Der Tag im Überblick

Putins Truppen umzingeln Fabrik in Sjewjerodonezk – Deutsche Minister zu Besuch in Ukraine

Ein ukrainischer Soldat steht während schwerer Kämpfe an der Front in Sjewjerodonezk in der Region Luhansk in einer zerstörten Wohnung.

Kiew. Bei anhaltend schweren Kämpfen im Osten der Ukraine sind die russischen Truppen nach Angaben aus Kiew weiter vorgerückt. Wie der ukrainische Generalstab mitteilte, liegen die neu einge­nommenen Ortschaften nur etwa zehn Kilometer südwestlich des Verkehrs­knoten­punkts Bachmut. Die Russen könnten nun bald Nachschubwege für das wichtige Verwaltungs­zentrum Sjewjerodonezk abschneiden.

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Gleich zwei Bundesminister – Cem Özdemir und Karl Lauterbach – besuchten am Freitag das angegriffene Land und versprachen dort deutsche Hilfen für die Land­wirt­schaft und bei der Versorgung von Kriegsopfern. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) war im Balkan unterwegs und versuchte, Serbien zu einer Abkehr von seinem russland-freundlichen Kurs zu bewegen. Wann Deutschland der Ukraine die versprochenen schweren Waffensysteme liefert, blieb weiter unklar.

Kaum Veränderung bei Kampf um Sjewjerodonezk

Die Kämpfe um die strategisch wichtige Großstadt Sjewjerodonezk verliefen nach ukrainischen Angaben ohne größere Veränderungen. Die russischen Truppen versuchten „weiter erfolglos“ die volle Kontrolle über das Verwaltungs­zentrum der Region Luhansk zu gewinnen, teilte der Generalstab mit. Auch bei anderen Gefechten rund um die Stadt seien die Angreifer zurückgeworfen worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Schlacht um die Stadt mit einst mehr als 100.000 Einwohnern als die vielleicht schwerste des Krieges bezeichnet. Russland hatte das Nachbarland Ende Februar überfallen.

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Die prorussischen Separatisten meldeten dagegen, die Chemiefabrik Azot in Sjewjerodonezk sei umzingelt worden. „Alle Fluchtwege sind für sie abgeschnitten“, schrieb der Botschafter der selbst ernannten Volksrepublik Luhansk in Moskau, Rodion Miroschnik, auf Telegram. Er räumte die Möglichkeit ein, dass sich auf dem Gelände weiter auch Zivilisten aufhalten. Die ukrainische Seite hatte von Hunderten Menschen gesprochen, die die Keller als Luftschutzbunker nutzten.

Bundesregierung hält sich bei Waffen­lieferungen bedeckt

Die Bundesregierung hält sich trotz ukrainischer Forderungen nach mehr Klarheit zu den Lieferfristen der zugesagten Waffensysteme weiter bedeckt. Aus organisatorischen Gründen und wegen Sicherheitsfragen sei es heikel, über Zeitpläne zu sprechen, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Die Vorbereitung laufe auf Hochtouren. „Aber so was passiert nicht von heute auf morgen.“

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Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hatte zuvor im „Tagesspiegel“ kritisiert, es gebe bisher keinerlei Klarheit, wann etwa die Mehrfach­raketen­werfer Mars aus Beständen der Bundeswehr übergeben werden.

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Ex‑Nato-General­sekretär: Krieg ist Fortführung der Krim-Annexion

Aus Sicht des früheren Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen ist der russische Einmarsch in die Ukraine eine Fortsetzung der Besetzung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Zu sehen, wie eine Atommacht eine vollständige Invasion in ein Nachbarland in Gang setze, sei zwar schwer zu glauben gewesen, sagte er in Kopenhagen. Aber „eigentlich hätten wir nicht überrascht sein dürfen“, fügte er hinzu. Der eingeschlagene Weg des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei niemals verheimlicht worden.

Westen beäugt Serbiens Nähe zu Russland

Wenige Stunden vor seinem Serbien-Besuch legte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dem EU‑Beitrittskandidaten eine Abkehr von seinem bislang engen Verhältnis zu Russland nahe. „Wer Mitglied der Europäischen Union werden will, muss das gesamte Regime, das damit verbunden ist, für sich akzeptieren“, sagte er auf einer Presse­konferenz mit dem kosovarischen Minister­präsidenten Albin Kurti in Pristina. Serbien verhandelt seit 2014 um einen Beitritt zur EU. Zugleich pflegt das Land ein enges Verhältnis zu Russland und China. Scholz war am Freitag zu einer zweitägigen Reise durch fünf Balkanländer aufgebrochen.

Scholz fordert Serbien und Kosovo zur Beilegung des Konflikts auf

Der Bundeskanzler sagte, es sei nicht vorstellbar, dass zwei Länder, die sich gegenseitig nicht anerkennen, Mitglieder der EU werden.

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Lauterbach sagt humanitäre Hilfe zu

Bundesgesundheitsminister Lauterbach sagte der Ukraine bei seinem Besuch Unterstützung bei der Versorgung Schwerverletzter zu. „Die Ukraine braucht humanitäre Hilfe genauso dringend wie unsere militärische Unterstützung“, sagte er im westukrainischen Lwiw (Lemberg). Aufgebaut werden sollen etwa Traumazentren für Verletzte sowie spezielle Container­werkstätten zur Herstellung von Prothesen. Weiter berichtete Lauterbach, auf Vermittlung seines Hauses über die Bundes­ärzte­kammer hätten sich 200 Chirurgen und Notfall­mediziner für einen Einsatz in der Ukraine angeboten. Sie wollten dort „so schnell wie möglich“ zum Einsatz kommen.

Özdemir sichert Hilfe für ukrainische Land­wirtschaft zu

Bundesagrarminister Cem Özdemir sicherte der Ukraine deutsche Hilfe zum Aufrecht­erhalten der Landwirtschaft und von Exporten trotz des andauernden russischen Krieges zu. „Der Erfolg der ukrainischen Land­wirtschaft ist nicht nur für die Ukraine wichtig, er ist für uns alle wichtig“, sagte der Grünen-Politiker in einem Agrarkolleg in Nemischajewe bei Kiew mit Blick auf Ausfuhren für die weltweite Ernährungs­sicherung. Als konkrete Hilfen kündigte Özdemir unter anderem 500.000 Euro zum Ausbau von Labor­kapazitäten in Ismajil an der Grenze zu Rumänien an, um die Abfertigung von Agrarexporten zu beschleunigen. Zudem will Deutschland 5 Millionen Euro für Tier­arznei­mittel bereitstellen.

Der Krieg hat zu weltweit angespannten Agrarmärkten sowie steigenden Preisen geführt und löst auch Sorgen um die Ernährungs­sicherung in einigen Ländern aus. Denn die Ukraine ist ein großer Exporteur unter anderem von Weizen vor allem nach Nordafrika und Asien.

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RND/dpa

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