Deutschlandtag

Konservativ, aber ganz anders als sein Vorgänger – der neue JU-Chef Winkel

Johannes Winkel, der neue Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU).

Johannes Winkel, der neue Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU).

Fulda. Sechs Tage bei der Jungen Union Bayern, ein Wochenende mit der Jungen Union Hessen und zahlreiche Besuche bei Ostverbänden sowie im Norden. Im September und Oktober legte Johannes Winkel einen Marathon hin: Insgesamt 15.000 Kilometer durch Deutschland, wie er in seiner Bewerbungsrede für den Bundesvorsitz der Jungen Union am Freitagabend erzählte. Er kämpfte wochenlang um Unterstützung, die er nun auf dem Deutschlandtag der Jugendorganisation bekommen hat.

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Auf dem Bundeskongress der Jungen Union wurde der 31-jährige Winkel mit 86 Prozent zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Sein Vorgänger, der 35-jährige Tilman Kuban, scheidet wegen der Altersgrenze aus der Jugendorganisation aus und ist mit langem Applaus verabschiedet worden. Weitere Kandidaten neben Winkel gab es nicht, deswegen hatten einige in der JU mit einem Ergebnis deutlich über 90 Prozent gerechnet.

Schon seit jungen Jahren in der JU

Winkel führt seit 2020 den JU-Landesverband von Nordrhein-Westfalen, der ihn für den Bundesvorsitz nominiert hat. „Johannes Winkel hat früh seine Kandidatur erklärt und Nordrhein-Westfalen ist ein sehr großer Verband“, sagte sein Vorgänger Kuban vor dem Kongress. Übersetzt bedeutet das: Winkel hat einen mächtigen Verband hinter sich und jetzt ist mal NRW dran. Der Niedersachse Kuban hatte 2019 mit seiner Kampfkandidatur den Favoriten des NRW-Landesverbandes, den Thüringer Stefan Gruhner, ausgestochen.

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Ähnlich wie Kuban ist Johannes Winkel Jurist. Aufgewachsen ist er in Kreuztal in Südwestfalen. Seit vielen Jahren ist er in der Jungen Union aktiv, gründete den Stadtverband Kreuztal als Jugendlicher mit. Im August dieses Jahres hat er sich verlobt. In der Jugendorganisation wird Winkel als „inhaltlich stark“ und „smart“ beschrieben. Er werde Kritik und Positionen „clever formulieren“ können, heißt es.

Sein Vorgänger Kuban sorgte in den vergangenen Jahren mit populistischen Aussagen für Aufsehen und immer wieder auch für Kritik. So irritierte Kuban mit der Äußerung, die CDU habe unter Angela Merkel eine „Gleichschaltung“ erlebt, weil viele in der Partei die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin eigentlich nicht mitgetragen hätten. Er entschuldigte sich prompt, der Ruf des strammkonservativen Nachwuchspolitikers verfestigte sich dennoch.

Scheidender JU-Chef Kuban: „Wir müssen das Image der Union entstauben“

Am Freitag endet die Amtszeit von Tilman Kuban als Chef der Jungen Union. Im RND-Interview fordert er nationalen Energiekonsens von Union und Ampel, mahnt Standhaftigkeit der JU im Streit mit der CDU an – und erläutert, warum die CDU wieder eine Person wie Norbert Blüm „aber in Jung“ braucht.

Winkel ist zurückhaltender als Kuban

Allerdings modernisierte Kuban die JU auch vor allem im digitalen Bereich. Es war der Parteinachwuchs, der unter seiner Führung das „Pitch“-Format entwickelte, in dem sich die Kandidaten für den Vorsitz der Mutterpartei online vorstellen konnten. Der Frauenanteil im Bundesvorstand erhöhte sich in Kubans Amtszeit von 23 auf 41 Prozent. Das oftmals auch innerhalb der CDU gezeichnete Bild von Kuban als Konservativer sei „verzerrt“, heißt es bei den Christdemokraten.

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Anders als sein Vorgänger lässt sich Winkel kaum zu populistischen Sprüchen hinreißen – die Abteilung Attacke beherrscht er aber dennoch und konservativ ist er auch. In seiner Bewerbungsrede wendet er sich direkt an Bundeskanzler Olaf Scholz. „Jede Wahl in Berlin ist besser organisiert als ihre Bundesregierung“, ruft er in den Saal. Er verlangt von der SPD eine Entschuldigung dafür, dass sie die CDU für ihre Bürgergeld-Kritik mit Ex-US-Präsident Donald Trump verglichen hat. Die größte Enttäuschung in der Ampel ist für Winkel aber ein anderer: Christian Lindner. Wegen seiner Schuldenaufnahme und Entlastungsmaßnahmen per „Gießkanne“, wie er erklärt.

Winkel: Lindner ist größte Enttäuschung

Auch an den Grünen lässt Winkel kein gutes Haar. Er kritisiert, dass die Ökopartei lieber Kohlekraftwerke als Kernkraftwerke länger laufen lasse. Für die Partei komme erst der Gründungsmythos, dann die Partei und irgendwann das Land, sagt er. Und letztes Jahr ermahnte er die CDU auf dem Deutschlandtag, nicht den Grünen hinterherzulaufen. Dann sei die Partei tot. Schwarz-grüne Koalitionen sind aus seiner Sicht kein Zukunftsmodell für die Partei: Nicht nur politisch, sondern auch sportlich sei er ein Fan von Schwarz-Gelb, erzählte er jüngst in einem Interview.

Am Freitagabend hat er auch die Themen Generationengerechtigkeit in der Rentenpolitik, Fachkräftemangel und Kernenergie in den Fokus gestellt. So will er auch künftig neue Akzente sitzen: „Lasst uns als Junge Union Deutschlands in den großen Fragen unserer Generation Vordenker sein.“

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