Einflussnahme in der Ukraine: Russland weist britische Vorwürfe zurück

Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums

Mokau. Russland hat den Vorwurf der britischen Regierung zurückgewiesen, eine pro-russische Regierung in der Ukraine installieren zu wollen. Die vom britischen Außenministerium verbreitete „Desinformation“ stelle einen zusätzlichen Beweis dar, „dass es die Nato-Länder sind, angeführt von den Angelsachsen, die Spannungen um die Ukraine eskalieren“, erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Sonntag über die Messaging-App Telegram. Sacharowa rief das britische Außenministerium auf, „provozierende Aktivitäten“ einzustellen und keinen „Unsinn“ zu verbreiten.

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Das britische Außenministerium hatte unter Berufung auf Geheimdienstinformationen erklärt, ein potenzieller Kandidat für die Führung einer pro-russischen Regierung in der Ukraine sei der frühere ukrainische Abgeordnete Jewgenij Murajew. Er ist der Chef der kleinen Partei Naschi, die gegenwärtig nicht im Parlament vertreten ist.

„Lächerlich und witzig“

Was das Außenamt in London verbreite, sei „lächerlich und witzig“, sagte Murajew am Sonntag der Nachrichtenagentur AP. Immerhin sei es ihm seit 2018 verboten, nach Russland einzureisen, weil er als Bedrohung für die Sicherheit des Staates gelte. Auf Facebook schrieb er, die Zeit der pro-westlichen und pro-russischen Politiker in der Ukraine sei vorbei. Der AP sagte Murajew in einem Videotelefonat: „Alles, das den pro-westlichen Entwicklungspfad der Ukraine nicht unterstützt, ist automatisch pro-russisch“. Er sprach sich für eine neutrale Ukraine aus. Eine Mitgliedschaft in der Nato würde nur weiteren Krieg bedeuten, sagte er.

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Großbritannien nannte auch mehrere weitere ukrainische Politiker, die Verbindungen zu russischen Geheimdiensten haben sollen, darunter den früheren Ministerpräsidenten Mykola Asarow und Andrij Klujew, den ehemaligen Stabschef des einstigen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

Die britische Regierung Außenministerin Liz Truss sagte, die Information werfe ein neues Licht auf das Ausmaß der russischen Aktivitäten, die darauf ausgerichtet seien, die Ukraine zu unterwandern, und stelle einen Einblick in das Denken des Kreml dar.

Truss rief Russland auf, „zu deeskalieren, seine Kampagnen der Aggression und Desinformation zu beenden und einen Pfad der Diplomatie zu verfolgen“. Sie bekräftige die Nato-Position, „jedes militärische Eindringen in der Ukraine wäre ein massiver strategischer Fehler mit hohen Kosten.“

Teil des „russischen Werkzeugkastens“

US-Außenminister Antony Blinken sagte, er könne sich nicht dezidiert zu dem britischen Vorwurf äußern, ein solches Vorgehen wäre aber auf jeden Fall Teil des „russischen Werkzeugkastens“. „Wir warnen seit Wochen genau vor dieser Art von Taktik“, sagte er dem Sender CNN.

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Mark Galeotti, Experte für russische Geheimdienstaktivitäten, sagte der AP, er sei skeptisch, was die Vorwürfe Großbritanniens angehe. Es sei schwierig zu sagen, ob es sich um eine echte Bedrohung handle, um missverstandene Annäherungen an ukrainische Politiker aus Russland oder um „strategische Kommunikation, wie wir heutzutage Propaganda nennen“. Der Russland-Experte Keir Giles vom Thinktank Chatham House sieht den Vorwurf aus London als Signal, dass Großbritannien in der Ukraine-Krise eine Führungsrolle übernehmen wolle. Die USA seien offenbar bereit, mit Russland über dessen Forderungen zu sprechen, die EU sei „irrelevant und am Steuer eingeschlafen“. Deshalb liege es jetzt an Großbritannien rhetorisch und auch im Handeln aktiv zu werden, sagte er. Der ukrainische Politologe Wolodymyr Fesenko sagte, Murajew sei zwar eine nicht unbedeutende Figur im pro-russischen Lager in der Ukraine. Er spiele aber nicht in der ersten Liga. „Ich glaube nicht, dass Murajew direkte Kontakte in den Kreml hat.

RND/AP

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