Betrunken Auto gefahren

Bischöfin Käßmann betrunken am Steuer erwischt

Am Sonnabend stoppten Streifenbeamte die höchste Würdenträgerin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegen 23 Uhr in der Innenstadt von Hannover, wie Johannes Neukirch von der Landeskirche dieser Zeitung bestätigte. Margot Käßmann hatte mit ihrem Dienstwagen, einem VW Phaeton, eine rote Ampel am Friedrichswall überfahren - ganz in der Nähe ihres Zuhauses in der Haarstraße.

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Bei der Kontrolle rochen die Beamten Alkohol und unterzogen Käßmann einem Atemalkoholtest, der laut „Bild"-Zeitung 1,3 Promille ergab. Gegenüber der Polizei soll Käßmann ausgesagt haben, sie hätte doch nur ein Glas getrunken. Laut Neukirch ist Käßmann sei auf einem privaten Termin gewesen. Grundsätzlich könne die Bischöfin für Termine einen Fahrer anfordern, doch der habe „auch irgendwann mal Feierabend“.

Die 51-Jährige musste mit zur Wache, dort wurde ihr eine Blutprobe entnommen. Das seit Montagmorgen vorliegende Ergebnis zeigte sogar einen Wert von 1,54 Promille, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel sagte, Käßmann drohe damit eine Geldstrafe von einem Monatsgehalt plus eine zehn- bis zwölfmonatige Sperre für die Neuerteilung der Fahrerlaubnis. Ihren Führerschein musste sie bereits abgeben.

Das nun folgende Prozedere ist genau dasselbe, wie für jeden anderen am Steuer ertappten Alkoholsünder. Ab einem Wert von 1,1 Promille wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Für Käßmann bedeutet das ein Strafverfahren. Die folgenden Sanktionen hingen unter anderem von den Einlassungen des Verteidigers der Bischöfin ab. Der Prozess um die Alkoholfahrt könne bei Ersttätern in einem schriftlichen Verfahren abgewickelt werden - in dem Fall müsste die Bischöfin nicht vor Gericht erscheinen.

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Die Polizei äußerte sich bislang nicht zum Geschehen. Außerdem ist unklar, wie die Informationen über den Vorfall überhaupt nach außen dringen konnten, sagte Sprecher Stefan Wittke.

Käßmann selbst zeigte sich reumütig: „Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe“, zitiert die Boulevardzeitung die EKD-Ratsvorsitzende. „Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist. Den rechtlichen Konsequenzen werde ich mich selbstverständlich stellen.“

In Kirchenkreisen reagierte man am Dienstag fassungslos. „Die Frage ist, kann sie ihr Amt ausüben, ohne ständig von den Vorwürfen der Trunkenheitsfahrt eingeholt zu werden", sagte ein hoher Kirchenmann gegenüber dieser Zeitung und zitierte den Evangelisten Johannes: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." EKD-Kollegen Käßmanns ernthielten sich jeglichen Kommentars. „Für Käßmann ist es ein Drama", sagte lediglich einer.

Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer nahm die EKD-Ratsvorsitzende in Schutz. „Das ist ein Blackout, der leider immer wieder Leuten passiert, die in öffentlichen Ämtern unter Dauerstress stehen“, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“ (Mittwochausgabe). Gleichwohl sei die Alkoholfahrt eine Verfehlung, die nicht einfach zu rechtfertigen sei.

Auch die CDU-Kirchenbeauftragte Maria Flachsbarth stellte sich hinter Käßmann. Ihre Fahrt unter Alkoholeinfluss sei ohne Zweifel eine ernsthafte Verfehlung, „aber auch Bischöfe sind Menschen, und Menschen machen Fehler". Die Unionspolitikerin sieht ihre Autorität als Theologin durch „diesen einmaligen Fehltritt" nicht infrage gestellt, sagte sie der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Kritik kam dagegen vom Vorsitzenden der konservativen Protestanten, dem Hamburger Pfarrer Ulrich Rüß: „Diese Alkoholfahrt von Frau Käßmann ist der Super-Gau, der wohl auch Konsequenzen haben muss“, wird der Leiter der Konferenz Bekennender Gemeinschaften von der Zeitung zitiert.

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Ob das Alkoholvergehen der Bischöfin Konsequenzen in ihrem Amt als höchste Repräsentantin der rund 25 Millionen Protestanten nach sich zieht, konnte die EKD noch nicht sagen. Käßmann war Ende Oktober als erste Frau an deren Spitze gewählt worden. Sie löste den Berliner Bischof Wolfgang Huber ab, der aus Altersgründen ausschied. Käßmanns bisherige Amtszeit war bestimmt von der Kontroverse um ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. „Nichts ist gut in Afghanistan“, hatte die Bischöfin in ihrer Neujahrspredigt gesagt, und damit viel Protest, auch aber Unterstützung erfahren.

red.

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