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Deutschland verfehlt Impfziel erneut: Kassenärztechef Gassen bringt neuen Grund ins Spiel

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), spricht in einem Interview.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte das ehrgeizige Ziel ausgegeben, bis Ende Januar 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus zu impfen. Nun ist klar, dass Scholz dieses Ziel deutlich verfehlt hat. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind bisher 75,8 Prozent der Deutschen mindestens einmal geimpft (Stand: 30. Januar 2022).

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Zuvor musste Scholz bereits einräumen, dass er auch das zweite Ziel von 30 Millionen Impfungen seit Weihnachten nicht bis Ende Januar erreichen wird. Nach Angaben des RKI wurden seitdem lediglich 17,3 Millionen Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen verabreicht.

Kassenärztechef Gassen: Menschen warten auf Omikron-Impfstoff

„Wir erreichen aber mittlerweile ein ähnliches Phänomen wie vor einem Jahr: Diejenigen, die sich impfen lassen wollen, sind inzwischen alle geimpft“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er rechne aber damit, dass sich mit Zulassung des Impfstoffes Novavax noch einige weitere Menschen impfen lassen, die der mRNA-Technik nicht trauen.

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Als einen Grund, warum sich Menschen nicht impfen lassen, führte Gassen die Anpassung des Impfstoffs an die Omikron-Variante an. „Die Ankündigung der Pharmaunternehmen, ihre Impfstoffe bald auf die Omikron-Variante anzupassen, führt zu einer abwartenden Haltung bei einzelnen Menschen nach dem Motto: Da warte ich noch ein wenig, bis der ‚passende‘ Impfstoff da ist.“

Gassen betonte jedoch, dass die Entwicklung beim Impfen eigentlich gar nicht so schlecht sei. „Rund 74 Prozent der über 60-Jährigen sind mittlerweile bereits geboostert. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt die Booster-Quote bei knapp über 52 Prozent.“ Auch die Zahl der Erst- und Zweitimpfungen schreite auf langsamerem Niveau voran. Natürlich wäre eine noch höhere Impfquote noch besser, so Gassen.

CDU-Politiker Sorge kritisiert Scholz-Ankündigungen

Kritik kommt vom CDU-Politiker Tino Sorge. „Seit Dezember blieb es immer nur bei Ankündigungen und Zusagen, die sich entweder in Luft auflösten oder notdürftig verlängert werden mussten“, sagte er dem RND. Wenn es um die konkrete Umsetzung gehe, lasse Scholz die Fachwelt völlig ratlos zurück. Dies habe man schon bei der Impfpflicht erlebt, die Scholz für Februar oder März ankündigte. „Genau so beobachten wir es jetzt bei seinen utopischen Impfzielen für den Januar.“

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Sorge glaubt nicht, dass die neue Impfwerbung für den nötigen Schwung sorgt. „Die neue Werbekampagne der Bundesregierung hat gewiss nicht für Euphorie gesorgt. Im In- und Ausland wird sie belächelt, seit ihrem Start sinken die Impfzahlen.“ Der Regierung fehle die Kreativität, um Unentschlossene mit wirklich neuen Mitteln zu erreichen. Sorge hoffe, dass die Zahlen durch den Einbezug der Apotheken, Zahn- und Tierärzte steigen werden.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Union kritisierte zudem, dass keine Zahlen mehr zu Impfstofflieferungen veröffentlicht werden. „Stattdessen mehren sich die Anzeichen, dass Minister Lauterbach versehentlich viel zu viel Impfstoff bestellt hat.“ Hier sei dringend Aufklärung geboten, der Minister müsse „die Zahlen auf den Tisch legen.“

Zuvor hatte der Corona-Expertenrat die Kommunikation der Bundesregierung in der Pandemie scharf kritisiert. Ziel der Vermittlung relevanter Daten und Statistiken solle „Aufklärung und nicht Werbung oder Persuasion (Überreden) sein“, heißt es in der fünften Stellungnahme des Gremiums. Es gebe keine Institution in Deutschland, die eine Risiko- und Gesundheitskommunikation nach Vorstellung des Expertenrates umsetze. Daher schlagen die Fachleute vor, die Kommunikation zu bündeln und auszubauen.

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