Corona-Infektionsherde

Festivals in der Sommerwelle: Augen zu und durch

Sommergefühle auf dem Hurricane Festival Mitte Juni – doch das Coronavirus ist weiterhin ein Thema.

Berlin. Feiern, als gäbe es kein morgen – danach sehnen nach zwei Sommern voller Absagen, Mini-Veranstaltungen und Infektionsschutzkonzepten viele Festivalbesucher. Und der Sommer begann dafür auch verheißend: Nachdem die Ampelregierung im Frühjahr alle Beschränkungen für Großveranstaltungen aufgehoben hat, feierten Events wie „Rock am Ring“, „Rock am Park“, und das „Hurricane“ teils Besucherrekorde.

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Am Mittwoch startete das große alternative Fusion-Festival mit gut 70.000 Teilnehmenden ohne jeden Infektionsschutz. Im vergangenen Jahr wurden hier in einem aufwendigen Konzept noch alle Gäste einem PCR-Test unterzogen. Auf der Website heißt es dazu, Gäste müssten bei einem Besuch bewusst das Restrisiko einer Infektion tragen.

Anfang August steht zudem Wacken Open Air in derselben Größenordnung an. Angesprochen auf die schon aufgetretenen Corona-Ausbrüche auf Festivals ließ der Veranstalter Thomas Jensen lediglich mitteilen, dass man mit den Behörden im engen Kontakt sei und die zum Zeitpunkt des Festivals geltenden Maßnahmen umsetzen werde. „Die Sicherheit der Fans, Künstler, Crews und des Dorfs steht immer an oberster Stelle“, sagte er dem RND. Hygienestandards gehörten auch schon vor der Pandemie dazu und die Entwicklungen würde man natürlich beobachten.

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Viele Berichte über Infektionen auf vergangenen Festivals

Dabei haben sich die vergangen Großpartys trotz Freiluftcharakter durchaus als Hort von Corona-Infektionen herausgestellt. In den sozialen Netzwerken gab es hinterher regelmäßig berichte über zahlreiche Ansteckungen, so klagten etwa nach dem „Hurricane Festival“ mehrere Teilnehmende über Infektionen. Beziffern lassen sich diese nur schwierig. Schließlich gibt es keine engmaschigen Testkonzepte und auch Infektionsketten werden schon lange nicht mehr nachverfolgt.

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Zwar sind nach dem „Hurricane“ im niedersächsischen Scheeßel die Infektionszahlen im dortigen Landkreis deutlich in die Höhe geschnellt, dies liege aber auch an einer verzögerten Meldung durch technische Probleme, heißt es aus der Kreisverwaltung. Ein wirklicher Festivaleffekt auf die Zahlen ist auch deshalb schwer zu messen, da Gäste aus der gesamten Republik zu solchen Großveranstaltungen anreisen.

Nervosität in der Branche

Hört man sich in der Branche zu dem Thema um, stößt man auf wenig Redseligkeit. Nach den Einnahmeausfällen in den letzten beiden Sommern plagt die Organisatorinnen und Organisatoren derzeit ein akuter Personalmangel. Schon mehrere namhafte Veranstaltungen wie das Puls Festival wurden deshalb abgebrochen oder ganz abgesagt. Da kommen Fragen nach Hygieneschutzkonzepten zum falschen Zeitpunkt. Frei nach dem Motto: Augen zu und durch.

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„Wir wollen den Betrug unterbinden“

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Das kleinere Technofestival „Nation of Gondwana“ möchte hingegen angesichts der steigenden Infektionszahlen seine Besucherinnen und Besucher nicht ohne ein negatives Schnelltestergebnis einlassen. Das könne zwar nur stichprobenartig kontrolliert werden, „aber ich gehe davon aus, dass die Gäste sich daran halten werden“, sagt Veranstalter Markus Ossevorth. Auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter will er täglich testen lassen, um Ansteckungen im Team zu vermeiden.

„Ich kann meine wirtschaftlichen Interessen über die Gesundheit der Menschen stellen“, erklärt Ossevorth. Zudem würden die finanziellen Risiken eines Corona-Ausbruchs im Team und eine dadurch resultierende Absage des Festivals die Kosten der Maßnahmen bei weitem übersteigen. Er verstehe Kolleginnen und Kollegen, die anders handeln. Bei denen ginge es jetzt um Existenzen.

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