Chef der Münchner Sicherheitskonferenz

„Der Russe, der auf den Atomknopf drückt, ist fünf Minuten später tot“

Christoph Heusgen, in seiner ZEit als Deutschlands Botschafter bei den Vereinten Nationen.

Christoph Heusgen, in seiner ZEit als Deutschlands Botschafter bei den Vereinten Nationen.

Berlin. Ein Atomschlag Russlands gegen die Ukraine hätte nach Einschätzung des Chefs der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, die unmittelbare Tötung des verantwortlichen Generals zur Folge. „Die Amerikaner wissen ganz genau, wo die Schaltzentralen sind, wo die Atomwaffen sind. Und der russische General, der auf den Knopf drückt, der weiß genau, dass er fünf Minuten später tot ist“, sagte Heusgen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Amerikaner würden „massiv reagieren.“

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Lesen Sie hier das vollständige Interview

Christoph Heusgen war UN-Botschafter und lange Jahre sicherheitspolitischer Berater von Angela Merkel. Im exklusiven Interview erklärt er, warum China Russland nicht den Rücken kehren wird, wie lange der Krieg in der Ukraine dauern wird und was er sich vom G20-Gipfel erhofft.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Der Krieg werde noch über einen längeren Zeitraum andauern, sagte Heusgen, der von 2017 bis 2021 UN-Botschafter in New York war. „Wir müssen auf die Interessen der beiden Seiten und die Stimmung in ihren Bevölkerungen schauen.“ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe volle Unterstützung in seinem Land. „Selbst die ethnischen Russen, die kritisch gegenüber Kiew waren, stehen heute wie eine Frau, ein Mann hinter ihm, weil sie sehen, was Putin mit seinen Kriegsverbrechen anrichtet.“ Und Putin bewege sich überhaupt nicht.

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Vielleicht werde sich der Krieg räumlich etwas einschränken. „Aber er wird erst dann ein Ende finden, wenn Putin entweder einsieht, dass er internationales Recht wieder respektieren muss – oder nicht mehr da ist.“ Dafür müsste es Heusgen zufolge eine „interne Revolte“ wie bei der Absetzung der russischen Präsidenten Nikita Chruschtschow und Michail Gorbatschow geben.

Heusgen: „Die Hoffnung aber, China aus dem russischen Feld herauszuholen, ist eine Illusion.“

Der Bundeskanzler Olaf Scholz muss nach Heusgens Worten derweil beim chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping auf Druck gegen Russland pochen. „Es ist richtig, vor dem G20-Gipfel mit dem chinesischen Präsidenten und anderen Teilnehmern über die dortige Agenda zu reden und den Punkt zu machen, dass ein Wladimir Putin, der wahrscheinlich zu dem Gipfel kommt, dort nicht ungeschoren davonkommen darf“, sagte Heusgen mit Blick auf den Antrittsbesuch von Scholz nächste Woche in Peking. „Die Hoffnung aber, China aus dem russischen Feld herauszuholen, ist eine Illusion.“

Russland, das Krieg gegen die Ukraine führt, sei für China ein sehr wichtiger Rohstofflieferant. Durch seine Selbstisolation von Europa und Nordamerika sei Russland abhängiger von China geworden. „Das passt Präsident Xi Jinping. Russland schlüpft immer mehr in die Rolle, die der verstorbene US Senator John McCain vorhergesagt hatte; nämlich der Tankstelle Chinas.“

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