Ausgefallene Ruderanlage bei Windstärke sieben

Griechische Küstenwache rettet Hunderte Geflüchtete aus Seenot

Die Besatzung steuert ein Boot der griechischen Küstenwache.

Die Besatzung steuert ein Boot der griechischen Küstenwache.

Athen. Es war eine Rettung aus höchster Not: Steuerlos trieb in der Nacht zum Dienstag ein schrottreifer Fischkutter südlich der griechischen Insel Kreta im Meer. An Bord des Schiffes waren etwa 430 Migrantinnen und Migranten – viel zu viele für das nur 25 Meter lange Boot. Steife Winde der Stärke sieben auf der Beaufort-Skala (50 bis 60 km/h) trieben das Schiff, dessen Ruderanlage offenbar ausgefallen war, immer weiter aufs offene Meer hinaus. Einem der Passagiere gelang es kurz nach Mitternacht, mit seinem Handy die griechische Notrufnummer 112 zu wählen.

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Zu diesem Zeitpunkt trieb das Schiff etwa 33 Kilometer vor dem kleinen Hafen Paleochora vor der Südküste Kretas. Sofort leitete die griechische Küstenwache eine Rettungsaktion ein, an der sich neben Patrouillenbooten auch die Fregatte „Kanaris“ der griechischen Kriegsmarine, ein Tanker und zwei Frachter beteiligten. Die großen Frachtschiffe legten sich als Wellenbrecher schützend vor das Flüchtlingsboot.

Rettungsmission mit Marine, Tanker und zwei Frachtern

Zwei griechischen Fischerbooten gelang es am Dienstagvormittag, den Havaristen zum Hafen von Paleochora zu schleppen. Dort trafen die Behörden und Bewohner Vorbereitungen für die Aufnahme der Migranten. Sie sollen überwiegend aus Syrien und Pakistan stammen. Unter den Geretteten sind zahlreiche Kinder.

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Griechische Küstenwache rettet rund 430 Geflüchtete aus Seenot

Die Rettungsaktion dauerte mehrere Stunden, da in dem Gebiet heftige Winde herrschten und daher das Boot zu kentern drohte.

Der kleine Hafenort, der im Sommer ein beliebtes Touristenziel ist, hat nur etwa 1800 Einwohner. Die Erstversorgung von so vielen Schutzsuchenden mit Kleidung und Essen ist deshalb eine große Herausforderung. Helfer, Helferinnen, Sanitäterinnen und Sanitäter aus anderen Teilen Kretas waren unterwegs nach Paleochora, berichteten örtliche Medien.

Ein Zeitalter ohne Antibiotika droht – können wir uns noch retten?

Ärztinnen und Ärzte warnen vor einem „postantibiotischen Zeitalter“: Bakterien werden resistenter, Antibiotika damit allmählich unwirksam. Es braucht neue Waffen gegen die Erreger. Forschende weltweit suchen nach Lösungen im Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen – doch sie stoßen dabei schnell an ihre Grenzen.

Ein Sprecher der Küstenwache bezeichnete die Rettungsaktion wegen des starken Windes und des hohen Seegangs als „ziemlich schwierig“. Fotos des griechischen Internetportals Nea Kriti (Neues Kreta) zeigen den rostzerfressenen Fischkutter, an dessen Deck sich Hunderte Menschen drängten. Die Migrantinnen und Migranten kamen offenbar aus der Türkei und waren unterwegs nach Italien.

Immer häufiger wählen Schleuser diese gefährliche Route, um die Flüchtlingslager in Griechenland zu umgehen. Aber die langen Überfahrten sind lebensgefährlich, vor allem im Herbst und Winter. Die meist maroden und überladenen Boote geraten häufig in Seenot oder sinken sogar. In diesem Jahr sind bereits Dutzende Menschen bei Havarien zwischen der Türkei und Italien ertrunken. Die griechische Regierung hat die türkischen Behörden seit Monaten immer wieder aufgefordert, den Schleusern das Handwerk zu legen und die riskanten Überfahrten zu stoppen. Im sogenannten Flüchtlingsdeal mit der EU hatte sich die Türkei 2016 verpflichtet, die irreguläre Migration aus der Türkei in die EU zu unterbinden.

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