Inflation, steigende Energie- und Mietpreise

„Ich habe Angst vor dem Winter“: Zwei Rentnerinnen berichten von ihrer Sorge vor der Armut

Rentner und Rentnerinnen leben oft an der Armutsgrenze – obwohl sie ein Leben lang gearbeitet haben. (Symbolbild)

Rentner und Rentnerinnen leben oft an der Armutsgrenze – obwohl sie ein Leben lang gearbeitet haben. (Symbolbild)

Monheim am Rhein, Freiburg. Angelika Zwering hat sich bis vor wenigen Wochen ehrenamtlich bei der Nationalen Armutskonferenz engagiert. Doch das lässt die Gesundheit der 70-Jährigen nun nicht mehr zu. Die Diabetikerin hat starke Schmerzen in den Beinen. Heute muss sie extrem sparsam sein. Nach Abzug aller Fixkosten hat sie monatlich 300 Euro zur Verfügung.

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Und nun die Gas-Umlage und womöglich weiter steigende Preise. Zwering ist als Rentnerin von der Energiekostenpauschale der Bundesregierung von 300 Euro ausgeschlossen. Und das, obwohl sie jeden Cent benötigt. „Ich habe Angst vor dem Winter. Ich weiß nicht mehr, wie ich meine Wohnung finanzieren soll“, sagt Zwering.

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Jede vierte Rentnerin von Armut bedroht

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„Ich habe fünf Ehrenämter gleichzeitig gehabt, bekam aber aufgrund meiner Gehbehinderung keine entlohnte Arbeit“, sagt Zwering. Viele Arbeitgeber lehnten sie ab, wenn sie ihren Gehstock sahen, berichtet die gelernte Bürokauffrau.

Zwering und ihr Ehemann, der 2011 gestorben ist, zogen zwei Söhne groß. Sie besaßen ein eigenes Haus. Ab 2001 ging es für das Paar wirtschaftlich steil bergab. „Wir haben alles verloren“, erinnert sich die Monheimerin. Weil ihre beiden Kinder Asthmatiker waren, konnte sie viele Jahre nicht arbeiten und rutschte in die Altersarmut.

Durchgehend gearbeitet und trotzdem in Armut

Auch die Freiburgerin Hildegard Rossmann (Name von der Redaktion geändert) ist arm. Mit ihren 78 Jahren arbeitet sie stundenweise bei der Diakonie, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. Dabei hatte sie trotz der Erziehung ihres Sohnes fast durchgehend gearbeitet. Die Erzieherin und studierte Musikerin unterrichtete an Musikschulen. Die Bezahlung war schlecht, sie war nicht sozialversichert. „Die Musikschulen stellten, um Geld zu sparen, niemanden fest an. Ich musste nebenbei bei der Nachtwache arbeiten, damit das Geld ausreichte“, sagt Rossmann.

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Als unverheiratete Frau und Mutter eines unehelichen Kindes war ihre Situation noch schwerer. Der Kindsvater zahlte nur wenig Unterhalt. Zudem gab es damals keine Ganztagsbetreuung. Doch für Rossmann stand fest: „Ich habe mich für dieses Kind entschieden und trage auch die Verantwortung.“

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Veraltetes Geschlechtermodell hinterlässt Spuren

Die finanziellen Nöte der Seniorinnen haben Gründe. Frauen ergreifen häufiger Berufe, die gering vergütet werden. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit werden über 80 Prozent der professionellen Care-Arbeit, also vor allem Erziehung und Pflege, von Frauen geleistet. Zudem geben viele Mütter aufgrund der Kindererziehung für einige Jahre ihren Job auf. Danach gehen sie meist nur in Teilzeit zurück.

Nach dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands weisen Frauen mit rund 17,5 Prozent eine höhere Armutsquote auf als Männer mit etwa 15,7 Prozent. Besonders gravierend ist demnach der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei Personen ab 65 Jahren.

Der Sozialverband VdK Deutschland sieht einen Lichtblick: „Für zukünftige Generationen von Rentnerinnen hat sich die Situation verbessert: Mütter erhalten in der Zeit, in der sie Kinder erziehen, inzwischen drei Rentenpunkte pro Kind, haben einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab einem Jahr und werden nach Mindestlohn bezahlt.“

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Dauerhafte Erhöhung des Rentenniveaus gefordert

Dennoch sieht der Verband Handlungsbedarf. Er fordert eine dauerhafte Festschreibung des Rentenniveaus auf mindestens 50 Prozent. „Die Renten sind zu gering. Sie wurden in den letzten Jahren stetig abgesenkt und reichen für viele nicht mehr zum Leben.“ Zudem fordert der Verband: „Wir brauchen unbedingt ein drittes Entlastungspaket. Die hohen Preise für Heizung, Strom und Lebensmittel sind mit einer kleinen Rente nicht mehr zu bezahlen.“

RND/epd

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