Suche nach Omikron: Werden in Deutschland zu wenig Tests sequenziert?

PCR-Test im Labor: In Wolfsburg haben sich innerhalb eines Tages 36 weitere Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

PCR-Test im Labor werden nur in wenigen Fällen sequenziert.

Die Omikron-Variante breitet sich auch in Deutschland weiter aus. Laut Bundesregierung könnte Omikron hierzulande in wenigen Tagen die dominierende Variante sein. Doch in den vergangenen Tagen rund um Weihnachten und Neujahr ist eine riesige Datenlücke entstanden. Mitarbeiter waren im Urlaub und es gab weniger Tests, begründete Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die fehlenden Daten.

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Wie sehr sich Omikron bereits ausgebreitet hat, kann bisher nur abgeschätzt werden. Der Marburger Bund hat deshalb eine bessere Datenerhebung gefordert. „Wir brauchen mehr Sequenzierungen, um über neue Varianten besser Bescheid zu wissen“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Bisher werden bis zu 5 Prozent aller positiven PCR-Tests auf die Varianten analysiert.

Weniger als 5 Prozent der Proben derzeit analysiert

Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden in der Woche rund um Weihnachten insgesamt 3,2 Prozent der positiven Tests sequenziert. Bei jedem fünften Test wurde die Omikron-Variante nachgewiesen. Für die letzte Woche des Jahres hat das RKI noch keine Daten veröffentlich. Laut den Daten des Laborverbands ALM dürften mindestens 4,3 Prozent der positiven Tests sequenziert worden sein.

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Johna hält jedoch eine Anhebung der Sequenzierungsquote für sinnvoll. Zwar wurden zu Beginn der Pandemie noch viel weniger Proben sequenziert, lobte Johna die positive Entwicklung. „Andere Länder sequenzieren aber deutlich mehr“, sagte sie und erklärte, dass sich Deutschland immer wieder auf Daten aus England verlassen müsse.

Sorge in den Krankenhäusern

In den Krankenhäusern ist es für die behandelnden Ärzte essentiell, schnell über die Variante der Covid-Patientinnen und -Patienten Bescheid zu wissen. So könne eine monoklonale Antikörpertherapie einen schweren Verlauf bei Covid-Patienten mit Vorerkrankungen nur bei den bisherigen Varianten mildern. „Aber die bisher eingesetzten Medikamente funktionieren nicht bei der Omikron-Variante“, sagte Johna, die selbst als Ärztin in einem Krankenhaus in Hessen arbeitet. Sie berichtete, dass ein Ergebnis von variantenspezifischen PCR-Tests erst nach etwa vier Tagen vorliege. „Wir müssen also lange auf ein Testergebnis warten, obwohl wir doch wissen, dass nur ein früher Beginn der Antikörpertherapie vor schweren Verläufen schützt.“

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Der Verband der medizinischen Labore glaubt aber nicht, dass mehr Sequenzierungen helfen. „Es ist nicht erkennbar, dass eine deutliche Erhöhung der Sequenzierkapazitäten zu einem qualitativ besseren Überblick über das Infektionsgeschehen führen würde“, sagte der Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller, dem RND. Das hätten bereits die vorherigen Wellen mit der Alpha- und der Delta-Variante gezeigt.

Wenn mehr Tests durchgeführt werden, hätte das bei gleicher Sequenzierungsqute unterm Strich aber mehr Sequenzierungen zur Folge. Doch Müller gab zu bedenken, dass die PCR-Testkapazitäten immer „limitiert bleiben“ und sich nicht unbegrenzt steigern lassen. „Es wird nicht möglich sein, sich aus der Pandemie sozusagen ‚herauszutesten‘. Insofern kommt es mehr darauf an, die vorhandenen Testressourcen effizient einzusetzen.“

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