„Klimapolitik ist immer auch Gesundheitspolitik“

Klimawandel: Lauterbach wirbt für Fleischverzicht und Radfahren

Karl Lauterbach will dem Klimawandel entgegenwirken.

Karl Lauterbach will dem Klimawandel entgegenwirken.

Wann immer etwas die Gesundheit bedroht, ist früher oder später mit mahnenden Worten von Karl Lauterbach zu rechnen. Salz, Zucker, Fleisch, zu wenig Schlaf - alles ungesund, sagt der Sozialdemokrat. Auch Parteikolleginnen durften sich schon Standpauken wegen eines Schokoriegels anhören. So verwunderte es auch nicht, dass der Gesundheitsminister am Donnerstag vor den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels durch die Verbrennung fossiler Energieträger warnt. „Klimapolitik ist immer auch Gesundheitspolitik“, sagt Lauterbach in Berlin.

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Der Minister kommt nicht alleine in die Bundespressekonferenz, er hat sich Unterstützung aus der Wissenschaft mitgebracht. Es ist eine Strategie, die Lauterbach seit Beginn der Corona-Pandemie perfektioniert hat: Die Experten warnen mit besorgniserregenden Zahlen und Modellen, der Minister stimmt zu und gefällt sich in der Rolle des Mahners.

Warnung vor „Schäden an Leib und Leben“

Anlass für den Auftritt ist die Veröffentlichung des „Countdown-Berichts“ des Fachmagazins „Lancet“ zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den menschlichen Körper. „Die Abkehr von fossilen Energien ist entscheidend für die menschliche Gesundheit“, sagte Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

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Hitzewellen, Unwetter, Allergien und Ernährungskrisen sind nicht zuletzt die Folgen stetig steigender Temperaturen. „Wer nicht für die Energiewende eintritt und sie persönlich wie gesellschaftlich umsetzt, trägt Verantwortung für die gesundheitlichen Schäden an Leib und Leben“, sagt Martin Herrmann, Vorstandsvorsitzende der „Allianz Klimawandel und Gesundheit“ (KLUG), die an dem Bericht beteiligt ist.

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Wer erwartet hat, dass Lauterbach angesichts des düsteren Szenarios konkrete politische Maßnahmen vorstellt, wird enttäuscht. Wie auch? Als Gesundheitsminister fällt die Energie- und Wirtschaftspolitik ja gar nicht in sein Ressort. Für ihn lautet die entscheidende Frage daher nicht „Was kann nun die Bundesregierung tun?“ sondern „Was kann der Einzelne tun?“

Verzicht auf Flugreisen und Fleisch

Mitgebracht hat der Minister daher zwei Tipps, die alles andere als revolutionär sind: Klimaschonende Mobilität und Fleischverzicht. Wer statt Flugzeug und Verbrennungsmotor Bus, Bahn oder Rad nutzt, spart nicht nur CO2, „er bewegt sich dann auch mehr“, verkündet Lauterbach. Diese Erkenntnis allerdings ist wahrlich nicht neu.

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Die Bürgerinnen und Bürger zum ÖPNV- und Radfahren zu motivieren, während die Bundesregierung keinen Plan hat, wie der Verkehrssektor seine Klimaziele erreichen soll, irritiert einige Beobachter. Zumal sich Experten inzwischen weitgehend einig sind, dass individueller Konsumverzicht im Kampf gegen die Klimakrise wenig ausrichten kann.

Union „wie Senkblei“ beim Klimaschutz

Dass vor allem die Politik dringend gefordert ist, bestätigen die anwesenden Wissenschaftler auf Nachfrage. Zwar würden einige Ministerien inzwischen anerkennen, dass es ein Zusammenspiel von Klimawandel und Gesundheit gebe, sagte Herrmann. Jedoch: „Was bisher auf der Handlunsgebene passiert, ist unzureichend.“ Viele Parlamentarier täten sich noch schwer, die Ernsthaftigkeit der Lage darzustellen. Lauterbach entgegnete mit einer altbekannten Erklärung: Die SPD hätte ja gewollt, aber die Union habe beim Klimaschutz leider „wie Senkblei an Beinen und Armen“ gewirkt. Nun müsse man erst einmal „Strukturprobleme“ abarbeiten.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, findet auch, dass die Politik beim Klimaschutz noch nicht genug tut. Er zweifelte allerdings daran, dass die Untätigkeit von den Regierenden so „gewollt ist“. Wenn er doch nur ein Regierungsmitglied kennen würde, das er fragen könnte.

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