„Moskau führt einen hybriden Krieg“: Ukraine macht Russland für Cyberattacke verantwortlich

ARCHIV - 16.10.2014, Baden-Württemberg, Friedrichshafen: Ein Netzwerk-Kabelstecker leuchtet in der Netzwerkzentrale einer Firma zu Kontrollzwecken rot. (zu dpa: "Studie: Risiko von Cyberangriffen auf Unternehmen steigt") Foto: Felix Kästle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kiew. Die Ukraine hat am Sonntag Russland für einen Cyberangriff auf Regierungswebsites verantwortlich gemacht. Russland führe einen „hybriden Krieg“ gegen seinen Nachbarn, teilte das Ministerium für Digitale Entwicklung mit. Zuvor hatte das US-Unternehmen Microsoft erklärt, Dutzende Computersysteme von ukrainischen Behörden seien mit Malware infiziert.

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„Alles deutet darauf hin, dass Russland hinter dem Cyberangriff steckt“, teilte das Ministerium in Kiew mit. „Moskau führt weiterhin einen hybriden Krieg und baut seine Kräfte im Informations- und Cyberraum aktiv aus.“

Wegen des Angriffs waren am Freitag etwa 70 Internetseiten der Regierung nicht erreichbar. Auf den gehackten Websites tauchten Botschaften auf, laut der die persönlichen Daten von Ukrainern geleakt wurden. Ukrainische Sicherheitsbeamte erklärten allerdings, es seien keine persönlichen Daten veröffentlicht worden.

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Microsoft rechnet mit weiterem Malware-Befall

Microsoft teilte am Samstagabend in einem Blog-Eintrag mit, es habe die Schadsoftware erstmals am Donnerstag (Ortszeit) festgestellt. Demnach wurde die Malware zeitgleich mit einem Angriff auf die Regierungswebsites in der Ukraine aufgespielt, die dadurch vorübergehend nicht erreichbar waren. In einem anderen Beitrag erklärte Microsoft, die betroffenen Systeme gehörten Regierungsbehörden, Organisationen der Informationstechnologie und Hilfsorganisationen. Es sei nicht bekannt, wie viele weitere Organisationen in der Ukraine oder anderswo betroffen sein könnten, es werde aber mit weiterem Malware-Befall gerechnet.

Ein führender Cybersecurity-Experte in Kiew, Oleh Derevianko, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass die Angreifer über einen gemeinsamen Software-Lieferanten in die Regierungsnetzwerke eingedrungen seien, ähnlich wie bei der russischen Cyberspionage-Kampagne SolarWinds 2020, die die US-Regierung zum Ziel hatte. Microsoft teilte mit, dass es noch keine Verbindung zwischen dem Malware-Angriff und bekannten Akteuren hergestellt habe. Der ukrainische Geheimdienst erklärte dagegen kurz nach dem Angriff, dieser stehe in Zusammenhang mit Hackergruppen, die Verbindungen zu russischen Geheimdiensten hätten.

Russland hat eine Beteiligung an Cyberangriffen gegen die Ukraine wiederholt bestritten. Im Jahr 2017 startete Russland allerdings einen der schwerwiegendsten Cyberangriffe aller Zeiten gegen die Ukraine. Der NotPetya-Virus verursachte weltweit einen Schaden von mehr als zehn Milliarden Dollar. Dieser Virus, der auch als Ransomware getarnt war, war ein sogenannter Wiper, der ganze Netzwerke löschte.

Die USA schätzen, dass Russland nahe der Grenze zur Ukraine etwa 100.000 Soldaten zusammengezogen hat – eine Truppenansammlung, die Befürchtungen einer Invasion befeuert hat. Moskau weist dies zurück und lehnt Washingtons Forderung ab, das Militär zurückzuziehen. Der Kreml verlangt vom Westen Sicherheitsgarantien, die einen Ausschluss einer weiteren Expansion der Nato in östlicher Richtung beinhalten. Die USA und die Nato sind dazu nicht bereit. Gespräche in dieser Woche brachten keine Annäherung.

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RND/AP

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