Ortschaft Moschun nahe der Hauptstadt

Neue Satellitenbilder sollen russische Offensive bei Kiew zeigen

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild soll eine Nahaufnahme von brennenden Häusern in Moschun, Ukraine, zeigen.

Lwiw. Bei Kiew sind offenbar neue Kämpfe ausgebrochen. Frische Satellitenbilder des US-Unternehmens Maxar schienen den Beschuss von Wohngebieten in der Ortschaft Moschun zu zeigen. Zu sehen waren am frühen Samstagmorgen Mündungsfeuer, Rauch, Einschläge und brennende Häuser.

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Die ukrainische Seite warf Russland den Beschuss einer Krebsklinik in Mykolajiw vor, einer rund 470 Kilometer südlich von Kiew gelegenen Stadt, die russische Truppen zu umzingeln versuchen. Getötet worden sei bei dem Angriff auf das Krankenhaus niemand, sagte Chefarzt Maxim Besnosenko. Das Gebäude sei jedoch beschädigt worden.

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte multispektrale Satellitenbild soll zerstörte Häuser, Einschlagskrater und Brände in der Stadt Moschun, Ukraine, zeigen.

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte multispektrale Satellitenbild soll zerstörte Häuser, Einschlagskrater und Brände in der Stadt Moschun, Ukraine, zeigen.

Westlichen und ukrainischen Militäranalysten zufolge sind die russischen Invasionstruppen auf größer als erwarteten Widerstand gestoßen; sie hätten daher Probleme mit dem Nachschub und der Kampfmoral. Die meisten Gebietseroberungen machten sie im Süden und Osten der Ukraine, während der Angriff im Norden auf Kiew stockt. Luftangriffe zielten am Freitag erstmals im Westen des Landes auf Flugplätze der ukrainischen Luftwaffe.

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US-Militärkreise gaben eine Einschätzung zum Ausmaß der russischen Luftangriffe ab. Piloten der Invasionstruppen flögen im Schnitt 200 Einsätze pro Tag, bei den ukrainischen Truppen seien es hingegen fünf bis zehn. Das ukrainische Militär setze mehr auf Boden-Luft-Raketen, Panzerfäuste und Drohnen, um russische Kampfflugzeuge außer Gefecht zu setzen, hieß es.

Militärkolonne hat sich offenbar verteilt

Bei Kiew zeigten Satellitenfotos des Unternehmens Maxar, dass sich die seit Tagen stehende, über 60 Kilometer lange russische Militärkolonne offenbar aufgelöst und sich in Orte und Wälder der Umgebung verteilt hat. Haubitzen, also schwere Artillerie, wurden offenbar in Gefechtspositionen gebracht und gepanzerte Einheiten wurden in Orten nahe des Antonow-Flughafens Kiew-Hostomel gesehen. Der Flughafen liegt rund 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt.

Unklar war, was mit den Umgruppierungen bezweckt wurde. Angenommen wird, dass die russischen Truppen Kiew umzingeln wollen. Ein britischer Militärexperte, Nick Reynolds, sagte, die russischen Truppenbewegung schienen derzeit eher defensiv zu sein, um sich besser gegen ukrainische Angriffe verteidigen zu können. In Kiew und der zweitgrößten Stadt Charkiw im Osten scheine der russische Angriff zu stocken. Im Süden hingegen sehe es für die ukrainischen Verteidiger schlechter aus, die unter schwerem russischen Beschuss liegen. „Es ist schon hässlich und es wird noch schlimmer“, sagte er.

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Aus Sicht des Militärforschers Mathieu Boulègue von der Londoner Denkfabrik Chatham House ist ein russischer Großangriff auf Kiew hingegen nur eine Frage von Stunden oder Tagen. „Das wird eine sehr lange Zermürbungsschlacht werden“, erklärte er. „Das wird eine grauenhaft verlustreiche Schlacht und eine Belagerung, wie wir sie in der modernen Geschichte selten gesehen haben.“

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Aus US-Verteidigungskreisen in Washington verlautete hingegen, die russischen Umgruppierungen der Kolonne vor Kiew seien eher zum besseren Schutz der Fahrzeuge erfolgt, ein taktisches Vorrücken dieser Kolonne auf die Hauptstadt sei nicht beobachtet worden. Von Nordosten allerdings seien andere Einheiten auf 20 bis 30 Kilometer an Kiews Zentrum herangerückt.

Selenskyj verbreitet zuvesicht

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verbreitete in seiner täglichen Videobotschaft am Freitag hingegen Zuversicht. „Es ist unmöglich zu sagen, wie viele Tage wir noch brauchen, um unser Land zu befreien, aber es ist möglich, zu sagen, dass wir es machen werden, weil ... wir einen strategischen Wendepunkt erreicht haben“, sagte er. Behörden arbeiteten an der Errichtung von zwölf humanitären Korridoren, um Menschen mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen notwendigen Dingen zu versorgen.

Nahe Kiew: Ukrainische Soldaten auf dem Weg ins Gefecht

Journalisten haben eine Einheit in der Nähe von Kiew begleitet und wurden dabei in ein Feuergefecht verwickelt.

Von der südukrainischen Hafenstadt Mariupol zeichnete das örtliche Büro des Bürgermeisters indes ein düsteres Lagebild. Nach nunmehr zwölf Tagen Belagerung durch russischen Truppen erlebe die Stadt eine humanitäre Katastrophe, die Toten würden noch nicht einmal begraben. Laut Behördenmitarbeitern in Mariupol sind seit Beginn der Belagerung rund 1590 Menschen getötet worden.

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Die Stadt sei von der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medizin abgeschnitten. Die ukrainische Seite wirft den russischen Truppen den Beschuss von Routen vor, über die Zivilisten aus Mariupol evakuiert werden sollen.

RND/AP

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