Geplatzte Reise im April

Nach Kiew-Ausladung: Steinmeier konfrontierte Selenskyj offenbar am Telefon

Interview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Büro im Schloss Bellevue (Archivbild).

Interview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Büro im Schloss Bellevue (Archivbild).

Berlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll Anfang Mai in einem Telefonat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensksyj mehrfach aufgefordert haben, sich wegen der kurzfristig abgesagten Kiew-Reise im April zu erklären. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ unter Berufung auf Präsidialamtskreise.

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Steinmeier hatte im April eine Reise nach Kiew geplant – zusammen mit den Präsidenten Polens und der drei baltischen Staaten. Er war aber kurzfristig von der ukrainischen Seite ausgeladen worden. In Berlin wird dies bis heute als beispielloser Affront gewertet.

Anfang Mai hatten beide Präsidenten per Telefon über den Vorfall gesprochen. Offiziell hieß es damals vom Bundespräsidialamt, die „Irritationen der Vergangenheit seien ausgeräumt“. Laut dem Bericht des „Spiegel“ soll es dabei allerdings beinahe zu einem weiteren Eklat gekommen sein. Diesmal allerdings wegen des Verhaltens des deutschen Bundespräsidenten.

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Steinmeier: „Bitte ersparen Sie sich selbst und mir, dass ich das jetzt alles vorlese“

Demnach soll Selenskyj gleich zu Beginn des 45-minütigen Gesprächs sein Bedauern bezüglich des Vorfalls ausgedrückt und von einem großen Missverständnis gesprochen haben. Anschließend habe er Steinmeier zu einem Besuch in die ukrainische Hauptstadt eingeladen. Der deutsche Bundespräsident soll aber darauf beharrt haben, weiter über den geplatzten Besuch zu sprechen.

Steinmeier soll die Ausladung als historischer Affront bezeichnet haben, einzigartig gegenüber einem Staatsoberhaupt in Friedenszeiten. Außerdem habe er eine Erklärung dafür verlangt. Selenskyj habe wiederholt gesagt, von dem Vorgang nichts gewusst zu haben. Steinmeiers Reaktion darauf sei sehr unwirsch gewesen. „Bitte ersparen Sie sich selbst und mir, dass ich das jetzt alles vorlese“, habe er gesagt. In dem Bericht heißt es, dass im Bundespräsidialamt bis heute Mitarbeitende überrascht seien, mit welcher Beharrlichkeit Steinmeier seinen Amtskollegen gestellt habe.

Offiziell galt die diplomatische Eiszeit zwischen Deutschland und der Ukraine nach dem Telefonat im Mai für beendet. Inzwischen sind mehrere deutsche Politikerinnen und Politiker nach Kiew gereist, um dort Selenskyj zu treffen. Darunter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und auch Oppositionspolitiker Friedrich Merz (CDU). Über konkrete Pläne einer Reise des Bundespräsidenten ist derzeit allerdings nichts bekannt.

RND/jw/sgey

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