Klare Forderungen an Lauterbach

Sorge vor Verschärfung des Fachkräftemangels: Ärzteverbände warnen vor „riesiger Ruhestandswelle“

Rund ein Fünftel aller Ärztinnen und Ärzte sind laut dem Marburger Bund nur noch wenige Jahre berufstätig (Symbolfoto).

Rund ein Fünftel aller Ärztinnen und Ärzte sind laut dem Marburger Bund nur noch wenige Jahre berufstätig (Symbolfoto).

Hannover/Berlin. Angesichts des bundesweiten Fachkräftemangels bei Ärztinnen und Ärzten haben mehrere Ärzteverbände eine Aufstockung der Medizinstudienplätze in Deutschland gefordert. „Die Versorgung der älter werdenden Bevölkerung braucht mehr Ärztinnen und Ärzte, als derzeit an deutschen Universitäten ausgebildet werden“, sagte die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Der Bundesärztekammerchef Klaus Reinhardt konkretisierte gegenüber dem RND: „Wir appellieren an die Länder, die Zahl der staatlich finanzierten Medizinstudienplätze in Deutschland kurzfristig um mindestens 6000 zu erhöhen.“ Aktuell stehen jährlich etwa 11.000 Studienplätze für das Fach Humanmedizin zur Verfügung.

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Reinhardt betonte die Dringlichkeit eines schnellen Handelns. Der Berufsstand stehe vor einer „doppelten demografischen Herausforderung“. Neben der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung, die für einen steigenden Behandlungsbedarf sorge, sei auch die Ärzteschaft vom demografischen Wandel betroffen.

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„Auf das deutsche Gesundheitswesen rollt eine riesige Ruhestandswelle zu, wenn die geburtenstarke Babyboomergeneration aus dem Beruf ausscheidet“, mahnte auch Johna. Derzeit seien rund 54.000 berufstätige Ärztinnen und Ärzte zwischen 60 und 65 Jahre alt, etwa 35.500 über 65 Jahre. Das bedeute: „Etwa 22 Prozent der Ärzte in Kliniken und Praxen sind nur noch wenige Jahre berufstätig oder stehen unmittelbar vor dem Ruhestand.“

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit

Zwar steige die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland seit Jahren leicht an, so Reinhardt. Dies betreffe aber nicht die zur Verfügung stehenden Arztstunden. Grund dafür sei, dass die junge Ärztegeneration großen Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf lege. „Folglich beobachten wir seit einigen Jahren, dass Teilzeitarbeit und die Tätigkeit im Angestelltenverhältnis immer beliebter werden.“ So sei die Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte im ambulanten Bereich von knapp 7000 im Jahr 1997 auf mehr als 49.000 im Jahr 2021 gestiegen.

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Den wachsenden Anteil von Teilzeitbeschäftigten unter den Ärztinnen und Ärzten sieht Johna als Zeichen „einer privaten Flucht aus Arbeitsüberlastung“. Sie fordert: „Die Politik sollte sich bei ihren Planungen endlich davon verabschieden, dass unbesetzte Stellen durch Mehrarbeit der vorhandenen Ärztinnen und Ärzte ausgeglichen werden.“ Weil zusätzliche Studienplätze erst mit Verzögerung zu besseren Bedingungen in der Versorgung führen würden, wie Reinhardt und Johna betonten, könne dem Problem kurzfristig nur mit Bürokratieabbau begegnet werden.

Dem schließt sich auch der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, an. „Wir fordern schon lange, kurzfristig durch konsequenten Bürokratieabbau die Pflegefachkräfte und die Ärztinnen und Ärzte zu entlasten“, teilte er dem RND mit. „Sie verbringen rund drei Stunden täglich mit häufig unnötiger Bürokratie, in dieser Zeit fehlen sie in der Versorgung.“

Ein großer Teil der bestehenden Regelungen würde Mehrfachdokumentationen verursachen oder nicht der medizinisch sinnvollen Dokumentation dienen, monierte Johna. Deshalb würde es ebenfalls helfen, wenn vieles von dem, was Ärztinnen und Ärzte zusätzlich neben ihrer ärztlichen Tätigkeit leisten müssten, durch die Anstellung von Fachpersonal in den Assistenzberufen aufgefangen würde.

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