„Alles auf den Prüfstand“

Wer ist schuld am Absturz der Linken im Saarland?

Nicht glücklich: Janine Wissler (Mitte) und Susanne Hennig-Wellsow (rechts), die beiden Bundesvorsitzenden der Partei Die Linke, äußern sich in der Bundespresse­konferenz zum Ergebnis der Landtagswahl im Saarland.

Nicht glücklich: Janine Wissler (Mitte) und Susanne Hennig-Wellsow (rechts), die beiden Bundesvorsitzenden der Partei Die Linke, äußern sich in der Bundespresse­konferenz zum Ergebnis der Landtagswahl im Saarland.

Berlin. In einer Disziplin hat die Saar-Linke bei der Landtagswahl gewonnen. Keine Partei wurde von den Wählerinnen und Wählern im Land als so zerstritten wahrgenommen. 80 Prozent der vom Meinungs­forschungs­institut Infratest-Dimap Befragten stimmten der Aussage zu, die Partei sei „zu zerstritten, um ernsthaft Politik mitgestalten zu können“. Im Saarland war das ein hart umkämpfter Sieg in einem Negativwettbewerb. 76 Prozent sagten dasselbe über die AfD, 67 Prozent über die Grünen.

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Während die AfD dennoch in den Landtag einzog und die Grünen äußerst knapp scheiterten, ist die an der Saar lange erfolgsverwöhnte Linke mit nur noch 2,6 Prozent am Boden zerstört. Der erste Schuldige war schnell gefunden: Ex-Übervater Oskar Lafontaine, der zehn Tage vor der Wahl aus der Partei austrat und von einem „Betrugssystem“ im Landesverband sprach.

Auch die Bundesvorsitzenden Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow luden am Montag nach der Wahl viel Verantwortung auf Lafontaine ab. Das Ergebnis sei „desaströs“, sagte Wissler, Lafontaines Austritt so kurz vor der Wahl ein „schwerer Schlag“ gewesen.

Seit 13 Monaten führen die Hessin und die Thüringerin gemeinsam die Partei. Wahlerfolge konnten sie noch nicht feiern. Bei der Bundestagswahl rutschte die Linke mit 4,9 Prozent nur dank der Grundmandatsklausel wieder ins Parlament, in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin rettete man sich trotz Verlusten in Regierungs­beteiligungen.

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Bis zum Bundesparteitag in Erfurt im Juni sind noch zwei Landtagswahlen zu überstehen. Weder in Schleswig-Holstein noch in Nordrhein-Westfalen ist aktuell der Sprung über die Fünfprozenthürde wahrscheinlich.

Bartsch: Ein Weiter-so kann es nicht geben

Bundestags­fraktionschef Dietmar Bartsch nahm die Parteivorsitzenden am Montag nicht von seiner Fundamentalkritik aus: Nötig sei eine inhaltliche Diskussion. „Und es gehört auch alles andere auf den Prüfstand“, sagte Bartsch. „Nach diesen Wahlen ist ganz klar: Ein Weiter-so kann es nicht geben und ein Weiter-so wird es nicht geben.“

Entscheidend sei, dass sich die Linke auf ihre Funktion als soziale Opposition und Friedenspartei im Bundestag konzentriere. Und die Zerstrittenheit der Partei „muss aufhören, ansonsten werden wir in noch größere Probleme kommen“.

Wissler und Hennig-Wellsow bauten schon einmal möglichen Rücktrittsforderungen vor. Es sei besser, die „Partei in ihrem Pluralismus“ weiterzuentwickeln, „Streit statt Zerstrittenheit“ zuzulassen und zu einem umfassenden neuen Programm zu kommen.

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Die Frage, ob in der Partei auch noch Platz für Lafontaines Ehefrau Sahra Wagenknecht sei, beantwortete Hennig-Wellsow äußerst knapp: „Das muss Sahra Wagenknecht für sich selbst entscheiden“, sagte sie nur.

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