Was kommt danach?

Es „funktioniert“: So sieht die Bahn das 9‑Euro-Ticket

Menschen warten am Gleis am Bahnhof Gesundbrunnen auf einen einfahrenden Regionalexpress. Die Bahn hat ein positives Zwischenfazit des 9-Euro-Tickets gezogen.

Nach drei Wochen mit dem 9-Euro-Ticket zieht die Deutsche Bahn (DB) eine größtenteils positive Bilanz. Arbeitnehmervertreter warnen vor den steigenden Belastungen für die Mitarbeitenden und befürchten steigende Krankenstände. Und der Druck auf die Politik wächst, nach dem Auslaufen des Sonderangebots Ende September einen ähnlichen Anschlussfahrausweis anzubieten.

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„Das 9-Euro-Ticket funktioniert“, schreibt die DB in einer internen Zwischenbilanz, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Die Fahrgastzahlen hätten sich spürbar erhöht – sowohl an den Wochenenden als auch in der Woche. Durchschnittlich läge der Zuwachs bei 20 bis 30 Prozent. Das erwartete Chaos, vor allem an den verlängerten Wochenenden Himmelfahrt, Pfingsten und in Süddeutschland Fronleichnam, sei ausgeblieben. In einigen Regionen, an touristisch ohnehin belasteten Linien, mussten Züge geräumt werden. Das habe aber insgesamt nur 0,1 Prozent aller Fahrten betroffen.

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Während S-Bahnen und Regionalbahnen (RB) größtenteils pünktlich fahren würden, seien die Regional­express-(RE)-Linien stärker von Überfüllung betroffen, darunter entstünden Verspätungen. Die Pünktlichkeit im Nahverkehr liege auch wegen des 9-Euro-Tickets rund 5 bis 10 Prozentpunkte unter dem Normalniveau bei knapp 85 Prozent.

9-Euro-Ticket: Unterwegs im Land der Triebwagen

Das 9-Euro-Ticket treibt die Menschen in die Regionalzüge, auf die oft unbeachteten Nebenflüsse des Eisenbahnsystems. Sind sie dafür bereit? Was müsste passieren, um den öffentlichen Verkehr wirklich attraktiv zu machen? Eine Reise mit literarischer Zugbegleitung.

Probleme gebe es mit Radfahrenden, die nicht immer mitgenommen werden könnten und teilweise aggressiv gegenüber Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuern reagierten. Konflikte berge auch die Einhaltung der Maskenpflicht: Viele Neukunden wüssten nicht, dass in Zügen und Bussen noch Maskenpflicht gelte. Dies führe „zu angespannten Situationen im Zug“.

Entlastungspaket sei „Belastungspaket“ geworden

Das Entlastungspaket der Bundesregierung sei zu einem „Belastungspaket“ für die Bahnbeschäftigten geworden, kritisieren die Betriebsräte der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in einem Brief an die Verkehrsminister von Bund und Ländern. „Wir stehen hinter einem Anreiz für eine kostengünstige Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Dies kann und darf aber nicht zu Lasten der Sicherheit und des Arbeitsschutzes gehen“, schreiben sie.

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Die Belastungen an den Bahnhöfen und in den Zügen seien stark angestiegen, höhere Krankenstände nur eine Frage der Zeit. „Das 9-Euro-Ticket bedeutet den täglichen Ausnahmezustand für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen“, sagt der Vizevorsitzende des Gesamtbetriebsrats DB Regio, Ralf Damde, dem RND. „Bund und Länder müssen dafür sorgen, dass sie entlastet werden – und zwar branchen­weit. Zusätzliche Bezahlung und mehr freie Tage sind unabdingbar, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Nahverkehr, an den Stationen und im Sicherheitsdienst dieser Überlastung standhalten.“

Dennoch sei das 9-Euro-Ticket im Grundsatz ein Erfolgsmodell, schreiben die EVG-Vertreter an die Verkehrsminister. Sie fordern: „Verhindern Sie, dass wir nach den drei Monaten wieder in die alten Tarifstrukturen zurückkehren. Unterstützen Sie auch unsere Mitarbeitenden, indem Sie ein einfaches und überall gültiges Tarifsystem gestalten.“

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