Echtheit des Videos unklar

Russischer Deserteur von Söldnergruppe Wagner offenbar mit Vorschlaghammer hingerichtet

Das Logo der russischen Söldnergruppe Wagner.

Das Logo der russischen Söldnergruppe Wagner.

Die russische Söldnergruppe Wagner hat offenbar einen Deserteur hingerichtet. Ein entsprechendes Video von dem Vorfall wurde am Wochenende auf Telegram veröffentlicht. Darauf ist zu sehen, wie ein Mann mit seinem Kopf mit Klebeband an einem Stein befestigt ist. Zahlreiche nationale und internationale Medien berichten über den Vorfall.

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Der Mann stellte sich in dem Video in einem Keller als Jewhen Nuzhin, geboren 1967, vor. Er sei als Häftling einer Strafkolonie bei Moskau an die Front geschickt worden, um zu kämpfen. Schließlich habe er sich aber Anfang September ergeben und wollte für die Ukraine kämpfen. Das erzählte er in einem Interview mit einem ukrainischen Journalisten am 12. Oktober, als er in Kriegsgefangenschaft war, wie in dem Video zu sehen ist.

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Mann wird mit Vorschlaghammer getötet

Der Gefangene erklärte weiter, dass er angeblich am 11. November auf den Straßen von Kiew unterwegs war, wo ihm auf den Kopf geschlagen wurde, er das Bewusstsein verlor und in dem Keller landete. Dort sei ihm mitgeteilt worden, dass er vor Gericht gestellt werde.

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Wenig später schlägt ein nicht näher erkennbarer Mann in Militäruniform ihm mit einem Vorschlaghammer auf den Kopf. Der Gefangene fällt zu Boden, der uniformierte Mann schlägt ein zweites Mal zu. Dann endet das Video.

Der mit der Wagner-Gruppe in Verbindung stehende russische Telegram-Kanal, auf dem das Video veröffentlicht wurde, schrieb als Überschrift „Hammer der Vergeltung“. Weiter hieß es: „Und nun, plötzlich aus den Ermittlungen in Kiew verschwunden, erhielt der Verräter seine traditionelle Ur-Wagner-Strafe.“

Echtheit des Videos nicht belegt

Ob das Video echt ist und ob es sich tatsächlich um Jewhen Nuzhin handelt, lässt sich derzeit nicht zweifelsfrei belegen. Für die Echtheit spricht, dass der Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin (61), es mit diesen Worten kommentierte: „Was den Gefesselten betrifft, so zeigt diese Sendung, dass er in der Ukraine kein Glück gefunden hat, sondern auf unfreundliche, aber faire Menschen traf“, soll Prigoschin laut des ukrainischen Mediums „Pravda“ in russischen Medien gesagt haben.

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Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin.

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin.

„Pravda“ zeigt aber auch, dass es Zweifel an der Echtheit des Videos und die Identität des Gefangenen gibt. So klinge es unglaubwürdig, dass Kriegsgefangene sich in Kiew frei bewegen könnten, wie der Gefangene in dem Video beschrieb, bevor er das Bewusstsein verloren haben soll. Russische Medien hätten vor einiger Zeit zudem berichtet, dass Nuzhin angeblich während eines Gefangenenaustauschs nach Russland zurückgekehrt war.

Das ukrainische Medien spekuliert, dass Russland und die Wagner-Gruppe mithilfe eines solchen Videos russische Wehrpflichtige von Desertationen abhalten wollen.

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Peskow: „Es ist nicht unsere Sache“

Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte den Vorfall auf Nachfrage der privaten russischen Nachrichtenagentur Novaya Gazeta Europe nicht näher kommentieren. „Kein Kommentar“, sagte er und führte aus: „Wir wissen nicht, was es ist oder ob es wahr ist oder nicht. Es ist nicht unsere Sache.“

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Wagner-Gruppe nimmt jetzt auch erkrankte Strafgefangene auf

Insbesondere beim russischen Angriffskrieg spielt die Söldnergruppe Wagner eine Rolle, sie kämpft seit 2014 in der Ukraine. Söldner der Gruppe sind aber auch in Lateinamerika und Afrika im Einsatz. Seit Jahren wird die Gruppe verdächtigt, Moskaus Außenpolitik vor allem mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Der Kreml hatte jegliche Verbindungen bislang stets abgestritten.

Derweil soll die Söldnergruppe wegen hoher Verluste ihre strengen Einstellungskriterien deutlich abgeschwächt haben, berichtet der britische Geheimdienst. „In früheren Konflikten hat sie relativ hohe Rekrutierungsstandards aufrechterhalten, und viele ihrer Söldner hatten zuvor als professionelle russische Soldaten gedient“, hieß es Ende Oktober aus dem britischen Verteidigungsministerium. Zuletzt habe Wagner-Chef Prigoschin in einem Onlinebeitrag aber nahegelegt, dass die Gruppe nun auch Häftlinge mit schweren Krankheiten wie zum Beispiel Hepatitis C rekrutieren würde.

RND/nis mit dpa

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