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Aussagen aus Zusammenhang gerissen

Video über „undankbare“ Ukraine-Geflüchtete als Propaganda entlarvt

Eine Mutter umarmt ihre Tochter, während sie auf einen Bus warten, um aus der Stadt Slowjansk im Bezirk Donezk nach Riwne im Nordwesten der Ukraine zu fliehen (Archivbild).

Es ist ein Video, das vor allem rechte und prorussische Nutzer in sozialen Medien zu wütenden Kommentaren anregt. Doch bei dem Clip, der mehrere Geflüchtete aus der Ukraine als undankbar darstellt, handelt es sich offenbar um irreführende Propaganda. Recherchen von ZDF heute und t-online legen nahe, dass die Macher aus Belarus kommen.

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Zu sehen sind in dem Video mehrere junge Menschen aus der Ukraine, die sich scheinbar darüber beschweren, wie dreckig Berlin und wie veraltet die dortige Infrastruktur sei. Die Szenen wurden tausendfach geteilt. Es finden sich viele wütende Kommentare darunter, die den Ukrainern Undankbarkeit vorwerfen.

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Aussagen ins Gegenteil verkehrt

Doch die dargestellten Aussagen sind stark aus dem Zusammenhang gerissen. Sie stammen aus einer 47-minütigen Dokumentation über Ukraine-Flüchtende in der deutschen Hauptstadt. In dieser erzählen sechs Betroffene über die schönen und anstrengenden Seiten ihres neuen Lebens. In dem kurzen Clip sind aber nur die negativen Aussagen zu sehen. Einige Äußerungen werden ins Gegenteil verkehrt.

Zum Beispiel erklärt eine junge Frau, die finanzielle Unterstützung vom Staat reiche für ein normales Leben nicht aus. Im Kurzclip ist alles weitere weggeschnitten. Im Folgenden hatte die Ukrainerin aber erläutert, dass sie für die Grundversorgung genügend habe, da Lebensmittel recht günstig seien. Dienstleistungen wären hingegen recht teuer, weshalb sie sich etwa selten in ein Café setzen könne.

Krieg gegen die Ukraine und Inflation sorgen für Verunsicherung

Der Krieg gegen die Ukraine und die Inflation haben aber zu einer großen Verunsicherung bei den Konsumenten geführt.

Macher der Doku schockiert

Das ZDF hat den Macher des Originalfilms, Roman Kontradiev, kontaktiert. Dieser meinte: „Als ich das gesehen habe, war ich echt geschockt und wütend. Aus meinem Video wurde das genaue Gegenteil gemacht. Sie wollen Ukrainer schlecht darstellen, als undankbare Leute, die Ansprüche stellen, die sich immer beschweren.“ Er habe schon auf Telegram einige Beschwerden eingereicht, damit der Clip blockiert werde. Damit war er aber erfolglos.

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Video stammt wohl aus Belarus

Das zusammengeschnittene Video stammt mutmaßlich vom belarussischen Telegram-Kanal „Gelbe Pflaumen“ – zumindest stammt die erste bekannte Veröffentlichung von dort. Versionen des Clips ohne das Wasserzeichen des Kanals gab es laut ZDF zunächst nicht. Der Account steht dem Regime es belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko nahe. Dieser hat den Kanal bereits ausdrücklich für seine Arbeit gelobt.

Der Investigativjournalist Anton Motolko hält es für sehr plausibel, dass „Gelbe Pflaumen“ hinter der Aktion steckt. Das hätten sie schon öfter gemacht, schrieb Motolko auf Twitter.

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Die Betreiber selbst hatten sich auf Anfrage nicht geäußert. Mittlerweile ist auch ein Video mit dem Wasserzeichen von „Roter Oktober“ aufgetaucht. Dabei handelt es sich um einen deutschsprachigen prorussischen Kanal.

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RND/sf

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