Vorsitzsuche bei der CDU: Team Merz, Chef Röttgen oder ganz anders?

Das Logo der CDU ist an der Fassade eines Bürogebäudes in der Stuttgarter Innenstadt.

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Berlin. In Bergisch Glad­bach sind sie nun also alle mal wieder zusammen­­gekommen: der Mann, der noch CDU-Chef ist, und die fünf Männer, von denen es heißt, sie könnten ihn beerben. Die nord­rhein-west­fälischen Bundes­tags­abgeord­neten der CDU waren dort am Mon­tag zu einer Klausur zusammen­gekommen – ein seit der Bundes­tags­wahl deut­lich geschrumpftes Häuf­chen: Nur noch 42 statt über 60 Mitglieder hat die CDU-Landesgruppe nun noch.

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Für die Nach­folge Armin Laschets, bis vergangene Woche noch NRW-Minister­präsident, demnächst nur noch einfacher Bundes­tags­abgeord­neter, werden in der CDU fünf von ihnen genannt. Am Wochen­­ende haben die CDU-Kreis­vorsitzenden durch­gesetzt, dass die Auswahl per Mitglieder­befragung erfolgen soll. Nun geht es darum, wer sich bewirbt.

Zwei haben ihre Köpfe etwas deut­licher nach draußen gesteckt als andere: der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen, und der Wirtschafts­politiker Friedrich Merz.

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Röttgen sieht sich als „moderne Mitte“

Röttgen verkündete seine Bewer­bung kaum verklau­suliert am Montag­morgen im Deutsch­land­funk: „Das Zentrum muss in der Mitte stehen.“ Und genau dort verorte er sich selbst – „in der modernen Mitte“ noch dazu. Es gehe auch nicht darum, Bisheriges zu korri­gieren, sondern die Zukunft zu gestalten. „Nach vorne müssen wir schauen, nicht zurück“, sagte Röttgen.

Es war eine deutliche Abgren­zung gegen Merz, die Sehn­suchts­figur des konser­vativen Flügels der Partei, dem seine Gegner vorwerfen, zu sehr für eine CDU aus alten Zeiten zu stehen und sich vor allem als Gegen­modell zur bisherigen Kanz­lerin Angela Merkel zu empfehlen.

Merz wiederum hatte bereits am Wochen­ende via Twitter für eine Team­lösung geworben – dass er sich in diesem Team an der Spitze sieht, wird in der CDU angenommen.

Mit dem Hinweis auf ein Team dürfte es unwahr­schein­lich sein, dass Merz sowohl Partei- als auch Frak­tions­vorsitz beansprucht und damit gleich beide Spitzen­jobs, die die CDU als Oppositions­partei noch zu vergeben hat.

Spahns Absturz

Auf den Frak­tions­vorsitz hatte sich vor der Wahl Gesund­heits­minister Jens Spahn Hoff­nung gemacht. Sein Rück­halt in der Partei ist aller­dings mittler­weile deut­lich geschwunden: Wetter­wendigkeit, Loyalitäts­probleme und eine gemischte Bilanz in der Corona-Politik werden ihm unter anderem vorgeworfen.

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Und das Verhältnis von Spahn und Merz wird als angespannt beschrieben. Davon könnte der bisherige Frak­tions­chef Ralph Brink­haus profitieren, der seinen Job gern behalten würde. Denkbar ist aller­dings auch, dass er versucht, den Partei­vorsitz zu gewinnen: Brink­haus hatte sich vor zwei Jahren auch über­raschend gegen den Merkel-Vertrauten Volker Kauder als Frak­tions­chef durch­gesetzt.

Und dann ist da noch der Vorsitzende der Mittel­stands­vereini­gung (MIT) der Union, Carsten Linnemann. Der 44-Jährige ist weitaus geschmei­diger als Merz und gilt selbst bei dessen Anhängern eher als Aufbruchs­signal als sein demnächst 65-jähriger Kollege. Aller­dings gilt es als unwahr­schein­lich, dass Linnemann gegen Merz antritt.

Sollten Linnemann und Merz versuchen, Partei- und Frak­tions­vorsitz unter­einander aufzuteilen, könnte das auf Wider­stand stoßen, weil beide Vertreter des Wirt­schafts­flügels sind.

Dass in jedem Fall eine Frau den General­sekretärs­posten bekommen wird, gilt als ausgemacht: Eine mögliche Kandidatin ist die bisherige Vize­fraktions­vorsitzende Nadine Schön aus dem Saar­land. Ex-CDU-Chefin und Verteidi­gungs­minis­terin Annegret Kramp-Karren­bauer hatte ihr mit ihrem Rück­zug aus dem Bundes­tag den Wieder­einzug in den Bundes­tag und damit weitere Karriere­­sprünge ermög­licht. Die 38-jährige Schön hat sich bisher vor allem um Digital- und Familien­politik gekümmert – für Merz wäre das eine will­kommene Ergän­zung.

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Erwartet wird in der Partei, dass sich mindes­tens Merz und Röttgen um den Partei­vorsitz bewerben werden: Sie haben sich beide schon erfolglos darum beworben, Merz sogar zweimal.

Am Diens­tag wird der Partei­vorstand zunächst den Rahmen für die Mitglieder­befragung festlegen – von Bewer­bungs­fristen bis Quorum. Spätes­tens Anfang kommenden Jahres soll der neue Partei­chef feststehen. Ob die CDU zur Ruhe komme, werde sich erst danach zeigen, heißt es an vielen Stellen in der Partei.

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