Untersuchung des Fischsterbens

„Gigantische Umweltkatastrophe“: Ministerium vermutet toxischen Stoff in der Oder

Fischsterben in der Oder

Fischsterben in der Oder

Potsdam. Bei der Untersuchung des Fischsterbens in der Oder zeichnet sich nach Angaben des Brandenburger Landesumweltministeriums ab, dass ein noch unbekannter, hoch toxischer Stoff durchs Wasser fließt. Doch auch nach ersten Untersuchungsergebnissen bleibe die Ursache dafür unklar, teilte das Ministerium am späten Donnerstagnachmittag mit. Am Freitag sollen weitere Ergebnisse von Untersuchungen vorliegen. Der brandenburgische Umweltminister äußerte zudem Kritik an fehlenden Informationen der polnischen Behörden und bat um Aufklärung.

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Erste Analyse-Ergebnisse zeigten übereinstimmend, dass eine starke Welle organischer Substanzen durch Frankfurt an der Oder gegangen sei und sich seitdem flussabwärts fortsetze, aktuell bis Schwedt. Die Auswirkungen auf das Ökosystem ließen auf synthetische chemische Stoffe, sehr wahrscheinlich auch mit toxischer Wirkung für Wirbeltiere schließen. Am Freitag werden laut Ministerium die ersten Ergebnisse der organischen Spurenstoff-Analyse erwartet.

Rätselhaftes Fischsterben in der Oder: Quecksilberbelastung als Ursache?

Auf polnischer und auf deutscher Seite des Flusses wurden Tausende tote Fische entdeckt. Die Ermittlungen laufen.

Landesumweltminister Axel Vogel (Grüne) sagte laut Mitteilung: „Man muss festhalten, dass die Meldeketten zwischen der polnischen und der deutschen Seite in diesem Fall nicht funktioniert haben.“ Eine Meldung durch die polnischen Behörden, wie sie im Alarm- und Meldeplan sowie im Havarieplan der Internationalen Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung (IKSO) vorgesehen sei, habe das Landesamt für Umwelt nicht erreicht. Die Umweltbehörde habe am Dienstag (9. August) über das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) erste Hinweise auf eine Umweltverschmutzung erhalten, hieß es.

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Das Landesamt übergab zur Analyse Proben des Wassers an das Landeslabor Berlin-Brandenburg. Auch bei toten Fischen werden laut Mitteilung des Ministeriums Proben entnommen, um die Ursache des Fischsterbens zu analysieren. Zudem wollen die Behörden eine Ausbreitung des belasteten Wassers verhindern. Die Alte Oder sei von der Haupt-Oder abgetrennt worden, teilte das Umweltressort mit. Auch für Spree und die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße habe das Wasser- und Schifffahrtsamt Vorsorge getroffen.

Wie die polnischen Umweltschutzbehörde bekanntgab, sei das Fischsterben wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst worden. „Alles deutet darauf hin, dass die Verschmutzung der Oder, die zum Sterben zahlreicher Fische geführt hat, industriellen Ursprungs sein könnte“, sagte die stellvertretende Leiterin der Behörde, Magda Gosk, am Donnerstag. Die Umweltbehörde versuche, mit Drohnenüberflügen potenzielle Verschmutzungsquellen aufzuspüren und festzustellen, wie der Zustand des Flusses sei. Man untersuche, um welche Substanz es sich handelt und „vor allem, wer diese Substanz wo in die Oder eingeleitet hat“, sagte Gosk weiter.

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Der Chef der polnischen Wasserbehörde, Przemyslaw Daca, sagte am Donnerstag, Mitarbeiter seiner Behörde, Angler und freiwillige Helfer hätten insgesamt zehn Tonnen verendeter Fische geborgen. „Das zeigt, dass wir es mit einer gigantischen und entsetzlichen Umweltkatastrophe zu tun haben.“

Anfang August hatte das Gewässeramt in Wroclaw (Breslau) mitgeteilte, dass der hohe Sauerstoffgehalt im Wasser von den typischen Sauerstoffkonzentrationen im Sommer abweiche. Es sei möglich, dass eine Substanz mit stark oxidierenden Eigenschaften ins Wasser gelangt sei. Zudem wurde an zwei Stellen die giftige Substanz Mesitylen nachgewiesen. Die örtliche Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines möglichen Umweltdelikts.

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RND/dpa

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