Kanzler oder Chaos: Schicksalswahl für Laschet und die Union

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) war am Dienstagabend nach Stralsund bei einem gemeinsamen Auftritt mit Philipp Amthor nach Stralsund gekommen.

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) war am Dienstagabend nach Stralsund bei einem gemeinsamen Auftritt mit Philipp Amthor nach Stralsund gekommen.

Berlin. Es ist eine Schicksalswahl für Armin Laschet und die CDU. Liegt der CDU-Chef und Kanzlerkandidat mit der Union bei der Bundestagswahl tatsächlich so weit hinter der SPD, wie sich in Umfragen abzeichnet, könnte das Ende seiner langen politischen Karriere schon an diesem Sonntagabend oder am Montag besiegelt sein.

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Doch der oft unterschätzte NRW-Ministerpräsident setzt darauf, dass die Union am Ende doch noch vor den Sozialdemokraten ins Ziel kommt. Gelingt ihm das oder kann er zumindest ganz nah zur SPD aufschließen, dürfte er zumindest Zeit gewonnen haben, heißt es in der Union. Das Zauberwort für diesen Fall heißt: Machtoption.

Alles oder nichts: Laschet kämpft

Für Laschet geht es um alles oder nichts: Dass er sich als CDU-Chef halten kann, wenn er das Projekt Machterhalt vergeigt und die Union nach der Ära von 16 Jahren Angela Merkel aus dem Kanzleramt fliegt, glauben etliche in der Unionsspitze nicht. Sollte bereits am Sonntag klar sein, dass die Union in der Opposition landet, „werden schon am Abend die Messer ausgepackt“, erwartet ein erfahrener CDU-Mann. Soll heißen: Dann könne Laschet womöglich sehr rasch gedrängt werden, persönliche Konsequenzen zu ziehen und einen Rücktritt ankündigen.

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Doch soweit ist es noch nicht. Zwar ist die erhoffte klare Trendwende in den Umfragen ausgeblieben. Leicht nach oben gegangen sind die Werte für die Union jüngst allerdings schon. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Union diese Bundestagswahl gewinnen wird. Wir befinden uns in einer Aufholjagd, und das Rennen ist offen wie nie zuvor“, gibt sich Laschet noch am Montag betont zuversichtlich.

Welche Szenarien nach dem Wahlabend für die Union denkbar sind

1. Laschet und die Union liegen weit hinter der SPD

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Ein Rückzug als Parteichef wäre für Laschet wohl unausweichlich, wenn die Union weit abgeschlagen hinter der SPD landet, glauben sie in der Union. Verliert er krachend, wäre sein Ruf als oft unterschätzter Kämpfer dahin. Mit seinen Erfolgen im Kampf um den CDU-Vorsitz und gegen CSU-Chef Markus Söder um die Kanzlerkandidatur hatte er dieses Bild Anfang des Jahres und im Frühjahr noch gefestigt.

Was nach einem Abschied von der Macht in der CDU folgen dürfte, bezeichnen manche in der Union als Eruption, andere als Implosion der bisherigen Parteiführung. Nach einem Rücktritt als CDU-Chef wäre für Laschet wohl auch der Rückweg als Regierungschef nach NRW verschlossen, wo im Mai 2022 ein neuer Landtag gewählt wird, glauben etliche in der Partei. Nicht nur, dass der 60-Jährige erklärt hat, sein Platz sei künftig in Berlin. Mit einem Spitzenmann, der im Bund gescheitert ist, werde auch die NRW-CDU kaum die Macht am Rhein verteidigen können, heißt es zudem zur Begründung.

Wer dann der neue starke Mann an der CDU-Spitze sein würde, gilt als offen. Nicht ausgeschlossen, dass der im Ringen um den Parteivorsitz bereits zweimal gescheiterte Friedrich Merz einen neuen Anlauf nehmen würde. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber auch, müsse die CDU in die Opposition, sei ein Generationenwechsel unausweichlich. Dann werden etwa die Namen Jens Spahn und Norbert Röttgen genannt. Beide waren jeweils beim ersten Anlauf auf den Vorsitz gescheitert: Gesundheitsminister Spahn gegen Annegret Kramp-Karrenbauer, der Außenpolitiker Röttgen gegen Laschet.

Einen Machtkampf erwarten manche in der CDU auch um den Fraktionsvorsitz - möglicherweise schon in der konstituierenden Sitzung am kommenden Dienstag. In der Opposition wäre dieses Amt eines der wichtigsten, das die Union zu besetzen hat. Der amtierende Fraktionschef Ralph Brinkhaus hat bereits erklärt, er wolle gerne weitermachen. Aber auch Spahn wird zugetraut, dass er nach dem Fraktionsvorsitz greift.

2. Laschet und die Union liegen knapp hinter der SPD

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Angesichts der Umfragewerte halten selbst erfahrene CDU-Strategen die Wahrscheinlichkeit für größer, dass die SPD auch am Wahlabend vorne liegt, als dass Laschet mit der Union doch die Nase vorne hat. Dann werde Scholz mit den Sondierungen für eine Regierung unter seiner Führung beginnen, mit Grünen und FDP über ein Ampel-Bündnis sprechen, und auch mit den Linken reden, erwarten sie in der Union. Gut möglich sei aber, dass auch Laschet im Fall eines Wimpernschlag-Ergebnisses mit Gesprächen beginne. Womöglich schon am Wahlabend könnte es demnach ein Telefonat mit FDP-Chef Christian Lindner geben.

Doch Laschet müsste zunächst wohl erstmal abwarten, ob Scholz tatsächlich ein Ampel-Bündnis schmiedet, oder ob er wie von der Union an die Wand gemalt eine rot-rot-grüne Regierung bilden kann. Sollten solche Verhandlungen am Ende scheitern, könne die Stunde Laschets doch noch kommen, hoffen manche in der CDU. Seine Machtoption dürfte dann in einem Jamaika-Bündnis mit Grünen und FDP liegen. Gut möglich, dass Laschet in diesem Fall zum Fraktionsvorsitz greift, um sich ein starkes Mandat für die Verhandlungen zu sichern.

3. Laschet und die Union liegen knapp vor der SPD

Dass die Union am Sonntag weit vor der SPD ins Ziel kommt, glaubt so gut wie niemand bei den Konservativen. Doch würden CDU/CSU am Ende auch nur knapp vor der SPD liegen, gilt dies für Laschet als aussichtsreichste Variante, das Kanzleramt doch noch zu verteidigen. Zwar wäre er mit einem Ergebnis von unter 30 Prozent immer noch für das historisch schlechteste Unionsresultat bei einer Bundestagswahl verantwortlich. Hat er aber eine Machtoption, dürften die zahlreichen internen Kritiker zunächst stillhalten, glauben auch dem Nordrhein-Westfalen nicht unbedingt wohl gesonnene Parteifreunde.

In der Union hat Laschet einen Ruf als erfahrener Verhandler, der in NRW gezeigt hat, dass er mit der FDP als Juniorpartner auch per Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag regieren kann. Lindner und die FDP wollten zwar unbedingt regieren - aber am liebsten mit der Union, hoffen sie in der CDU. Und auch die Grünen könnten sich womöglich besser in einer Jamaika-Koalition profilieren, als in einer Regierung mit SPD und Linkspartei, heißt eine Kalkulation in der Union.

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Und was macht die CSU?

Klar ist: Sollte die Union die Wahl gewinnen, dürften CDU und CSU gemeinsam feiern und zurückliegende Unstimmigkeiten oder den Machtkampf um die K-Frage vergessen machen. Geht das Kanzleramt dagegen verloren, könnte die Debatte, ob Söder nicht der bessere Kanzlerkandidat gewesen wäre, aus der CSU heraus neu befeuert werden. Der hat seine eigene, entscheidenden Bewährungsprobe so oder so noch vor sich: Bei der Landtagswahl 2023 muss Söder ganz alleine liefern.

RND/dpa

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