Die Ukraine auf dem Rückzug

Gezielter Strategiewechsel? Kiew forciert den Partisanenkrieg

Russische Soldaten an einem Weizenfeld nahe der Stadt Melitopol. In der südukrainischen Stadt gab es zuletzt mehrere Anschläge auf prorussische Politiker.

Es gibt Hinweise, dass die Ukraine angesichts der überlegenen russischen Feuerkraft ihre Strategie gewechselt hat und absichtlich Städte wie Lyssytschansk oder zuvor Sjewjerodonezk den Angreifern überlässt.

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Der unmittelbaren Einkesselung entgehen

Laut CNN glaubt der unabhängige US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW), dass die ukrainischen Streitkräfte so der Gefahr einer unmittelbaren Einkesselung entgehen. Gleichzeitig scheint sich der ukrainische Widerstand hinter den russischen Linien zu verstärken. Nach Angaben einer hochrangigen US-Beamtin deuten Attentatsversuche auf prorussische Beamte in den vergangenen zwei Wochen darauf hin.

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Obwohl es sich bisher nur um wenige Vorfälle in der Stadt Cherson handelt, sagen US-Beamte, dass sich der Widerstand zu einer umfassenderen Aufstandsbekämpfung entwickeln könnte, die eine erhebliche Herausforderung für Russlands Fähigkeit darstellen würde, neu erobertes Territorium in der gesamten Ukraine zu kontrollieren.

Zunehmende Partisanenaktivitäten in der Südukraine.

Avril Haines,

stellvertretende CIA-Direktorin

Der Kreml „sieht sich zunehmenden Partisanenaktivitäten in der Südukraine gegenüber“, bestätigt Avril Haines, die stellvertretende CIA-Direktorin, während einer Konferenz in Washington dem TV-Sender CNN.

Verlust von Lyssytschansk: Selenskyj kündigt Rückeroberung an

Trotz des Rückzugs der ukrainischen Armee aus der Stadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine, sieht Selenskyj sie noch nicht als verloren an.

Die USA glauben, dass Russland nicht über genügend Streitkräfte in Cherson verfügt, um die Region effektiv zu besetzen und zu kontrollieren, so ein US-Beamter, insbesondere nachdem sie Kräfte aus dem Gebiet für den Kampf im Osten im Donbass abgezogen hatte.

Ein anderer US-Beamter sagte CNN, dass dieser Schritt ukrainischen Partisanen möglicherweise ein Fenster gegeben habe, in dem sie lokal installierte russische Beamte angreifen könnten.

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Cherson ist seit Anfang des Krieges von russischen Truppen besetzt. Jetzt droht die Angliederung an Russland.

Cherson ist seit Anfang des Krieges von russischen Truppen besetzt. Jetzt droht die Angliederung an Russland.

Der folgenschwerste Angriff ereignete sich am 24. Juni, als Dmitri Sawlutschenko, ein für Jugend und Sport zuständiger Beamter der prorussischen Verwaltung, in Cherson getötet wurde. Von dem Anschlag berichtete auch die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

Serhij Chlan, ein Berater der ukrainischen Militärverwaltung von Cherson, nannte Sawlutschenko einen „Verräter“ und sagte, er sei in seinem Auto in die Luft gesprengt worden. Chlan verkündete: „Unsere Partisanen haben einen weiteren Sieg errungen.“

„Ich denke, dass es für Russland sehr schwierig sein wird, eine stabile Verwaltung für diese Regionen aufzubauen, da wahrscheinlich vor allem prominente Kollaborateure ermordet werden und andere in Angst leben“, sagte Michael Kofman, Direktor für Russland-Studien am Center for Naval Analyses, im Gespräch mit CNN. Zudem hat die Ukraine in der Nähe von Cherson begrenzt Gegenangriffe durchgeführt, was die russischen Streitkräfte zusätzlich belastet.

Die verbliebene Bevölkerung steht den Besatzern feindlich gegenüber, kurz nach der Eroberung kam es hier in Cherson immer wieder zu spektakulären Aktionen zivilen Ungehorsams, auf sozialen Netzwerken wurden diese in die Welt getragen. Heute sind die Verbindungen in die Außenwelt fast alle gekappt.

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Während einer Kundgebung gegen die russische Besatzung auf dem Svobody-Platz (Freiheitsplatz) in Cherson am 7. März 2022 rufen Menschen den Soldaten der russischen Armee entgegen, sie sollen verschwinden.

Während einer Kundgebung gegen die russische Besatzung auf dem Svobody-Platz (Freiheitsplatz) in Cherson am 7. März 2022 rufen Menschen den Soldaten der russischen Armee entgegen, sie sollen verschwinden.

Für Russland ist diese Region enorm wichtig, weil es hier um die Kontrolle der Schwarzmeerküste und einen Zugang zur Halbinsel Krim geht.

Dafür, dass die Ukraine ihre Strategie ändert und verstärkt im Hinterland des Feindes aktiv wird, spricht auch die Meldung, dass es in der besetzten Großstadt Melitopol im Süden der Ukraine zu schweren Explosionen kam.

Mehr als 30 Geschosse seien auf einen der vier russischen Militärstützpunkte in der Stadt abgefeuert worden, teilte der ukrainische Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fjodorow, am Sonntag in einer auf seinem Telegram-Kanal verbreiteten Videoansprache mit. Der Stützpunkt sei damit außer Gefecht gesetzt worden. Unabhängig lassen sich diese Angaben nicht überprüfen.

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