CDU-Politiker zieht in Buch Lehren aus Pandemiepolitik

Der „Schlusspunkt“ des Jens Spahn

Seit knapp einem Jahr ist er nicht mehr im Amt: der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Seit knapp einem Jahr ist er nicht mehr im Amt: der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Berlin. Jens Spahn will einen Schlussstrich ziehen. Hinter seine Corona-Politik und wohl auch hinter seine Zeit als Bundesgesundheitsminister. Auch deswegen habe er sein Buch geschrieben, als „Schlusspunkt“, wie er es bei der Buchvorstellung am Mittwochabend in Berlin formuliert.

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Der Titel seines Buchs „Wir werden einander viel verzeihen müssen“ geht zurück auf einen Satz, den Spahn zu Beginn der Pandemie gesagt hatte: Als er um Verständnis für die Entscheidungen in der Corona-Politik warb, mahnte er im Bundestag, dass „wir miteinander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten“. Mit dem Buch habe er zunächst seine Lehren aufschreiben wollen und auch seine Fehler, sagt er.

Jens, wir haben ein Problem. In Heinsberg.

NRW-Gesundheitsminister Laumann zu Spahn

(Auszug aus „Wir werden einander viel verzeihen müssen“)

Spahns Entschuldigung richtet sich vor allem an Familien und Kinder

Über die Frage der Moderatorin Miriam Hollstein, bei wem er denn um Verzeihung bitten müsse, denkt Spahn nicht lange nach. Bei Familien und Kindern, betont er. Sehr stark im Fokus seien etwa die Älteren gewesen oder die Wirtschaft. „Wir haben über nichts mehr diskutiert als über Schulschließungen“, erinnert er sich. Aber Familien seien zu lange und zu wenig im Fokus gewesen.

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Auch seine Forderung nach der Abschaffung des Rechtskonstrukts der epidemischen Lage nationaler Tragweite im Oktober 2021 sei eine „Fehleinschätzung“ gewesen. Nur wenige Wochen später musste er bekannt geben: „Die Lage ist so ernst wie nie.“ Das habe kommunikativ nicht funktioniert, gibt er zu.

Mit eindringlichen Worten berichtete Minister Speranza von den Zuständen in Bergamo: von den vielen Infizierten mit blau angelaufenen Lippen, eine Folge von bereits eingetretenem Sauerstoffmangel. Und er sagte mit Verzweiflung in der Stimme: „Sie kommen zu spät in die Kliniken, sie kommen einfach alle viel zu spät.“

Jens Spahn

(Auszug aus „Wir werden einander viel verzeihen müssen“)

Im Laufe des Abends dreht sich das Gespräch auch um die Anfänge der Pandemie. Nach einer Beratung mit dem Virologen Christian Drosten und Robert-Koch-Institut-Chef Lothar Wieler hätte Spahn eine Nacht lang nachgedacht. In einem der drastischsten Szenarien hätte es Zehntausende Beatmungspatienten geben können. Auch die sich zuspitzende Lage in den Kliniken im italienischen Bergamo zu Anfang der Pandemie erinnere er noch gut. Kurz danach war der erste Lockdown durch die Bundesregierung angeordnet worden.

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Die Journalistin Hollstein nennt Corona „eine der größten Krisen des 20. Jahnhunderts“, die Spahn in seinem Buch angefangen habe aufzuarbeiten. Das wird für Spahn aber wohl nicht die einzige bleiben: Als Fraktionsvize der Union ist er nun für Energie zuständig – in Zeiten von sich zuspitzender Energiekrise infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Die Bundesregierung und insbesondere den Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht er in seiner Oppositionsarbeit hart an.

Ich kann gar nicht mehr sagen, was für mich das Fass zum Überlaufen brachte. Eine Presseanfrage zu viel, eine Schlagzeile, die nervte, eine weitere zugespitzte Kritik – alles für sich genommen kein Drama, kaum erwähnenswert. Aber ich saß in meinem Büro, und die Ereignisse der letzten Wochen, die Anspannung, die Emotionen übermannten mich.

Jens Spahn

(Auszug aus "Wir werden einander viel verzeihen müssen")

Auch am Mittwochabend erlaubt er sich eine Bemerkung, die sich auch als Spitze gegen Habeck interpretieren lässt. Die Bürger würden nicht jeden Tag wissen wollen, wie es der Regierung geht, sagt er. Auch nicht, ob man gefrühstückt habe. Habeck hatte jüngst in einer Talkshow erzählt, kaum noch zu frühstücken.

Wir alle liegen mal falsch.

Jens Spahn,

ehemaliger Gesundheitsminister

Doch Spahn möchte auch für Verständnis werben – wohl für seine eigenen politischen Entscheidungen und die der anderen. „Wir alle liegen mal falsch“, sagt er. Man müsse darüber reden können, ohne zu verhärten.

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