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Kommentar

Antisemitismus wächst in Deutschland: Nur das Handeln zählt

Ein Mann liest im jüdischen Bildungszentrum Chabad Lubawitsch Berlin im Gebetsraum der Synagoge.

Eine deutliche Mehrheit in Deutschland sieht im Antisemitismus ein Problem für die Gesellschaft. Dennoch sind antijüdische Vorurteile weitverbreitet. Das sind Ergebnisse einer detaillierten Repräsentativbefragung des Allensbach-Instituts für das American Jewish Committee (AJC). Widersprüchlich sind sie nur auf den ersten Blick.

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Die meisten Deutschen wollen ein tolerantes Zusammenleben von Menschen und ihren unterschiedlichen Religionen und Weltansichten. Doch nicht wenige reden dann wieder von Deutschen und Jüdinnen und Juden, als ob es einen jüdischen Pass gibt. Oder von Deutschen und Musliminnen und Muslimen. Ist das alles nur Gedankenlosigkeit oder soll hier bewusst getrennt werden, was zusammengehört?

In Krisen – wie zuletzt die Corona-Pandemie – feiern antisemitische Verschwörungsmythen fröhlich Urständ. Dieser Mechanismus funktioniert bereits seit Jahrhunderten weltweit. Erstaunlich ist, dass aufgeklärte Gesellschaften wie unsere diesem Treiben anscheinend nichts oder nur sehr wenig entgegensetzen vermögen. Dies zeigt, wie tief Ressentiments wie die über die heimliche Macht der Juden und ihres Geldes sitzen.

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Weitaus offener, aber nicht weniger sinnlos ist der muslimische Antisemitismus, der oft mit Migrantinnen und Migranten eingewandert ist und in deutschen Moscheen türkischer oder iranischer Prägung verbreitet wird. Der deutsche Staat blieb lange tatenlos, obwohl solche Gemeinden häufig unter Islamismusverdacht und Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen.

Verdeckte Judenfeindlichkeit ist nicht besser als unverhohlene.

Es ist richtig, hier als Staat genauer hinzusehen und gegenzusteuern – auch wenn es in puncto Religionsfreiheit durchaus heikel ist. Die deutsche Gesellschaft sollte dies jedoch nicht zum Vorwand nehmen, um Musliminnen und Muslimen die Schuld am wachsenden Antisemitismus in die Schuhe zu schieben und sich zurückzulehnen. Verdeckte Judenfeindlichkeit ist nicht besser als unverhohlene.

Gegen Antisemitismus hilft nur Handeln. Das fängt beim scheinbar harmlosen Judenwitz an, geht bei Schulhofbeleidigungen weiter und sollte auch bedeuten, bei Gewalttaten die Polizei zu rufen. In Schulen müssten Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Religionen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung judenfeindlicher Tendenzen vertieft werden. Und dass antisemitische Aktivitäten keine Kavaliersdelikte sind, müssen Ermittlungsbehörden und Gerichte beweisen.

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