Proteste gegen Energiekrise und Inflation

Vor Demos in Leipzig: Unter #heißerherbst sammelt sich bei Twitter ein Potpourri aus Rechten und Linken

Auf Twitter trenden die Hashtags zum „Heißen Herbst“ – mit Beiträgen aus allen extremen Lagern.

Auf Twitter trenden die Hashtags zum „Heißen Herbst“ – mit Beiträgen aus allen extremen Lagern.

Berlin. In den sozialen Medien deutet sich jetzt schon an, was an diesem Montagabend in Leipzig Realität werden könnte: Ein Kuddelmuddel aus Demonstrantinnen und Demonstranten. Rechts, links, oder gänzlich unpolitisch und einfach verängstigt: Wer weiß das schon? Der einzige Konsens: Einen „heißen Herbst“ wollen sie starten – gegen die aktuelle Bundesregierung, deren Energiepolitik und das dritte Entlastungspaket.

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Es gab schon im Vorfeld genug Stimmen, auch aus der eigenen Partei, die Sören Pellmann, den Ost-Beauftragten der Linke-Fraktion im Bundestag, gewarnt haben. Warum gerade Leipzig und dann auch noch Montag? Das Symbol der Montagsdemo, das einst zum Ende der DDR führte, wird seit Jahren von Rechtsgesinnten gekapert – erst Pegida, dann Querdenker, nun Putin-Freunde.

Gysi will sich klar gegen rechte Demonstranten positionieren

Dass diese Sorge nicht unbegründet ist, hat sich bewahrheitet, als die Rechtsaußen-Splitterpartei „Freie Sachsen“ im Netz eine Montagsdemo ankündigte. Sie suggeriert, dass rechte Szenegrößen wie Jürgen Elsässer, Martin Kohlmann und André Poggenburg mit dem Linksfraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und eben Pellmann in Leipzig auftreten werden. Die Linke positioniert sich hart dagegen, Gysi sagte etwa kürzlich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Wir dürfen den Rechten die Straßen und Plätze nicht überlassen.“ Er werde sich klar gegen rechte Mitdemonstranten stellen: „Außerdem werde ich den Rechten schon etwas sagen, nämlich, dass unsere Gesellschaft das gesamte rechte Gesocks nicht dulden darf.“ Es wird an diesem Montagabend insgesamt acht Demonstrationen in Leipzig geben, aber ob sie wirklich so sauber trennbar sein werden, wie sich das die Linke wünscht, bleibt fragwürdig.

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Auf Twitter trendeten am Montag die Hashtags #heisserherbst, #heißerherbst und #le0509 mit mehreren Tausend Tweets. Unter den Verfassern: neben AfD- und Linken-Politikerinnen und -Politikern Anhänger beider Parteien und genauso Twitter-Nutzer, die sich selbst laut Profilbeschreibung weder als links noch als rechts sehen.

Linke warnen davor, mit Rechten zu laufen, fordern auf, sich dagegenzustellen. Andere wiederum rufen dazu auf, lieber gar nicht zu laufen und stattdessen zu Hause zu bleiben. Ein Twitter-Nutzer bringt es auf den Punkt: „So wie ich es verstehe, wollen viele Linke mit und viele Linke gegen Rechte demonstrieren. Was ein Chaos! Am besten bleibt man wohl zu Hause.“ Es häufen sich aber auch Tweets von Linken, die genau diese Einstellung kritisieren und gerade wegen der Protestaufrufe der Rechten auf die Straße wollen.

Auf Twitter durchmischen sich die Lager vor der Demo

Rechte Twitter-Nutzer, die sich sonst eindeutig gegen links stellen, teilen Tweets von Linksgesinnten, schreiben, die Proteste seien weder links noch rechts. Oder es interessiere sie schlichtweg nicht: „Mir ist es mittlerweile scheißegal mit wem ich die nächsten Monate zusammen auf der Straße gegen unsere Regierung und ihre Politik demonstrieren werde, selbst wenn Stalin, Mao oder Freddy Krüger neben mir stehen würden, würde ich mitgehen!“

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Unter den Hashtags zu den angekündigten Demonstrationen finden sich vermehrt Twitter-Nutzer, die bislang Anti-Impfkampagnen verbreiteten. Nicht wenige der Montagsspaziergänger werden wohl jetzt am „Heißen Herbst“ teilnehmen.

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Ausstieg aus der Krise: Hoch bezahlter IT-Experte gab alles auf und zog in den sächsischen Wald

Ist er verrückt? Oder konsequent? Während andere versuchen, bei Strom und Lebensmitteln zu sparen, gibt Ben Green sein altes Leben auf und zieht in den sächsischen Wald, wo er als Selbstversorger lebt. Er will damit ein Zeichen setzen.

Auch trans- und frauenfeindliche Tweets finden sich auf den Profilen der Verbreiter des #heissenherbst. Dazu gesellen sich aber auch Feministinnen. Und dann gibt es die, die sich schlichtweg keinem Spektrum zuordnen lassen, gegen die Regierung sind, aber auch mal gegen links, mal gegen rechts. Eine Frau wird dabei aber besonders oft retweetet und gelobt – und zwar aus beiden Lagern: Sahra Wagenknecht. Die umstrittene Linken-Politikerin vertritt in der Energiepolitik auch, entgegen der Parteilinie, Positionen der AfD. So spricht sie etwa genau wie die rechte Partei von einem „Wirtschaftskrieg“ der Bundesregierung gegen Moskau.

Es ist ein Potpourri aus Rechtsextremen, teils auch Konservativen, Linkspopulistischen, aber auch einfach verängstigten Bürgerinnen und Bürgern, die sich in den sozialen Medien unter einem Hashtag versammeln. Da wird gesagt, die Proteste seien weder links noch rechts, es sei egal, mit wem man marschiere. Oder aber: Man müsse sich eindeutig von rechts abgrenzen. Wie gut oder schlecht das funktioniert, wird sich an diesem Montag und auch in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.

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