Kritik von Reformern

Synodalversammlung der deutschen Katholiken: Warum der Vatikan gegen das Treffen ist

Stellt sich klar gegen die deutschen Reformer: Papst Franziskus.

Stellt sich klar gegen die deutschen Reformer: Papst Franziskus.

Ab diesem Donnerstag treffen sich die deutschen Katholiken zur vierten Synodalversammlung in Frankfurt am Main – trotz aller Bemühungen des Papstes, das zu verhindern. Die deutschen Katholiken bemühen sich schon seit 2019 um Reformen in den Bereichen katholische Sexualmoral, Umgang mit Macht, Position der Frau und priesterliche Ehelosigkeit. Dieser Erneuerungsversuch wird Synodaler Weg genannt.

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Im Juli hatte der Vatikan den deutschen Glaubensbrüdern und -schwestern in einer harschen Stellungnahme jedoch mitgeteilt, dass der Synodale Weg „nicht befugt“ sei, neue Formen der Leitung und eine neue Ausrichtung der katholischen Lehre und Moral zu entwickeln. Eine weitere Erklärung dazu blieb aus.

Papst: Brauchen keine zweite evangelische Kirche

Papst Franziskus hatte sich aber bereits einige Wochen zuvor mit der Aussage positioniert, es gebe schon eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland, eine zweite sei nicht nötig. Was so mancher wie der Entertainer und Katholik Harald Schmidt für „eine gute Pointe“ hält, kommt bei anderen gar nicht gut an. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, findet die Äußerung des Papstes „zynisch“. „Ich glaube, das war eher als ein Hieb gemeint, dass man so was jetzt nicht will in den eigenen Reihen. Dass ich das jetzt als Lob auf die Evangelischen verstanden hätte, werden Sie mir nicht zumuten.“

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Während der Vatikan und der Papst sich offenbar in ihrer Stellung als Kirchenoberhaupt behaupten wollen und anscheinend Sorgen haben, durch Reformen an Macht einzubüßen, sorgen diese Stellungnahmen bei einigen Katholiken und Katholikinnen in Deutschland für viel Kritik. Mitglieder etwa der LGBTIQ+-Initiative #OutInChurch zeigen sich „entsetzt“ von dem Statement. Und kurz vor Beginn der vierten Synodalversammlung hat auch die Ordensschwester Philippa Rath den Vatikan kritisiert. Die Kritik an dem deutschen Reformprozess sei „ausgesprochen inhaltsarm“, teilte Schwester Philippa der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Erklärung des Vatikans habe eigentlich nur das Ziel gehabt, „den Synodalen Weg zu diskreditieren und zu blockieren“.

Reformprozess geht weiter – trotz der Kritik

Dieses Ziel habe der Vatikan aber nicht erreicht: „Gerade angesichts dieser Störmanöver hat es ausgesprochen Sinn, den Weg unbeirrt weiterzugehen. Denn die Reformanliegen sind ja mehr als dringlich und dulden keinen Aufschub. In vielen anderen Ländern wird dies übrigens genauso gesehen wie bei uns.“ Schwester Philippa gilt als eines der profiliertesten Mitglieder der Synodalversammlung.

Johanna Müller, das mit 18 Jahren jüngste Mitglied der in Frankfurt tagenden Synodalversammlung der deutschen Katholiken, hält eine Reform der Kirche für dringend geboten. „Die Missbrauchskrise zeigt, dass wir in der katholischen Kirche ein großes Machtproblem haben. Toxische Strukturen sowie eine rigide Sexualmoral begünstigen sexuellen Missbrauch. Eine andere Baustelle ist die Gleichberechtigung aller Menschen – das betrifft zum Beispiel die Dienste und Ämter in der Kirche.“ Zum Statement des Vatikans äußert sie sich klar: „Ich war genervt von dieser unsäglichen Art und Weise, mit Deutschland zu kommunizieren, und zugleich nicht wirklich überrascht.“

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Bätzing: „Wir sind hier in Deutschland kein Sonderweg“

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, spürt im Kontakt mit den Gläubigen „unendlich großen Veränderungsdruck“. Die hohen Kirchenaustrittszahlen und der zurückgehende Gottesdienstbesuch ließen keinen Zweifel daran, dass eine Erneuerung der Kirche dringend nötig sei, sagte der Limburger Bischof am Donnerstag zum Auftakt der vierten Synodalversammlung. „Die Fragen, die wir hier stellen, werden in einem großen Teil der Kirche auch gestellt“, betonte Bätzing. „Wir sind hier in Deutschland kein Sonderweg, sondern die katholische Kirche weltweit ist unterwegs.“

RND/hsc/mit dpa

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