„Beachtenswerter Impuls“ – Göring-Eckardt lobt Vorstoß für Parlamentspoetin

Katrin Göring-Eckardt, hier nach ihrer Wahl zur Bundestags­vizepräsidentin im vergangenen Dezember.

Katrin Göring-Eckardt, hier nach ihrer Wahl zur Bundestags­vizepräsidentin im vergangenen Dezember.

Berlin. Bundestags­vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) nennt den Vorstoß, nach kanadischem Vorbild eine Parlamentspoetin oder einen Parlamentspoeten für den Bundestag zu ernennen, einen „beachtenswerten Impuls“. Dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) sagte Göring-Eckardt: „Wir sollten jeden klugen Gedanken aufnehmen, wie wir unsere Kultur und das Bewusstsein für unsere Sprache im Sinne von Freiheit und Demokratie stärken können. Eine starke Kultur und ein wertschätzender Umgang mit unserer Sprache sind essenziell für jede offene Gesellschaft.“

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Die Autorinnen Mithu Sanyal und Simone Buchholz und der Autor Dmitrij Kapitelman hatten in einem Gastbeitrag in der „Süddeutschen Zeitung“ gefordert, dass der Bundestag das Amt einer Parlamentspoetin oder eines Parlamentspoeten schafft. In Kanada wird ein solches Amt gerade von der Dichterin Louise Bernice Halfe aus dem Volk der Cree bekleidet.

Sie schrieb vergangenes Jahr ein Gedicht über die First-Nation-Kinder, die aus ihren Familien gerissen und in berüchtigte Umerziehungsschulen mit dem Motto „Kill the Indian, Save the Man“ gesteckt wurden. „Das Gedicht wurde auf der National-Parliamentary-Webseite veröffentlicht und breit geteilt: eine Gelegenheit zur kollektiven Trauer“, schreiben die drei.

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Auch in Deutschland könne so ein Amt „als Irritation, als Störfaktor“ dienen und zugleich „Brücken bauen“ und „Risse in unserer Gesellschaft heilen“. Sie fragen: „Wenn Kultur also das gesellschaftlich verbindende Element ist, warum fordert die deutsche Politik sie dann nicht viel konkreter auch für sich ein?“

Konkret schlagen sie ein „Büro im Bundestag“ und ein „jährliches Honorar oder besser Stipendium“ vor, also quasi eine Stadtschreiberinnenstelle im Parlament. Das Amt solle „so divers wie nur irgend möglich“ besetzt werden und alle zwei Jahre rotieren.

Keine feste Stelle – aber großes Interesse

Auf eine derartige Institution wird sich der Bundestag eher nicht einlassen, lauten die Signale aus dem Bundestagspräsidium. Ein bisschen beeindruckt aber ist man im Parlament schon. Göring-Eckardt jedenfalls kündigt ein baldiges Treffen mit Sanyal, Buchholz und Kapitelman an: „Ich möchte den Impuls der Autor:innen gerne aufnehmen und mit ihnen ins Gespräch kommen, wie wir auch im Parlament das wertvolle Anliegen der Förderung von Kultur und Sprache verfolgen können“, sagte sie dem RND.

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Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) äußerte sich auf Twitter euphorisch: „Welch grandiose Idee! Deutschland kann eine Poetik des Öffentlichen definitiv gut gebrauchen.“

In den Feuilletons erhielt der Vorschlag ein gemischtes Echo. Von einer „unausgereiften Idee“ und einer „schwammigen Forderung“ sprach Knut Cordsen im Bayerischen Rundfunk und befürchtet harmlose „Staatsdichterei“.

Andererseits erinnert er an die Glanzmomente schriftstellerischer Auftritte im Plenum – angefangen von der Bundestagseröffnung durch den Alterspräsidenten Stefan Heym 1994 bis zu den Reden von Navid Kermani, Marcel Reich-Ranicki, Ruth Klüger und Wolf Biermann.

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Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt polemisch von einem „grossen Missverständnis“: dass „Poesie nämlich die Sprache des Guten ist, die endlich wieder auf deutsche Sofakissen gestickt werden müsste“.

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„Der Bundestag ist zwar diverser geworden, aber er bildet längst noch nicht die gesamte Gesellschaft ab“, sagt Initiatorin Simone Buchholz dem RND. „Wir würden uns wünschen, dass dort jemand tätig wird, die oder der nicht von vornherein willkommen ist, den Betrieb stört und zum Nachdenken bringt. Sich zum Beispiel zwei Jahre lang nur mit Rüstungslobbyismus beschäftigt – und der Bundestag muss das aushalten. Oder eine junge türkischstämmige Rapperin übernimmt das Amt.“

Auf Twitter spinnt sie den Gedanken noch etwas weiter – und bringt sogar den Offenbacher Rap-Star Haftbefehl („Hafti“) als Parlamentspoeten ins Spiel.

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