Rätselhaftes Fischsterben

Brandenburgs Umweltminister: „Das gesamte Ökosystem der Oder ist geschädigt“

Tote Fische treiben im Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder.

Tote Fische treiben im Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder.

Potsdam/Berlin. Die Untersuchungen des Oderwassers auf giftige Substanzen nach dem Massenfischsterben sind noch nicht abgeschlossen. „Es kann noch mehrere Tage dauern, bis wir alle Stoffe, die wir für möglich halten, dann auch durchgecheckt haben“, sagte Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) am Montagmorgen im RBB-Inforadio. „Das Landeslabor ist da eifrig dabei.“

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Hinweise aus Polen, dass der hochgiftige Stoff Mesitylen in die Oder gelangt sei, hätten sich für Brandenburg nicht bestätigt, sagte Vogel.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel gibt ein Interview zum Fischsterben im deutsch-polnischen Grenzfluss Oder.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel gibt ein Interview zum Fischsterben im deutsch-polnischen Grenzfluss Oder.

Der Umweltminister geht davon aus, dass das massenhafte Fischsterben an der Oder noch lange Folgen haben wird. „Wir reden jetzt immer über Fische, tatsächlich ist ja das gesamte Ökosystem der Oder geschädigt“, sagte Vogel. „Wir haben wirklich lange Zeiträume, wo insbesondere Muscheln, Mollusken, Insekten dann auch Zeit benötigen, um sich wieder aufzubauen.“

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Keine Schwermetalle in Fischkadavern gefunden

Inzwischen gebe es Breitbanduntersuchungen des Wassers. „Und was die Fische betrifft, da geht es in erster Linie darum herauszufinden, ob in ihnen Schwermetalle gefunden wurden“, sagte der Umweltminister. „Von polnischen Seite wird signalisiert, dass sie keine Schwermetalle und insbesondere auch kein Quecksilber in den Fischen gefunden haben, was ja auch beruhigt.“

Die Polen fahndeten jetzt nach 300 Stoffen. „Sie haben angegeben, dass sie jetzt auch gezielt nach Insektiziden im Wasser und in den Fischen suchen“, sagte Vogel. „Von unserer Seite wird natürlich auch vom Landeslabor und von anderen beteiligten Laboren untersucht, was auch nur zu untersuchen ist.“

Vogel hofft auf bessere Zusammenarbeit

Nach Einschätzung des Umweltministers gibt es mehr als nur eine Ursache für das Fischsterben. Die Dürre und die geringe Wasserführung hätten ziemlich sicher einen Anteil daran. Tatsächlich sei das gesamte Ökosystem der Oder geschädigt. „Deswegen denken wir, dass wir auch nicht eine Katastrophe haben, die innerhalb von einem halben Jahr durch Wiederbesiedlung mit Fischen gelöst werden kann.“

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Das Fischsterben war in Brandenburg in der vergangenen Woche aufgefallen, als erste tote Fische entdeckt wurden. Bei der vielfach als schlecht kritisierten Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Polen ist Vogel optimistisch, dass die Kommunikation künftig besser wird. Der Chef der polnischen Wasserbehörde sei gefeuert und der Chef der polnischen Umweltbehörde von seinem Amt entbunden worden: „Ich denke, die polnische Seite ist jetzt ganz anders aufgestellt als noch vor einer Woche.“

Fischsterben in der Oder: Gesamtes Ökosystem geschädigt

Noch immer steht nicht fest, was genau das massive Sterben der Tiere im deutsch-polnischen Grenzfluss verursacht hat.

Lemke fürchtet Vertrauensverlust bei der Bevölkerung

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) befürchtet einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung, sollten die Hintergründe des Fischsterbens an der Oder nicht geklärt werden. Sie habe bei dem Treffen mit ihrer polnischen Amtskollegin am Sonntag in Stettin gefordert, wirklich alles dafür zu tun aufzuklären, wer der Verursacher sei, sagte Lemke im ARD-„Morgenmagazin“ am Montag. Alle Entscheidungsträger seien jetzt in der Verantwortung, diesen Verursacher zu identifizieren. „Es gäbe einen massiven Vertrauensverlust vor allem in der polnischen Bevölkerung, aber wahrscheinlich auch bei uns, wenn das nicht gelänge.“

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Die Tatsache, dass Informationen über das Fischsterben aus Polen die deutsche Seite erst sehr spät erreicht hätten, erschwere jetzt das Identifizieren der Schadensursache, sagte Lemke. Das Fischsterben in der Oder beunruhigt seit Tagen die Menschen, die in Polen und Deutschland an dem Fluss leben. Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli erste Hinweise darauf bekommen, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben. Die Ursache des Fischsterbens ist noch ungeklärt.

RND/dpa und epd

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