Kommentar

Viel gescholten und doch verkannt: Der Tankrabatt ist besser als sein Ruf

Zapfpistolen an einer Tankstelle. Der Tankrabatt war besser als sein Ruf, meint Tim Szent-Ivanyi.

Zapfpistolen an einer Tankstelle. Der Tankrabatt war besser als sein Ruf, meint Tim Szent-Ivanyi.

Berlin. Es ist Zeit, eine Lanze zu brechen für einen viel gescholtenen Entlastungsbeschluss der Ampelkoalition: den Tankrabatt. Zunächst sah es danach aus, als hätten die Mineralölkonzerne die kommende Woche auslaufende Steuersenkung einbehalten und somit ihre ohnehin üppigen Gewinne noch aufgestockt. Doch inzwischen haben Studien ergeben, dass der Rabatt weitgehend an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde.

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Millionen von Pendlern, die auf dem Land wohnen und täglich Dutzende Kilometer zur Arbeit fahren müssen – aber mangels Angebot nur schwer oder gar nicht auf Bus oder Bahn umsteigen können – haben in den vergangenen drei Monaten viel Geld gespart.

Auch das 9‑Euro-Ticket war keine zielgenaue Entlastung

Sicher, auch der Porschefahrer, dem die Spritpreise im Zweifel völlig egal sind, konnte billiger tanken. Aber man muss sich auch ehrlich machen: Das 9‑Euro-Ticket ist ebenfalls nicht das, was man eine wirklich zielgenaue Entlastung nennt. Gerade in den Großstädten haben sich auch Gutverdiener darüber gefreut, ihr teures Nahverkehrsabo für drei Monate einmotten und fast gratis fahren zu können.

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Ein wichtiger Einwand gegen den Tankrabatt ist und bleibt natürlich berechtigt: Er konterkariert alle Bemühungen für den Klimaschutz. Doch inzwischen müssen wegen des Kriegs gegen die Ukraine auch Kohlekraftwerke wieder ans Netz gehen. Warum sollen ausgerechnet die Berufspendler, die aufs Auto angewiesen sind, für die verfehlte Energiepolitik diverser Bundesregierungen bluten?

Auf ihr Auto angewiesen: Pendlerin Bianca Lehnberg aus Uetze.

„Fühle mich verarscht“: Warum eine Pendlerin weder vom Tankrabatt noch vom 9‑Euro-Ticket profitiert

Für Bianca Lehnberg aus Uetze bei Hannover ist der gescheiterte Tankrabatt eine Katastrophe. Die Pendlerin und alleinerziehende Mutter hat keine Chance, das günstige 9‑Euro-Ticket im Nahverkehr zu nutzen. Die Wut auf Ölkonzerne und Politik ist groß. Konsequenzen will sie auch bei der nächsten Wahl ziehen.

Gleichwohl wäre es unvernünftig, den Tankrabatt fortzuführen – allerdings nur unter einer Bedingung: Die Bundesregierung setzt ihr Versprechen um, insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen bereits ab Oktober zielgerichtet zu entlasten – auch zum Beispiel durch eine höhere Pendlerpauschale. Dann kann der Tankrabatt als pragmatische, aber klimaschädliche Subvention mit Gießkannencharakter zu den Akten gelegt werden.

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