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Netzagentur weist Russlands Vorwurf zurück

Gazprom reduziert Gasliefermengen noch einmal – Habeck glaubt an politisch motivierten Schritt

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz

Bonn. Der russische Energiekonzern Gazprom reduziert die maximalen Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland erneut. Von Donnerstagfrüh an werden täglich nur noch maximal 67 Millionen Kubikmeter durch die Leitung gepumpt, kündigte Gazprom am Mittwoch an. Erneut begründete das russische Staatsunternehmen diesen Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten durch die Firma Siemens. Deshalb müsse eine weitere Gasverdichtungsanlage abgestellt werden, hieß es.

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Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stuft dies als politisch motiviert ein. Auch bei ihm bestehe der Eindruck, „dass das, was gestern passiert ist, eine politische Entscheidung ist, keine technisch begründbare Entscheidung“, sagte Habeck am Mittwoch in Berlin.

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Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte, Kanzler Olaf Scholz (SPD) folge der Einschätzung des zuständigen Bundesministers. Die Bundesnetzagentur zeigte sich besorgt und nannte das Vorgehen Moskaus „technisch nicht zu begründen“.

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Auch die Bundesnetzagentur hat Angaben des russischen Energieriesen Gazprom zurückgewiesen, wonach Verzögerungen bei Reparaturen an einem Gasverdichteraggregat der Grund für die reduzierten Gasliefermengen durch die Pipeline Nord Stream 1 seien. „Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem auf russischer Seite fehlenden Gaskompressor und der großen Lieferreduzierung können wir im Moment nicht bestätigen“, teilte die Gas-Aufsichtsbehörde am Mittwoch in Bonn mit.

Bereits am Dienstag hatte Gazprom die Reduktion der maximalen Liefermenge auf zunächst bis zu 100 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag verkündet. Der Energietechnikkonzern Siemens Energy hatte daraufhin mitgeteilt, dass eine in Kanada überholte Gasturbine aufgrund der Russland-Sanktionen derzeit nicht aus Montréal zurückgeliefert werden könne. Die neuerliche Reduktion auf 67 Millionen Kubikmeter bedeutet eine Drosselung um rund 60 Prozent innerhalb von zwei Tagen.

Bundesnetzagentur-Präsident ist besorgt

Dass Gazprom seine Lieferungen durch Nord Stream 1 nun auf etwa 40 Prozent senkt, ist aus Sicht des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, ein Warnsignal. „Russland schürt damit leider Verunsicherung und treibt die Gaspreise hoch“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Donnerstag).

Wenn Gazprom über Wochen nur 40 Prozent durch Nord Stream 1 liefere, bekomme Deutschland ein Problem, sagte Müller: „Das würde unsere Situation erheblich verschlechtern. Über den Sommer könnten wir das vielleicht aushalten, denn die Heizsaison ist ja vorbei. Allerdings müssen wir jetzt zwingend die Speicher füllen, um den Winter zu überstehen - auch mit russischem Gas.“ Auf die Frage, ob er fürchte, dass Russland mit einem Gas-Lieferstopp ernst mache, sagte Müller: „Es lag bislang in der russischen Logik, Deutschland weiter Gas verkaufen zu wollen. Aber wir können nichts ausschließen.“

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„Wir haben (...) kein Versorgungsproblem in Deutschland“

Bundesminister Robert Habeck (Die Grünen)

Habeck stellte den Schritt in eine Reihe mit den zurückliegenden Einstellungen der Gaslieferungen an Bulgarien, Polen und Dänemark sowie der Sanktionierung von Gazprom Germania. Der Grünen-Politiker sprach von einem scheibchen- oder schrittweisen Vorgehen. Er erläuterte, Wartungsarbeiten der Firma Siemens stünden erst im Herbst an. Gazprom hatte als Grund Verzögerungen bei Reparaturen der Firma Siemens an einem Gasverdichteraggregat genannt.

„Wir haben (...) kein Versorgungsproblem in Deutschland“, versicherte Habeck zugleich. Die Auswirkungen müsse man abwarten. Den Versorgern sei es bisher immer gelungen, „Gas aus anderen Quellen aufzutreiben“.

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Gaspreis zieht weiter an

Die Gasflüsse aus der Pipeline lägen bei 59,1 Prozent der technischen Kapazität, berichtete die Bundesnetzagentur. Sie fielen im Moment nicht weiter. „Die von den ausbleibenden Lieferungen betroffenen Unternehmen können diese Mengen zurzeit anderweitig am Markt beschaffen.“ Es könne weiterhin Gas eingespeichert werden.Die aktuellen Füllstände der Speicher in Deutschland liegen mittlerweile bei 55,6 Prozent. Der Füllstand des größten deutschen Speichers in Rehden nimmt seit dem 3. Juni kontinuierlich zu und liegt jetzt bei gut 8,1 Prozent.

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Der Gas-Großhandelspreis legte weiter zu. Am niederländischen Handelsplatz TTF kostete im Juli zu lieferndes Erdgas am frühen Mittwochnachmittag pro Megawattstunde 99,7 Euro nach 97 Euro am Vortag. Am Montag hatte der Preis noch 83,4 Euro betragen, am Mittwoch vor einer Woche 79,4 Euro. Der Preis schwankt sehr stark. So lag er am 7. März bei 206,9 Euro. Vor einem Jahr, am 15. Juni 2021, kostete die Megawattstunde Erdgas 18,9 Euro.

RND/dpa

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