Während die Welt in die Ukraine blickt

Nordkoreanischer Raketen-Regen über dem Japanischen Meer

In einer Nachrichtensendung wird eine Archivaufnahme eines nordkoreanischen Raketenstarts gezeigt. Südkorea gab bekannt, dass es einen Luftangriffsalarm für die Bewohner einer Insel vor seiner Ostküste herausgegeben hat, nachdem Nordkorea einige Raketen auf das Meer abgefeuert hatte.

In einer Nachrichtensendung wird eine Archivaufnahme eines nordkoreanischen Raketenstarts gezeigt. Südkorea gab bekannt, dass es einen Luftangriffsalarm für die Bewohner einer Insel vor seiner Ostküste herausgegeben hat, nachdem Nordkorea einige Raketen auf das Meer abgefeuert hatte.

Seoul. Während die Augen der Welt in Richtung Ukraine gerichtet sind, reißt im Fernen Osten die Serie nordkoreanischer Waffentests nicht ab. Am Donnerstag feuerte das Regime in Nordkorea mindestens sechs Raketen ab, darunter eine ballistische Interkontinentalrakete, wie das südkoreanische Militär meldete.

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Erst am Mittwoch hatte Nordkorea mehr als 20 Raketen abgefeuert – so viele wie noch nie an einem einzigen Tag. Mindestens eine flog in Richtung der besiedelten südkoreanischen Insel Ulleungdo und stürzte nahe der Seegrenze der beiden Länder ins Meer. Die Behörden auf Ulleungdo lösten Luftalarm aus, Bewohnerinnen und Bewohner der Insel begaben sich daraufhin in Schutzräume. Südkorea reagierte prompt und ließ als Demonstration der Stärke Kampfjets in derselben Grenzregion präzisionsgelenkte Raketen abfeuern.

Und die Welt fragt sich: Was umtreibt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, geht es wie in früherer Zeit um Aufmerksamkeit im Windschatten der Ereignisse in Osteuropa? „Wir sind lange über den Punkt hinweg, an dem es Nordkorea lediglich um Aufmerksamkeit geht“, so Eric J. Ballbach, Korea Foundation Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

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Das Land, seit drei Jahren durch einen Lockdown, den es bis heute aufrecht erhält von allen Dialogkanälen ausgeschlossen.

Eric J. Ballbach,

Korea Foundation Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

„Das Land, seit drei Jahren durch einen Lockdown, den es bis heute aufrecht erhält von allen Dialogkanälen ausgeschlossen, verhält sich wie ein Nuklearstaat“, so der Wissenschaftler zum Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Nordkorea testet Raketen und nähert sich südkoreanischer Grenze mit Kampfjets

Nordkorea hat am Freitag erneut eine Kurzstreckenrakete gestartet, die östlich vor der koreanischen Halbinsel ins Meer schlug.

„Nachdem die letzten Dialoginitiativen mit dem Westen gescheitert sind, sie datieren noch aus der Regierungszeit von US-Präsident Donald Trump, macht sich das Land jetzt an die Umsetzung der militärischen Modernisierungsprogramms vom Januar 2021, welches im Rahmen des Parteikongresses vorgestellt wurde, was eine Diversifizierung der Raketenpläne als auch im Nuklearbereich beinhaltet“, so Ballbach.

Nordkorea zieht künftig auch Präventivschläge in Betracht

„Diese Vielzahl von Raketentests wurden in dem Strategiepapier vorgezeichnet, wobei es dem Land um die Entwicklung neuer Trägersysteme als auch um die Bedeutung taktischer Nuklearwaffen geht“, sagt der Wissenschaftler.

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Ballbach: „Nordkorea rückt von der rein defensiven Ausrichtung seiner nuklearen Bewaffnung ab und zieht künftig auch Präventivschläge in Betracht. Neu ist auch, dass nicht mehr nur Kim als oberster Befehlshaber diese nuklearen Schläge auslösen kann, sondern ein größerer Personenkreis der Führung. Pjöngjang begründet das mit einer Reaktion auf mögliche südkoreanische ‚Enthauptungsschläge‘, die die nordkoreanische Führung ausschalten könnte.“

Der Korea-Experte glaubt nicht an einen Zusammenhang der momentanen Eskalation im Krieg Russlands gegen die Ukraine, „diese Entwicklung begann bereits davor. Sehr wohl nutzt Kim Jong Un aber den größeren Spielraum, den ihm die international Staatengemeinschaft derzeit gewährt, weil der Krieg in Europa und die jüngste Eskalation zwischen China und Taiwan sehr viel Aufmerksamkeit bindet.“

Das Regime in Nordkorea de facto wie eine Nuklearmacht behandeln

Für den Experten ist die Gefahr einer Fehlkalkulation als Auslöser eines nuklearen Schlagabtauschs enorm hoch, „weil sich dies jüngsten Raketentests in Grenznähe abspielen und es zwischen Pjöngjang und dem Rest der Welt anders als früher keine funktionierenden Kommunikationskanäle mehr gibt.“

Was die Situation zusätzlich verkompliziert: „Es gibt keine Nuklearmacht, die eine so niedrige Schwelle für die Anwendung dieser Waffen definiert, wie Nordkorea“, beschreibt Ballbach das Dilemma. „Deshalb sollte die Weltgemeinschaft die Realität akzeptieren und das Regime in Nordkorea de facto wie eine Nuklearmacht behandeln - ohne das zu legitimieren.“

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Die Aussage von Mark Liu, dem Vorstandschef des weltweit drittgrößten Halbleiterherstellers TSMC aus Taiwan, dass durch den Krieg in der Ukraine „jeder ein Verlierer ist“, würde Ballhaus etwas einschränken: „Ich glaube, Nordkorea hat durch die Eskalation nicht verloren.“

Mit Material von DPA und AP

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