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Bürgermeister bestätigt Angriffe

„Kein Interesse an Waffenruhe“: Russland greift mit Panzern und Flugzeugen Stahlwerk in Mariupol an

Rauch steigt über dem Azovstal-Stahlwerk in Mariupol auf.

Das seit Tagen belagerte Stahlwerk in Mariupol ist am Mittwoch offenbar von russischen Panzern beschossen worden. Das berichten die ukrainische Zeitung „Ukrainska Pravda“ unter Berufung auf mehrere Quellen und die Agentur Interfax unter Berufung auf den Bürgermeister von Mariupol, Vadym Boychenko. Demnach soll Russland das Stahlwerk auch aus der Luft und vom Meer aus beschossen haben. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Berichte nicht, Kremlsprecher Dmitri Peskow dementierte die Angriffe. Doch Philipp Eder aus dem Generalstab des österreichischen Bundesheeres hält die Berichte über Angriffe für realistisch. „Immer wieder gab es in der Vergangenheit Schüsse auf das Stahlwerk, das ist also nicht neu“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Allerdings hatte Präsident Putin zuletzt angekündigt, keine weiteren Angriffe auf das Stahlwerk zu unternehmen, sondern es lediglich zu belagern. „Die ukrainischen Soldaten sollen im Stahlwerk verhungern oder sich kampflos ergeben – das ist Russlands liebstes Szenario“, so Experte Eder. Doch an eine Waffenruhe glaubt er nicht, denn die könnte von ukrainischen Verteidigern genutzt werden, um sich mit Lebensmitteln, Wasser und Munition zu versorgen. „Russland hat gar kein Interesse an einer Waffenruhe“, machte Militärexperte Eder deutlich. Dennoch hat die Ukraine am Mittwoch versucht, Menschen aus Mariupol über vier humanitäre Korridore nach Saporischschja zu evakuieren. Zuletzt konnten nur wenige Menschen evakuiert werden, weil die Waffenruhe nicht eingehalten worden sein soll. Hunderte Zivilisten und Zivilistinnen befinden sich laut Bürgermeister Boychenko noch in den unterirdischen Tunneln des Stahlwerks, darunter auch mehr als 30 Kinder.

Umfangreiche russische Attacken auf Bahnlinien und Städte in der Ukraine

Mit dem Beschuss soll offenbar verhindert werden, dass weitere Waffen aus dem Westen in die Ukraine geliefert werden können.

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Ein weiteres Angriffsziel Russlands ist seit Dienstag nach Angaben der ukrainischen Regierung die Bahninfrastruktur in der Ukraine. In mehreren Landesteilen soll es Raketenangriffe auf Bahnanlagen und das Schienennetz gegeben haben. Präsident Selenskyj sprach von Raketenangriffen auf Lwiw, Winnyzja, Odessa, die Region Kiew und das Umland von Dnipro. „Russland setzt derzeit alles daran, westliche Waffenlieferungen über das Schienennetz abzuschneiden und greift daher die Bahninfrastruktur in der Ukraine an“, so Eder.

Außerdem versuche Russland, den innerukrainischen Nachschub abzuschneiden und so die Versorgung mit Verbandsmaterial, Verpflegung und Kraftstoff zu verhindern. Dass es erst jetzt, 70 Tage nach Beginn des Krieges, zu massiven Angriffen auf Versorgungsnetze komme, habe laut dem Experten einen einfachen Grund. „Russland hat gar nicht damit gerechnet, dass der Westen Waffen an die Ukraine liefert.“ Daher seien Angriffe auf Nachschublinien gar nicht vorgesehen gewesen.

„Das russische Militär wird immer nervöser, denn selbst Mariupol konnte nicht vollständig unter Kontrolle gebracht werden“, beobachtet der Schweizer Militärexperte Marcel Berni von der Militärakademie an der ETH Zürich. Obwohl Russland jetzt den Fokus auf den Süden und Osten der Ukraine legt, fehle bisher der Angriffsschwung. „Der Vormarsch Russlands ist ins Stocken geraten“, sagte er dem RND. Viele Experten waren davon ausgegangen, dass Russland die ukrainischen Truppen einkesseln werde. Doch davon sei laut Berni bisher nichts zu sehen.

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„Viele russische Truppen sind abgenutzt und seit Wochen im Feld.“ Auch das Material der russischen Armee sei inzwischen abgenutzt und viele Soldaten hätten weder Kraft noch Motivation. Hinzu kämen strukturelle Probleme, „vor allem bei der Logistik und Kommunikation“. Diese Probleme habe die russische Armee bis heute nicht beheben können.

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Das bestätigte auch Ulrich Kühn vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. „Im Osten und Süden der Ukraine zeigt sich, dass Russland offenbar mit den gleichen Problemen wie zu Beginn des Kriegs zu kämpfen hat“, sagte er dem RND. „Nun kommt hinzu, dass Russland Verbände zusammengezogen hat, die zuvor im Norden Kiew angegriffen und eine schwere militärische Niederlage erlitten haben.“ Diese Verbände seien personell und materiell stark dezimiert. „Russland hat diese Verbände mit neuen Kräften aufgefüllt und das ist nicht klug.“ Denn die Soldaten in einem Verband sollten sich kennen und zusammen trainiert haben, sagte er. Er rechne daher mit keinen größeren Erfolgen in der nächsten Zeit.

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