Kommentar

Die Bahn braucht Verlässlichkeit statt leerer Versprechen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vor dem Zug, mit dem er sein politisches Schicksal verknüpft hat. Wissing will die Bahn zur "Chefsache" machen.

Kommentar. Die Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt am Main ist eine der wichtigsten deutschen Bahnverbindungen. Sie ist chronisch überlastet. Zurzeit wird dort gebaut. Züge müssen warten. Verspäten sich. Das führt zu Folgeverspätungen, die sich wellenförmig ins ganze Netz ausdehnen. So kann vielleicht in Leipzig ein ICE nach Berlin nicht losfahren, weil sein Lokführer im verspäteten Zug aus Frankfurt festhängt.

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Bahnfahren in Deutschland erlebt eine Renaissance: Mehr Züge und mehr Fahrgäste als heute gab es bei der Deutschen Bahn (DB) noch nie. Die Corona-Zeiten, als kaum jemand mit dem Zug fuhr, sind schon fast wieder vergessen.

Mit der Auslastung steigt wieder der Frust

Aber mit der Auslastung steigt auch wieder der Frust. Wie unter der Lupe werden nun die Versäumnisse und Fehlentscheidungen aus der Zeit sichtbar, als der Staatskonzern zur Börsenbahn werden sollte. 70.000 bis 80.000 Weichen wurden abgebaut: ein unnötiger Kostenfaktor, befanden die Berater. Reservegleise und elektrifizierte Ausweichstrecken erschienen ebenso sinnlos. Nun fehlen sie und sorgen für noch mehr Verspätungen.

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9-Euro-Ticket für das ganze Jahr?

Nach den ersten 9-Euro-Ticket-Wochenenden mehren sich die Forderungen nach einer Verlängerung oder Entwicklung von langfristigen Angeboten.

Der Fahrplan ist zum Zahlenwerk ohne Wert geworden. Anschlüsse auf den Hauptstrecken sind oft Glückssache. Der Nahverkehr hält sich tapfer, trotz Überfüllung durch das 9‑Euro-Ticket. Aber ihre Versprechen auf den ICE-Rennstrecken kann die Bahn nicht mehr halten.

Es ist gut, dass Wissing die Bahn zur Chefsache macht

Mehr zeitliche Puffer einbauen, weniger Züge auf belasteten Strecken fahren lassen: Bahnchef Richard Lutz weist solche Vorschläge zurück – schließlich sind auch die ICEs proppevoll, und die Bahn freut sich über den wieder steigenden Umsatz.

Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket? Fünf Szenarien für die Zukunft

16 Millionen Mal wurde das 9-Euro-Ticket bisher verkauft. Der große Erfolg zeigt, dass günstige Modelle für den Nahverkehr zwingend notwendig sind. Doch wie geht es ab September weiter, wenn das 9-Euro-Ticket ausläuft? Fünf mögliche Szenarien, wie sich Deutschland ab Herbst aufstellt.

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Es ist gut, dass Verkehrsminister Volker Wissing jetzt die Bahn zur Chefsache macht und damit sein politisches Schicksal mit dem strauchelnden Staatskonzern verbindet. Aber die Bahn muss sich selbst ehrlich machen: Sie braucht im Betrieb Verlässlichkeit statt leerer Versprechen. Nur dann ertragen ihre Kundinnen und Kunden gemeinsam mit dem Bahnpersonal die bitter nötigen, harten Jahre der Großbaustellen.

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