Coup mit Max Otte? AfD streitet um Bundespräsidentenkandidaten

Nein, so groß sind Max Ottes Chancen nicht, Bundespräsident zu werden.

Berlin/Köln. Ein eigener Bundespräsidentenkandidat für die AfD – das ist nicht mehr als Symbolpolitik. Die Partei kommt auf 152 von 1472 Sitzen in der Bundesversammlung am 13. Februar. Die Chancen, Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier von rechts zu verdrängen, stehen bei null.

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Doch selbst über Symbolpolitik kann sich die AfD erbittert streiten. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) aus der Parteispitze soll AfD-Chef Tino Chrupalla einen Wunschkandidaten haben, der für seinen Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen und dessen Lager ein rotes Tuch ist. Am Montag soll nun der Bundesvorstand über die Personalie entscheiden.

Chrupalla war nach RND-Informationen auf der Suche nach einem Zählkandidaten, mit dem er die Union ärgern könnte. Wenn er einen Prominenten vom rechten Rand der Union überzeugen könne, anzutreten, könnte das einige Gleichgesinnte aus den Unionsparteien dazu bewegen, dem Regierungskandidaten und Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier die Unterstützung zu versagen.

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Fündig wurde der Sachse dem Vernehmen nach bei Werteunionschef Max Otte. Dieser soll für den Coup bereitstehen. Vergeltungsmaßnahmen durch den neuen CDU-Chef Friedrich Merz habe er bereits eingepreist. So berichten es mehrere führende AfD-Kader. Otte selbst reagierte auf eine RND-Anfrage nicht.

Zwischen Meuthen und Otte ist es persönlich

Geärgert hat Chrupalla mit diesem Vorstoß jedoch bislang nicht die Union, sondern seinen Co-Chef Jörg Meuthen. Der ist auf den umtriebigen Ökonomen überhaupt nicht gut zu sprechen. Als Meuthen vor zwei Jahren kurzzeitige Gedankenspiele über eine Abspaltung des extrem rechten und staatswirtschaftlich orientierten Höcke-Flügels von der AfD betrieb, griff ihn Otte auf Twitter scharf an: „Jörg Meuthen hat den Lucke-Petry-Virus und betreibt aus ideologischen und persönlichen Gründen die Spaltung der AfD“, schrieb er.

Vor einem Jahr legte Otte dann den Kuratoriumsvorsitz der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung (Des) nieder. Des-Vorsitzende Erika Steinbach erklärte damals, Otte habe sich „polarisierend in die Parteiangelegenheiten der AfD eingemischt und war der Auffassung, dass die Stiftung Einfluss auf die AfD zunehmen hat“. Das habe man ihm „per Vorstandsbeschluss untersagt“.

Mit dem Namen Otte ärgert Chrupalla zurzeit anscheinend weniger die CDU als die parteiinternen Gegner um Meuthen. In der Union spielt die selbsternannte „konservative Basisbewegung“ Werteunion mit 4000 Mitgliedern eine äußerst untergeordnete Rolle. In den vergangenen Wochen hat sich Otte noch stärker als Teile der AfD hinter die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gestellt.

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Auf einer Onlinediskussionsveranstaltung der Werteunion äußerte er die Hoffnung, dass viel mehr Menschen auf die Straße gingen. „Dieses Land treibt in undemokratische Zustände“, sagte Otte. Die Meinungsfreiheit sei eingeschränkt. „Wir sind in einer Kulturrevolution.“

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