Vier-Punkte-Plan als Gegenmaßnahme

Lauterbach: „Befinden uns ganz klar am Beginn einer Herbst- und Winterwelle“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Angesichts der aktuell stark steigenden Corona-Zahlen in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor einer deutlichen Verschärfung der Lage in den kommenden Wochen gewarnt. „Wir befinden uns ganz klar am Beginn einer Herbst- und Winterwelle“, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin bei einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten der Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler. Mit Blick auf die Inzidenz mahnte er: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Zahlen bald wieder vierstellig sind.“ Wieler unterstrich: „Die Pandemie ist noch nicht vorbei, auch wenn wir uns in einer relativ günstigen und stabilen Situation befinden.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Schon jetzt sei der R-Wert mit fast 1,4 „sehr hoch“, so Lauterbach. Eine Entwicklung, die in ganz Europa zu beobachten sei. Dafür sei vor allem die BA.5-Variante verantwortlich. „Wir müssen uns drauf einstellen, diese bekämpfen zu müssen“, sagte der Gesundheitsminister. Zuletzt meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 96.367 Neuinfektionen binnen eines Tages. Vor einer Woche waren es 50.800. Es sei klar: „Wir werden viel zu tun haben.“ Um den Herausforderungen in Herbst und Winter begegnen zu können, stellte Lauterbach einen Vier-Punkte-Plan vor.

Die Pandemie und wir

Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Als ersten Schritt kündigte Lauterbach eine neue „innovative“ Impfkampagne an, die in zwei Wochen beginnen solle. Er mahnte diesbezüglich eine große Impflücke vor allem bei den Älteren an. Bei 75 Prozent der über 60-Jährigen würde die vierte Impfung aktuell noch fehlen. Der zweite Punkt sei die vereinfachte Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung für Patienten, die davon besser profitieren könnten. „Hier spielt insbesondere das Medikament Paxlovid eine Rolle“, so Lauterbach. Dieses senke die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts um bis zu 75 Prozent – speziell bei älteren Menschen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Gesundheitsminister Lauterbach hält an Isolationspflicht fest

Der Bundesgesundheitsminister will an der Corona-Isolationspflicht festhalten. Bei steigenden Fallzahlen sei alles andere ein falsches Signal, sagte Lauterbach.

Als dritten Punkt nannte Lauterbach eine Verbesserung der Datenlage. Dafür solle nun ein „Pandemieradar“ sukzessive ans Netz gehen. Darin enthalten sei etwa die Bettenbelegung in den Krankenhäusern. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt nach vorne.“ Abgerundet wird der Vier-Punkte-Plan mit dem an diesem Samstag in Kraft tretenden Infektionsschutzgesetz. Lauterbach rief die Länder dazu auf, die Entwicklung der Fallzahlen genau zu beobachten und dann rechtzeitig die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Es gehe darum, den richtigen Zeitpunkt „zu erwischen“, um etwa wieder Masken in Innenräumen anzuordnen. Er warnte, ohne ausreichende Gegenmaßnahmen drohten in wenigen Wochen durch hohe Krankheitszahlen auch Personalprobleme bei der kritischen Infrastruktur, etwa in Kliniken oder bei der Polizei.

Lauterbach versicherte aber: „Wir werden die Welle im Griff haben.“ Deutschland sei besser vorbereitet als im vergangenen Herbst. Ähnlich äußerte sich RKI-Präsident Wieler bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Lauterbach. Er rief zur Wachsam- und Achtsamkeit auf, sagte aber, er habe eigentlich keine „riesige Sorge“.

Corona-Zahlen steigen rasant an

Nach Schätzung des RKI machen akute Atemwegserkrankungen wie Covid-19 derzeit mehr Menschen in Deutschland zu schaffen als in Vorjahren zur gleichen Zeit. „Der Infektionsdruck nimmt jetzt im Herbst in allen Altersgruppen der Allgemeinbevölkerung wieder deutlich zu“, heißt es im Covid-19-Wochenbericht vom Donnerstagabend, der sich teilweise auch auf andere Erkrankungen der Atemwege bezieht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

War dieser Sommer der tödlichste seit Beginn der Corona-Pandemie?

Zehntausende Menschen sind im Laufe der Pandemie im Zusammenhang mit Corona gestorben. In diesem Juli waren es – im Vergleich zum ersten Pandemiejahr – hierzulande besonders viele. Ist Omikron doch gefährlicher als gedacht?

Im RKI-Wochenbericht wird die Zahl der Corona-Infizierten für vorige Woche auf 500.000 bis 1,2 Millionen geschätzt. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Freitagmorgen mit 466,0 an. Das ist ein deutlicher Anstieg zum Vortag, als der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 409,9 gelegen hatte (Vorwoche: 294,7; Vormonat: 247,1). Allerdings liefern diese Angaben nur ein sehr unvollständiges Bild der Infektionszahlen. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei Weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik.

Erkältungswelle beginnt ebenfalls

Neben Sars-CoV-2 gehörten Rhinoviren zu den vorherrschenden Viren, die etwa zu Hausarztbesuchen führen, hieß es im Wochenbericht weiter. Diese Erreger lösen Erkältungen aus. Bei schwer verlaufenden Erkrankungen der Atemwege hingegen – gemeint sind Krankenhausbehandlungen –, sei noch kein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, hält das RKI mit Blick auf die vergangene Woche fest.

Weil sich Menschen im Herbst wieder vermehrt drinnen aufhalten und mit einem weiteren Anstieg der Erkrankungen gerechnet werden müsse, erinnert das RKI: „Regelmäßiges richtiges Lüften (Stoßlüften) mit hohem Luftaustausch und geringem Wärmeverlust“ sei sehr wichtig, um das Risiko von Ansteckungen zu verringern. Hintergrund ist, dass man sich in geschlossenen Räumen leichter als im Freien durch Tröpfchen anstecken kann, die Kranke etwa beim Niesen oder Husten ausstoßen. Generell mahnte das RKI, zum Schutz gefährdeter Gruppen die Empfehlungen zum Vermeiden von Infektionen weiterhin einzuhalten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mit Agenturmaterial

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken