Nach Schüssen in LGBTQ-Nachtclub

Kriegsveteran überwältigte Schützen von Colorado: „Ich wusste, dass ich etwas tun muss“

Richard Fierro rettete viele Menschenleben bei den Schüssen im Nachtclub in Colorado.

Richard Fierro rettete viele Menschenleben bei den Schüssen im Nachtclub in Colorado.

Colorado Springs. Der Schock nach dem Attentat eines 22-jährigen Schützen in einem Nachtclub der LGBTQ-Community im US-Bundesstaat Colorado sitzt tief. Robert Fierro, ein ehemaliger Soldat, sei an dem Abend gemeinsam mit seiner Familie vor Ort gewesen, um eine Dragshow anzusehen. Als plötzlich Schüsse fielen, habe der 45-Jährige sofort eingegriffen. „Ich weiß nicht genau, was ich getan habe, ich ging einfach in den Kampfmodus“, erzählte der Kriegsveteran nun in einem Interview mit der „New York Times“.

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Fierro habe den mutmaßlichen Schützen von hinten gepackt und zu Boden gerissen. „Hat er währenddessen geschossen? War er gerade dabei zu schießen? Ich weiß es nicht“, sagte Fierro der Zeitung. „Ich wusste nur, dass ich diesen Typen töten muss, bevor er uns tötet.“ Daraufhin habe Fierro ihm die Pistole abgenommen: „Ich habe ihm die Waffe aus der Hand gerissen und auf den Kopf geschlagen, immer und immer wieder,“ erinnerte er sich.

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Held von Colorado diente in Afghanistan

Der Militärveteran habe laut der „New York Times“ 15 Jahre als Soldat gedient und vier Einsätze im Irak und Afghanistan miterlebt. Die Kriegserlebnisse hätten ihn jedoch nie ganz losgelassen, er sei deswegen in psychologischer Behandlung und nehme Medikamente. Im Moment des Attentats hätten ihn demnach alte Handlungsmuster aus dem Krieg wieder eingeholt.

„Im Kampf passiert die meiste Zeit gar nichts, aber in dieser einen verrückten Minute wirst du erprobt. Das wird zur Gewohnheit“, erklärte Fierro der „New York Times“. „Ich bin nur ein Kerl, ein alter fetter Veteran, aber ich wusste, dass ich etwas tun muss.“ Gemeinsam mit anderen Anwesenden habe Fierro den Schützen schließlich überwältigen und der Polizei übergeben können. Zwei Freunde des Ex-Soldaten seien bei dem Anschlag verletzt worden, der Freund seiner Tochter verstarb.

Richard Fierro, Militärveteran, überwältigte den Attentäter in einem Nachtclub in Colorado Springs.

Richard Fierro, Militärveteran, überwältigte den Attentäter in einem Nachtclub in Colorado Springs.

Trauerfeier in Colorado Springs

Der Bürgermeister John Suthers lobte gegenüber der „New York Times“ den Heldenmut des Ex-Soldaten: „Er hat viele Leben gerettet. Ich habe noch nie eine Person getroffen, die so heldenhaft gehandelt hat und danach so bescheiden ist.“

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Am Montagabend (Ortszeit) hatten sich Hunderte Menschen in einem Park in der Stadt Colorado Springs, deren LGBTQ-Gemeinde der Club seit Jahrzehnten als Zufluchtsort galt, versammelt, um den Getöteten und Verletzten des Schusswaffenangriffs zu gedenken. Der Schütze hatte mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 fünf Menschen aus dem Leben gerissen und 18 weitere mit Schüssen verletzt. Ebenfalls sichergestellt wurden laut Polizei eine Pistole und zusätzliche Munition.

Nach Anschlag auf LGBTQ-Club: Trauer in Colorado Springs um fünf Tote

Sie waren ausgegangen, um Spaß zu haben, um zu tanzen und um Freunde zu sehen. Doch dann trat ein Mann in den Club und eröffnete das Feuer.

Reden voll Zorn und Trauer

Die Trauerreden drückten sowohl Zorn als auch Trauer über die Tat aus. Jeremiah Harris, 24 Jahre alt und schwul, sagte, er sei monatlich mehrmals in dem Club zu Besuch gewesen und habe in einem der Opfer den Barkeeper erkannt, der ihn dort immer bedient habe. Zu hören, wie andere bei der Andacht in dem Park ihren Gefühlen Luft machten, sei elektrisierend gewesen. „Homosexuelle Menschen gibt es solange es Menschen gibt“, sagte Harris. Zu jedem, der dagegen sei, sage er: „Wir gehen nirgendwo hin. Wir werden einfach lauter und ihr müsst damit umgehen.“

Auch Fierro unterstütze die LGBTQ-Community und die Freiheiten, die sie sich über Jahrzehnte erkämpft haben: „Diese Kinder wollen auf diese Weise leben und eine gute Zeit haben. Ich bin froh, dass ich dafür gekämpft habe, damit sie tun können, was auch immer sie wollen“, sagte er der „New York Times“.

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RND/al/mit AP

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