Freiheiten für Geimpfte? Her damit!

Eine geöffnete Gaststätte im sächsischen Augustusburg. Früher kamen Menschen oft in Restaurants und Kneipen zusammen, um zu speisen und zu trinken. Im anhaltenden Lockdown ist das nur in Modellregionen mit negativem Testergebnis möglich.

Eine geöffnete Gaststätte im sächsischen Augustusburg. Früher kamen Menschen oft in Restaurants und Kneipen zusammen, um zu speisen und zu trinken. Im anhaltenden Lockdown ist das nur in Modellregionen mit negativem Testergebnis möglich.

Eine Rückkehr von der Reise ohne Quarantäne für Geimpfte, freier Eintritt ins Schuhgeschäft oder, wenn es wieder möglich ist, in Kneipe oder Theater – es sind kleine und große Schritte zugleich, über die der Impfgipfel mit Kanzlerin und Länderchefinnen und -chefs am Montag diskutieren wird. Dennoch gelten sie immer noch als Aufreger. Der Deutsche Ethikrat beklagte eine doppelte Benachteiligung der jüngeren Alterskohorten – erst sollen sie zum Schutz der Alten und Kranken bei der Impfung zurückstehen, dann werden ihnen deswegen noch Freiheiten genommen.

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Doch das Argument verliert an Wucht, je mehr Menschen geimpft sind. „Das führt hoffentlich nachhaltig dazu, dass man verantwortlich öffnen kann – und das wollen letztlich alle Seiten“, sagte Ethikratsvorsitzende Alena Buyx kürzlich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Endlich mal eine gute Welle

Bei der Impfkampagne lief bisher fast alles schief, was schieflaufen konnte. Aber die Infrastruktur steht. Impfzentren, Arztpraxen, demnächst auch Betriebsärzte und rollende Impfpraxen stehen bereit. Die Priorisierung ist so gut wie aufgehoben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will sie noch im Mai abschaffen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Juni. So oder so: Deutschland wird bis zum Sommer einen Impf-Tsunami erleben, erwarten Experten. Endlich mal eine gute Welle in der Pandemie.

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Schnell könnte die Situation eintreten, dass deutlich mehr Impfstoff als Impfwillige vorhanden sind. Anreize können Zweifelnde überzeugen – und der Verzicht auf Quarantäne und Negativtests wäre ein starker Anreiz. Wenn Geimpfte – und nachweislich immune Genesene – keinen Negativtest mehr nachweisen müssen, um zum Beispiel einkaufen zu gehen, ist das keine „Impfpflicht durch die Hintertür“, wie Kritiker meinen. Es ist einfach eine praktische und faire Regelung.

Es besteht zudem – und vor allem anderen – eine verfassungsrechtliche Verpflichtung, Grundrechte nicht länger als unbedingt nötig einzuschränken. Das Bundesverfassungsgericht wird sich in Kürze mit der „Bundesnotbremse“ befassen. Viele erwarten, dass zumindest die Ausgangssperren dann fallen. Und auch alle anderen Maßnahmen werden auf dem Prüfstand stehen. Bestimmte Einschränkungen für Geimpfte und Genesene aufzuheben, erhöht auch den Druck darauf, die Notwendigkeit dieser Maßnahmen für alle anderen zu begründen. Das kann nur gut sein. Die von Verzweiflung, selbst verschuldeter Hektik und politischer Schlamperei geprägte Pandemie-Politik der vergangen Monate gehört auf den Prüfstand.

Auch für Geimpfte kann jetzt nicht alles öffnen, das ist klar. Aber die Voraussetzungen für Öffnungsschritte müssen jetzt geschaffen werden: Kultur und Gastronomie erst open air erlauben, dann auch drinnen. Freibäder sollen baldmöglichst mit Test oder Impfnachweis öffnen dürfen. Der Alltag – ein Alltag mit Masken, Abständen und Vorsicht, aber ein Alltag – könnte pünktlich zu den Sommerferien zurückkehren. Das wäre mehr als ein Hoffnungsschimmer. Es könnte die Resignation in diesem Land beenden.

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