Faktencheck

Privatflug nach Sylt: Wie viel Sprit hat Merz wirklich verbraucht?

CDU-Chef Friedrich Merz und seine Frau Charlotte sind mit ihrem Privatflieger zur Hochzeit von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) nach Sylt gekommen.

CDU-Chef Friedrich Merz und seine Frau Charlotte sind mit ihrem Privatflieger zur Hochzeit von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) nach Sylt gekommen.

CDU-Chef Friedrich Merz hat seine Anreise mit dem Privatflugzeug zur Hochzeitsfeier von Finanzminister Christian Lindner auf Sylt verteidigt. Er bereue nicht, mit dem Flugzeug angereist zu sein, sagte Merz am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Seine These: „Ich verbrauche mit diesem kleinen Flugzeug weniger Sprit als jeder Dienstwagen eines Mitgliedes der Bundesregierung.“ Deswegen fliege der CDU-Chef.

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Stimmt das? Ein Faktencheck:

Ohne viel Aufwand lässt sich Merz‘ Aussage widerlegen. Bereits Bundesumweltminister Cem Özdemir (Grüne) widersprach dem CDU-Chef am Sonntagabend. Als Mitglied der von Friedrich Merz angesprochenen Bundesregierung erlaube er sich einen schnellen Faktencheck: „Mein Dienstwagen ist ein E-Auto und verbraucht deshalb direkt gar keinen Sprit. Mein Fahrrad auch nicht“, schrieb Özdemir und postete dazu einen Zwinkersmiley.

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Özdemir fährt einen Audi e-tron Sportback 55, dessen realer CO₂-Ausstoß mit etwa 83 Gramm pro Kilometer angegeben wird. Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hat ein Elektroauto als Dienstwagen: Der CO₂-Verbrauch ihre Mercedes-Benz EQC 400 wird pro gefahrenem Kilometer auf knapp 84 Gramm berechnet. Auf Platz drei des umweltfreundlichsten Dienstwagen im Scholz-Kabinett liegt der hybride Mercedes-Benz E 300 e, von Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD). Schlusslicht der Umweltfreundlichkeit ist wohl Kanzler Olaf Scholz (SPD) selbst.

Der mehr als 500.000 Euro teure Dienstwagen des Bundeskanzlers verbraucht mit 19,5 Litern Sprit pro 100 Kilometer fast so viel wie ein LKW. Grund ist das hohe Gewicht des gepanzerten Autos, das auch Granatenexplosionen standhalten soll. Der Spritverbrauch des Mercedes S 680 Guard lässt sich vom Bundeskanzleramt bis zur Kirche, in der sich Finanzminister Lindner Anfang Juli trauen ließ, damit auf knapp 109 Liter Kraftstoff schätzen, sofern der Kanzler den kürzesten Weg gewählt hätte.

Mit 442 Gramm CO₂-Emissionen pro gefahrenem Kilometer würde das Scholz-Auto bis nach Sylt fast 247 Kilo CO₂ ausstoßen. Zum Vergleich: Ein VW Golf Fünftürer verbraucht für die gleiche Strecke etwa 27 Liter (66 Kilo CO₂).

Wie viel Sprit hat Merz mit seinem Privatflug verbraucht?

Merz und Ehefrau Charlotte flogen am 8. Juli vom Flugplatz Schönhagen bei Berlin nach Sylt. Um 17.51 Uhr landeten beide auf dem Flughafen auf der Nordseeinsel. Das besagen offizielle Angaben des Portals „Radarbox“. Die Flugdaten bemessen eine Flugdauer von knapp zwei Stunden.

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Bei Merz‘ zweimotoriger Maschine (die Kennung D-IAFM enthält die Initialen von Friedrich Merz) handelt es sich um eine Diamond DA62 des österreichischen Flugzeugherstellers Diamond Aircraft. Das Flugzeug ist 9,19 Meter lang, 2,82 Meter hoch und bietet Platz für bis zu sieben Passagiere. Ausgestattet ist das Flugzeug mit zwei Dieselmotoren des Typs Austro Engine AE330.

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Der Verbrauch wird vom Hersteller auf 44,7 Liter pro Flugstunde bemessen, bei einer Auslastung von 60 Prozent. Fachmagazine wie das „Fliegermagazin“ gehen bei einer Fluggeschwindigkeit 178 Knoten von rund 56 Liter Dieselverbrauch pro Stunde aus. „Radarbox“ hat für Merz‘ Syltflug durchschnittlich rund 180 Knoten aufgezeichnet. Für zwei Stunden Flugdauer könnte Merz damit etwas über 112 Liter Diesel verbraucht haben – eine ähnliche Menge wie Scholz‘ Dienstwagen mit 109 Litern. Folgt man einer Faustformel des Tüv Nord , hat Merz für seinen Weg von Berlin nach Sylt knapp 291 Kilogramm CO₂-Emissionen verursacht. Das sind knapp 44 Kilo mehr CO₂, als Scholz in seinem mehr als vier Tonnen schweren Dienstwagen verbraucht haben würde.

Merz‘ Behauptung, er habe bei seinem Privatflug weniger Sprit verbraucht, als „jeder Dienstwagen eines Mitgliedes der Bundesregierung“, ist damit falsch. Selbst Scholz‘ gepanzerte Limousine – mit dem Kraftstoffverbrauch eines LKW – hätte bei gleicher Strecke knapp weniger Sprit verbraucht als die Privatmaschine des CDU-Chefs. Auch bei den CO₂-Emissionen schneidet Merz‘ Flug schlechter ab.

Hätte sich Merz den Dienstwagen von Landwirtschaftsminister Özdemir ausgeliehen, wäre sein Spritverbrauch bei so gut wie null Litern gewesen, der reale CO₂-Ausstoß bei gerade einmal 46 Kilo. Auch mit dem 9-Euro-Ticket hätte Merz Kraftstoff, CO₂-Emissionen und sogar beim Ticket gespart. Auch eine Fahrgemeinschaft mit Kanzler Scholz wäre für beide wohl umweltfreundlicher gewesen.

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Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version dieses Textes hatten wir eine falsche Formel für die Berechnung des CO-Ausstoßes des Flugzeugs verwandt. Das haben wir korrigiert, der errechnete Ausstoß hat sich damit um neun Kilogramm erhöht.

RND/hyd

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