Dissident Liao Yiwu: So festigt die chinesische Regierung dank Corona ihre Macht

Dissident im Exil: Liao Yiwu in seinem Berliner Garten.

Berlin. Es waren Bilder, wie er sie noch nie gesehen hatte. Und die er auch nicht für möglich gehalten hatte in seinem alten Land. Liao Yiwu hat 1989 das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens miterlebt, die Niederschlagung des Aufstands, er selbst war im Gefängnis, also konnte ihn eigentlich nicht viel überraschen. „Noch niemand in China hatte so etwas erlebt“, sagt er heute. „Das war für mich wie ein Ausbruch, ein Krieg.“

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Es ist die Nacht auf den 23. Januar 2020, 2 Uhr Ortszeit, als die Behörden einen Lockdown über die Elf-Millionen-Metropole Wuhan verhängen. Am selben Tag, um 10 Uhr, wird der gesamte Bus-, Zug- und Flugverkehr in und aus der Stadt eingestellt. Wuhan wird abgeriegelt. Aber bis dahin, in den verbleibenden acht Stunden, verlassen allein mit dem Zug 300.000 Menschen die Stadt.

„Jeder versuchte noch, irgendwie die Stadt zu verlassen“, sagt Yiwu. „Und wer es nicht schaffte, hat gekauft, was zu kaufen war. Binnen Stunden waren die Regale leer.“

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Drei Wochen lang hockt er wie manisch am Computer

Zur selben Zeit, 8000 Kilometer Luftlinie entfernt, sitzt der heute ­63-Jährige in seiner Erdgeschosswohnung im Berliner Westend und hält alles fest, was aus der Stadt dringt. Bilder, Videos, Texte, Mails, Nachrichten. Drei Wochen lang wird er jeden Tag bis 5, 6 Uhr morgens am Computer hocken, wie manisch, getrieben von der Sorge, irgendwas könnte ihm entgehen, und er wird sichern, was er greifen kann.

Dann, nach mehr als 20 Tagen, wird er krank, eine rätselhafte Schwäche. Erst finden die Ärzte keine Ursache, dann bringen sie ihn in die Klinik und versetzen seinem Herz einige Stromstöße, bis es kurz aussetzt und dann wieder anfängt zu schlagen. Als habe jetzt ein neues Leben für ihn begonnen.

Liao Yiwu sieht hinaus auf den Holztisch vor seinem Wohnzimmerfenster, wo er im Sommer darauf einen Großteil all der Geschichten aus Wuhan aufgeschrieben hat, und die Spielsachen im Garten dahinter. Ein nicht besonders großer Mann, Glatze, runde Brille: Eine fast bud­dha­haft unbewegte Miene, wenn er spricht oder zuhört, den Blick fest auf das Gegenüber gerichtet, dann verrät keine Regung seine Gedanken. Und ein jungenhaft ausgelassenes Lachen, in das er manchmal übergangslos wechselt, zum Beispiel, wenn er über seine Spaziergänge mit Wolf Biermann erzählt. Aber so weit ist es jetzt noch nicht.

„Das Virus war ein guter Vorwand“, sagt Yiwu unbewegt. „Jetzt haben sie die Kontrolle über jeden in China.“

Gerade hat Liao Yiwu seinen Dokumentarroman „Wuhan“ veröffentlicht.

Gerade hat Liao Yiwu seinen Dokumentarroman „Wuhan“ veröffentlicht.

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Liao Yiwu ist eine der wichtigsten, bekanntesten Stimmen eines anderen Chinas. Vor elf Jahren kam er nach Deutschland, nachdem er es gewagt hatte, über seine vier Jahre in chinesischen Gefängnissen und die Folter dort nicht nur zu reden, sondern auch ein Buch zu schreiben. Hier, in Europa, wurde er mit Preisen überhäuft, in Deutschland bekam er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In einer Ecke seines Wohnzimmers in Berlin steht ein Kühlschrank, mit Magneten daran befestigt zwei ausgeschnittene Weihnachtsbäume seiner kleinen Tochter, darüber eine Fotoecke: Liao Yiwu neben Joachim Gauck, damals Bundespräsident, der ihm Beifall spendet, Liao Yiwu mit der Nobelpreisträgerin Herta Müller, die ihm gratuliert und ihn umarmt.

Jetzt hat er ein neues Buch geschrieben, es heißt „Wuhan“, Liao Yiwu bezeichnet es als „Dokumentarroman“. Das ist, genau genommen, ein Widerspruch in sich, aber zugleich beschreibt er genau, was Yiwu macht: Er mischt Fakten und Fiktion. Es geht um den Wissenschaftler Ai Ding, der in Berlin lebt und sich bei Ausbruch der Seuche auf den Weg nach Wuhan macht, zu seiner infizierten Frau und seinem Kind. Zwei Monate braucht er für die letzten 100 Kilometer durch abgesperrtes Land, es ist eine symbolische, kafkaeske Reise, vorbei an immer neuen Checkpoints und Beamten, die auf immer noch mächtigere verweisen, die nach ihnen kommen. Am Ende ist er zu spät, als er ankommt, ist seine Frau gerade gestorben am Virus.

Geleitet und ermutigt wird er von Zhuang Zigui, einem in Berlin lebenden Autor und Exilanten, der ihn mit Mails und Anrufen begleitet, jemand, der gerne mal einen Schnaps trinkt und ansonsten seine erzwungene Untätigkeit in der Ferne selbstironisch kommentiert. Beide, Ai Ding und Zigui, sind erkennbar Alter Egos des Autors Liao Yiwu.

Von seinem Rechner in Berlin aus verfolgte Liao Yiwu Anfang 2020 genau, was in der abgeriegelten Metropole Wuhan passierte.

Von seinem Rechner in Berlin aus verfolgte Liao Yiwu Anfang 2020 genau, was in der abgeriegelten Metropole Wuhan passierte.

Ob er selbst gerne da gewesen wäre, als die ersten Nachrichten über das Virus aufkamen? Ob er nicht selbst am liebsten nach China gefahren wäre und dort recherchiert hätte, wenn er es denn gedurft hätte? Nein, sagt Yiwu. „Zum Glück lebe ich in Deutschland, das war jetzt mein Vorteil. Ich wäre in China sowieso unter Beobachtung gewesen, ich hätte gar nicht mehr schreiben können. Sie wären schon gekommen, mich zu ‚warnen‘.“

So, wie die anderen Personen in seinem Buch „gewarnt“ wurden, im dokumentarischen Teil von „Wuhan“. Der Fernsehjournalist Kcriss Li zum Beispiel, der sich im Februar 2020 auf die Suche nach dem Ursprung des Virus macht, sich dem Hochsicherheitslabor in Wuhan nähert, um zu recherchieren, und dann plötzlich verschwindet. Und die Bloggerin Zhang Zhan, die ihre Berichte über das Leben und Sterben in China schrieb und dafür im Gefängnis landete, wo sie das Essen einstellte. Die letzte Nachricht über sie stammt von ihrem Bruder, Liao Yiwu hat sie im Anhang seines Buches aufgeführt, von Anfang November. Keine 40 Kilo wiege sie mehr, bei 1,77 Meter Größe.

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„Zhang Zhan ist so schwach geworden, dass sie nichts mehr standhält“, schreibt ihr Bruder. „Die lange Haft und das Hungern haben in Zhang Zhans Organen und in ihrem Hormonsystem irreparable Schäden verursacht.“ Auf die Frage, ob sie sterben werde, habe ein Arzt geantwortet, „dass das sehr gut möglich ist“.

Gerade vorhin habe er noch versucht, mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zu sprechen, sagt Liao Yiwu in seiner Wohnung in Berlin. „Aber die sind nun auch verschollen.“

Größer könnte der Gegensatz kaum sein. Hier ist er nun, Liao Yiwu, in seinem sicheren Zuhause nicht weit vom Berliner Funkturm. Es ist eng hier, in der Wohnung. Seit die siebenjährige Tochter ein eigenes Zimmer brauchte, hat er keinen Raum zum Arbeiten mehr, sein Schreibtisch steht jetzt neben Spielsachen und Kinderbett.

Aber zugleich ist diese Wohnung auch ein Idyll, Spiegel seines späten Glücks. In China war Liao Yiwu schon einmal verheiratet, aber seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen, als er im Gefängnis saß, auch mit der Tochter dort gibt es keinen Kontakt mehr. Jetzt ist er hier, wieder verheiratet, auch seine Frau stammt aus China, eine Künstlerin. Ihre Bilder hängen an den Wänden, sie zeigen ein Kind, das an einer Pusteblume bläst, ein Kind, das auf einem Feldweg zu einer Pferdekoppel läuft.

Hier die neue Familienwelt, dort die Menschen, die für Wahrheit kämpfen und dafür im Gefängnis landen. Das Buch ist auch sein Versuch, diesen Kampf mitzukämpfen, aus der Ferne.

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Aber ist es überhaupt möglich, mit 8000 Kilometern Distanz die Wahrheit über Wuhan schreiben zu wollen? Oder ist es absurd? „Auch wenn ich dort gewesen wäre, ich hätte nicht mehr tun können.“ Oder vielleicht sogar noch weniger. „Die kannten mich ja. Die Polizei wäre sofort bei mir gewesen, wenn ich im Netz nach etwas gesucht hätte.“

Dabei hatte es anfangs gar nicht danach ausgesehen, als könnte Liao Yiwu einmal ein politischer Autor werden. In seiner Heimatstadt Chengdu war er ein angesagter junger Lyriker. Fan der Beat-Generation, von Allen Ginsberg, Jack Kerouac und William S. Borroughs und ihrem Lebensstil. Die ach so große, lange chinesische Geschichte interessierte ihn nicht, er war ein Anarchist, nichts war ihm heilig, fasziniert von einem Leben auf der Straße, Politik war etwas für andere.

Er hörte, „wie die Kugeln in Körper einschlugen“

Das ändert sich 1989, im Juni, als er in Peking in seinem Zimmer sitzt und wieder an Gedichten arbeitet. „Beim Schreiben“, so sagte er einmal in einem Interview, „hörte ich, wie die Kugeln in Körper einschlugen.“ Es ist das Geräusch, das sein Leben ändert. Liao Yiwu schreibt sein Gedicht „Massaker“, das sich rasch verbreitet und ihn ins Gefängnis bringt. Dort, bei der Vernehmung, führen ihm seine Peiniger Essstäbchen ein, dann einen elektrischen Schlagstock, gleichsam von innen verpassen sie ihm Stromstöße. „Im Gefängnis habe ich eine Lektion gelernt“, sagte er. „Sie machte aus mir, dem Beat-Generation-Poeten, einen echten Gegner der Regierung.“

Und sie machten aus ihm jemanden, der der chinesischen Regierung fast alles zutraut. Der sich über die Führung des Staates keine Illusionen macht, wenn er sie denn je gehabt haben sollte.

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So klingt die These in seinem Buch auch nur in vielen westlichen Ohren provokant oder gar nach einer Verschwörungstheorie. „Wie alle Chinesen, die auf der Suche nach der Wahrheit waren und dann verschwunden sind, glaube ich, dass das Virus aus einem Labor stammt.“

Beim Virus argumentiert er nicht biologisch, sondern politisch

Es ist eine der großen Streitfragen dieser Pandemie: Woher kommt Sars-CoV-2? Ist es aus der Tierwelt direkt auf den Menschen übergegangen, wie es die meisten Wissenschaftler annehmen? Gesichert scheint, dass es ursprünglich aus Fledermäusen stammt. Doch den Zwischenwirt, das Tier also, das zwischen ihnen und dem Menschen liegen muss, haben die Forscher bislang nie gefunden. Das ist die Schwäche dieser These. Auch eine Forschermission im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation hat letztlich kein Ergebnis gebracht.

Oder doch Labor?

Liao Yiwu argumentiert nicht virologisch, nicht biologisch, sondern politisch. Genau genommen argumentiert er auch nicht, er polemisiert, vermutet, legt nahe. „Es war eine ausgesprochen infame Bauernfängerei“, schreibt der Erzähler in „Wuhan“. „In Wuhan starben Tag für Tag Menschen, auf Regierungsseite wurde vertuscht und gelogen und dabei der Öffentlichkeit Hunderte Male insinuiert, dass eigentlich die Menschen in Wuhan sich das alles durch ihre Fresslust selbst eingebrockt hätten!“ Yiwu zeichnet in seinem Buch die Wege von Menschen nach, die sich vielen Orten nähern konnten. Nur nicht dem Labor in Wuhan, dann sind sie verschwunden. Als habe es hier etwas zu verstecken gegeben. In diesem Labor wurde an Coronaviren geforscht, auch das ist sicher.

„Ich glaube nicht, dass es die Absicht war, eine ABC-Waffe zu erfinden“, sagt Yiwu. „Sondern dass es ein Unfall war, so ähnlich wie Tschernobyl. Wir haben keine Beweise. Aber wir glauben, dass es so war.“

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2011 flüchtet er aus seiner Heimat

Liao Yiwu ist 2011 aus China entkommen. Anders als seine Freunde, der verstorbene Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zum Beispiel. Oder Li Bifeng, der wohl auch deshalb im Gefängnis sitzt, weil er Yiwu bei seiner Flucht geholfen haben soll. Ein Dutzend Mal werden Yiwus Ausreiseanträge zurückgewiesen, wird er wieder verhaftet, als „Volksschädling“ verleumdet und wieder zusammengeschlagen. Und doch fällt es ihm schwer zu gehen: Einmal hat er es schon nach Vietnam geschafft, da geht er doch wieder zurück, aus Angst, heimatlos zu sein.

Dann, im Juli 2011, geht er endgültig.

Und wahrscheinlich ist, mit dieser Vorgeschichte, die Milde sehr schwer zu ertragen, mit der der Westen China entgegentritt. Oder die Bewunderung, die mancher hier dem Land für seine vermeintliche Überlegenheit im Kampf gegen Corona entgegenbrachte. „Es war nicht meine Absicht zu beweisen, woher die Viren stammen“, sagt er. „Ich wollte zeigen, wie eine diktatorische Partei in so einer Situation regiert: mit totaler Kontrolle, ohne jede Achtung vor Freiheit und Menschenrechten.“

Wer die These vom Virus aus dem Labor vertritt, begibt sich in schwierige Gesellschaft. Es war vor allem US-Prä­sident Donald Trump, der immer wieder vom „China-Virus“ sprach, es sind auch Verschwörungstheoretiker, die die These vom Laborausbruch nähren. Aber es scheint Yiwu fernzuliegen, seine eigene Meinung davon abhängig zu machen.

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Mehr als 70 Tage währte der Lockdown von Wuhan. Wenn es China wirklich um den Schutz der Menschen gegangen wäre, dann hätte die Parteiführung Fragen beantwortet, sagt Yiwu. Woher stammen die Viren wirklich? Wie viele Menschen sind in China gestorben? Warum sind nicht sofort alle Grenzen nach außen geschlossen worden? „Wenn wir die Antworten hätten, würde man China nicht feiern. Und wenn man es dennoch tut, dann kann ich es nicht verstehen. Das ist dann schon naiv.“

Liao Yiwu sagt, er habe mit Kompromissen leben gelernt. Damit, dass der Westen Rücksicht auf China nimmt, der schieren Größe und wirtschaftlichen Macht wegen. „Aber anscheinend vergessen die westlichen Politiker, wenn sie mit China verhandeln, dass auch etwas anderes auf dem Spiel steht als Profite und Interessen. Wie die westliche Welt ihre Werte gegenüber China vertritt: Da bin ich verzweifelt.“

In China sind Yiwus Bücher aus den Bibliotheken verbannt

Und jetzt, dieser Tage, auch noch die Olympischen Spiele. Die für Liao Yiwu vor allem einem Zweck dienen: nach Hongkong auch in Taiwan wieder die Kontrolle zu übernehmen. „Sie brauchen die Olympiade, damit das Volk in einem nationalistischen Gefühl mitmacht“, sagt er. „Wenn der Westen das nicht erkennt, muss man das als sehr dumm bezeichnen.“

Taiwan also, das für ihn so wichtig ist, weil es der letzte Ort ist, an dem seine Bücher in seiner Muttersprache erscheinen. In China sind seine Werke sogar aus den Bibliotheken verbannt, ist sein Name verfemt. „Wenn auch Taiwan unter chinesische Macht kommt, dann bin ich in meinem eigenen Kulturkreis nicht mehr existent.“

Außerhalb seiner Heimat wird der Autor hoch geschätzt – auch vom Dalai Lama.

Außerhalb seiner Heimat wird der Autor hoch geschätzt – auch vom Dalai Lama.

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Und Deutschland? „Ich bin nicht so erfolgreich im Bereich Integration“, sagt er, schaut hinaus in den kahlen Garten, den grauen Berliner Winternachmittag, und lacht. Weil er noch immer die Sprache kaum spricht, trotz zweier Deutschkurse, in die er sich gesetzt hat. Aber immerhin hat er seit vergangenem Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft. 85 Punkte im Integrationstest, nach fünf Monaten Lernen, das sei doch kein schlechtes Ergebnis, findet er. Und sein Deutsch reiche ja immerhin schon, damit er mit seinem Freund Wolf Biermann auch mal ohne Übersetzerin spazieren gehen könne.

Manchmal, sagt Yiwu, bringe der ihm dann deutsche Wörter bei. „Das ist ein Haus“, sage Biermann zum Beispiel. „Ein altes Haus.“ Manchmal stelle Yiwu auch schon selbst Fragen. „Und das da?“, habe er wissen wollen. „Die Sonne.“ – „Alt?“ – „Nein, neu.“ Und dann lacht er dieses Lachen, das wie ein Trotz gegen die Schwere seiner Geschichte klingt.

Ob er hoffe, einmal wieder nach China zurückkehren zu können? So pessimistisch, wie man vermuten könnte, ist er da nicht. Die immer weiter zunehmende Härte von Staatspräsident Xi Jinping ist für ihn auch ein Zeichen von Nervosität. Selbst Mao, sagt er, habe manchmal so etwas wie Weichheit gezeigt. Über eine Rückkehr aber mache er sich keine Gedanken. „Ich habe meine Heimat nie verloren.“ Weil er sie in seiner Sprache, in seinen Erinnerungen und in seinen Büchern bei sich habe. „Im Moment“, sagt Liao Yiwu, „bin ich wirklich glücklich und zufrieden.“ Und es gab Zeiten, in denen er nicht sicher war, dass er das noch einmal voller Überzeugung von sich würde sagen können.

Liao Yiwu: „Wuhan“. Deutsch von Hans Peter Hoffmann und Brigitte Höhenrieder. S. Fischer Verlag. 352 Seiten, 24 Euro.

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