Kari Lake verliert Gouverneurswahl in Arizona

Die nächste Klatsche für eine Kandidatin aus dem Trump-Lager

Kari Lake, republikanische Gouverneurskandidatin in Arizona, spricht nach der Stimmabgabe am Wahltag.

Kari Lake, republikanische Gouverneurskandidatin in Arizona, spricht nach der Stimmabgabe am Wahltag.

Washington. Noch im Moment ihres jähen Absturzes blieb Kari Lake dem Trump-Drehbuch treu. „Die Bürger von Arizona wissen genau, wenn sie Bullshit sehen“, twitterte die Republikanerin, nachdem die Nachrichtenagentur AP ihre demokratische Gegenkandidatin Katie Hobbs zur Siegerin der Gouverneurswahl in Arizona erklärt hatte. Lake, die sich mit ihrem aggressiven rechtspopulistischen Wahlkampf die Spitznamen „Trump mit Lippenstift“ und „Kaiserin von Trollistan“ verdient hatte, erkannte das Ergebnis zunächst nicht an.

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Die überraschende Niederlage einer der prominentesten Vertreterin der Trump-Lüge von der gestohlenen Präsidentschaftswahl sendet ein donnerndes Signal vor der für die Nacht zum Mittwoch erwarteten erneuten Präsidentschaftsbewerbung von Donald Trump aus. Arizona ist nämlich traditionell ein republikanischer Staat. Doch ein Drittel der Wähler sind parteipolitisch ungebunden. Der bisherige republikanische Gouverneur Doug Doucey, ein moderater Republikaner, war 2018 mit satten 14 Punkten Vorsprung ins Amt gewählt worden.

Hetze gegen Medien und McCain-Republikaner

Kari Lake, eine ehemalige Nachrichtenmoderatorin, hatte hingegen von Anfang an nicht nur den Demokraten und der Presse, sondern auch den traditionellen Republikanern den Kampf angesagt. „Sind irgendwelche McCain-Anhänger im Raum?“, wetterte sie bei ihren Kundgebungen in Anspielung auf den verstorbenen Ex-Senator John McCain: „Haut bloß zum Teufel ab!“

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Ihre Abkehr von bürgerlichen Normen trieb sie auf die Spitze, als sie bei einer Kundgebung einen Witz über das Mordattentat auf Paul Pelosi, den Ehemann von Parlamentssprecherin Nancy Pelosi, riss.

09.11.2022, USA, Palm Beach: Der ehemalige Präsident Donald Trump spricht am Wahltag im Mar-a-Lago zu Unterstützern. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Was jetzt, Donald?

Das miserable Abschneiden seiner extremen Kandidatinnen und Kandidaten bei den Zwischenwahlen hat den Nimbus von Donald Trump als Königsmacher beschädigt. Bei den Republikanern gibt es erste Absetzbewegungen. Doch ohne Rücksicht auf seine Partei will der Ex-Präsident am Dienstag seine erneute Bewerbung fürs Weiße Haus verkünden.

Ähnlich wie Trump, doch wesentlich kontrollierter und scheinbar perfekt für das von ihr gleichzeitig regelmäßig bepöbelte Fernsehen inszeniert, verdichtete sie ihre Kampagne zum rechten Kulturkampf um Zuwanderung, Elternrechte und angeblichen Wahlbetrug.

An Charisma und öffentlicher Präsenz war Katie Hobbs der von Trump aktiv unterstützten Republikanerin weit unterlegen. Die 52-jährige Ex-Sozialarbeiterin scheut das Scheinwerferlicht. Im Wahlkampf hatte sie kaum öffentliche Auftritte, für die man sich aus Sicherheitsgründen zudem aufwendig anmelden musste. Bei einer Kundgebung vor drei Wochen in Chandler, einem boomenden Vorort von Phoenix, waren nicht einmal 40 Zuhörer und ein einziges Kamerateam anwesend. Angeblich aus Zeitgründen beantwortete Hobbs keine Journalistinnen- und Journalistenfragen.

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Doch Hobbs hatte nach Meinung von Meinungsforschern einen entscheidenden Vorteil: Sie ist so ziemlich das Gegenteil von Lake. Als bisherige Secretary of State (teilweise vergleichbar mit einem deutschen Landesinnenminister) ist sie für die Aufsicht über die Wahlen zuständig. Dass sie das Ergebnis der Präsidentschaftswahl 2020, bei dem Joe Biden in Arizona mit knappen 11.000 Stimmen über Trump siegte, gegen massive Attacken und eine Scheinuntersuchung der Rechten verteidigte, verschaffte ihr öffentlichen Respekt. Im Wahlkampf warb sie mit dem Slogan: „Verstand gegen Chaos.“ Damit punktete sie auch bei moderaten Republikanern, die Wählerinitiativen für sie gründeten. Die Stimmen für Hobbs dürften also zu einem nicht unerheblichen Teil Stimmen gegen Lake gewesen sein.

Republikaner ziehen vor Gericht

Das Drama in Arizona dürfte mit dem hauchdünnen Wahlsieg von Hobbs, die rund 20.000 Stimmen oder 0,8 Prozentpunkte mehr als Lake einfuhr, noch nicht beendet sein. Die Republikaner und andere rechte Gruppen haben zahlreiche Klagen vorbereitet, mit denen sie das Ergebnis anfechten dürften.

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Für Donald Trump aber ist die Niederlage seiner glühendsten Anhängerin ein gewaltiger Warnschuss. So sehr seine extremen Botschaften die Hardcore-Anhängerinnen und -Anhänger auf dem Land mobilisieren, so verstörend scheinen sie auf unabhängige und gemäßigte republikanische Wähler in den Vorstädten zu wirken. Trump wäre nicht Trump, wenn er die Klatsche nicht mit einer neuen Verschwörungslüge kontern würde: „Wow! Sie haben gerade Kari Lake die Wahl gestohlen“, schrieb er auf seinem Propagandaportal Truth Social: „Es ist wirklich schlimm da draußen.“

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