1300 Grad heiße Lava nach der jüngsten amtlichen Bilanz fast 2900 Gebäude völlig zerstört. Zuletzt waren knapp 1200 Hektar von einer meterdicken Lavaschicht bedeckt. Diese Fläche entspricht fast 1700 Fußballfeldern oder ca. 1,7 Prozent des Inselterritoriums. Mehr als 7000 Bewohnerinnen und Bewohner mussten seit Ausbruch des Vulkans evakuiert werden.

Schwer betroffen wurde vor allem der für die Insel immens wichtige Bananenanbau, von dem etwa die Hälfte der etwa 85.000 Einwohnerinnen und Einwohner direkt oder indirekt lebt und der sich schon vor dem Vulkanausbruch in der Krise befand. Auch der Tourismussektor beklagt Verluste. Den finanziellen Gesamtschaden schätzte Regionalpräsident Torres vor einiger Zeit auf rund 700 Millionen Euro. Das ist fast die Hälfte des jährlichen Volkseinkommens der Insel (ca. 1,6 Milliarden Euro).

RND mit dpa

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