Katholische Kirche: hohe Erwartungen an den Reformprozess Synodaler Weg

Am kommenden Donnerstag treffen Bischöfe, Laien, Priester und Ordensleute zur dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt zusammen (Archivbild).

Frankfurt/Main. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens treffen am kommenden Donnerstag Bischöfe, Laien, Priester und Ordensleute zur dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt zusammen. Der Reformprozess der katholischen Kirche soll fortgesetzt werden – und nach den teils heftigen Diskussionen der vergangenen Synodalversammlungen könnten auf dem dreitägigen Treffen erste Beschlüsse fallen – etwa über den sogenannten Grundtext zu Macht und Gewaltenteilung in der Kirche.

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Wie bei den vergangenen Synodalversammlungen wird es auch einen Bericht zu Aufarbeitung und Aufklärung sexuellen Missbrauchs geben. Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und der Umgang der Kirchenleitung mit Priestern, die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausübten, gehörte zu den Auslösern des Reformprozesses.

Nach der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachten und dem Bekanntwerden der Falschaussage des einstigen Münchner Erzbischofs und emeritierten Papstes Benedikt XVI. dürften die Debatten eher noch heftiger, die Forderungen nach Konsequenzen noch lauter werden. Benedikt XVI., der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, hatte sich als Vorgesetzter nach dem Bekanntwerden von vier Missbrauchsfällen selbst falsch verhalten.

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„Gut gemeinte Worte sind genug gefallen“

„Ich bin überzeugt, der Synodale Weg wird sich von der kritischen Öffentlichkeit daran messen lassen müssen, wie es gelingt, das System der Vertuschung von Missbrauch und die Marginalisierung der Betroffenen aufzubrechen“, betonte Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK). Insofern stehe die dritte Synodalversammlung vor einer ersten Bewährungsprobe. „Gut gemeinte Worte sind genug gefallen, jetzt sind Taten nötig und dafür benötigen wir formal eine Zweidrittelmehrheit für die Beschlüsse.“

Nachdem auf den beiden vorangegangenen Synodalversammlungen Diskussionsbeiträge und Reformdruck vor allem von Laien und reformwilligen Klerikern und Bischöfen zu hören waren, ist die große Frage vor den jetzt folgenden Abstimmungen: Wird die notwendige Zweidrittelmehrheit zustande kommen? Gerade die als konservativ geltenden Bischöfe hatten sich bei den öffentlichen Diskussionen im vergangenen Jahr zurückgehalten und sie weitgehend schweigsam verfolgt. Wie stark der Reformwille tatsächlich ist, könnte sich daher in Frankfurt zeigen.

„Wir brauchen einen umfassenden kirchlichen Kulturwandel, den wir aus Respekt vor den Betroffenen, aus Achtung vor den Gläubigen und aus innerer Verpflichtung heraus vollziehen müssen“, hieß es in einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Mitteilung des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. „Wir spüren den erheblichen Vertrauensverlust und verstehen das große Misstrauen, das uns Bischöfen aus der Gesellschaft und von den Gläubigen entgegengebracht wird.“

Die Erwartungen an den Reformprozess sind hoch

„Man kann nur hoffen, dass sich die große Mehrheit der Bischöfe wirklich bewusst ist, was auf dem Spiel steht“, sagte Christian Weisner, Sprecher der Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Das Münchner Gutachten betrachte er als einen Wendepunkt. Die Erwartungen an die Synodalversammlung seien „wirklich sehr, sehr hoch“. Jetzt dürfe es keine Widerstände mehr geben gegen eine grundlegende „Umkehr und Neuorientierung auf allen Ebenen“. Die Reformgruppen hofften auf Mut der Synodalen, so Weisner.

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Wie andere Reformgruppen ist „Wir sind Kirche“ nicht mit eigenen Delegierten auf dem Synodalen Weg vertreten, begleitet den Reformprozess aber mit eigenen Positionen und Veranstaltungen.

Die Synodalversammlung ist das oberste Organ des Synodalen Weges. Ihr gehören die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, weitere Vertreterinnen und Vertreter geistlicher Dienste und kirchlicher Ämter, Berufsgruppen, Ordensgemeinschaften sowie junge Menschen und Einzelpersönlichkeiten an – insgesamt 230 Menschen.

ZdK-Präsidentin fordert staatliche Hilfe bei Aufarbeitung

Stetter-Karp setzt unabhängig von der innerkirchlichen Diskussion auch auf Gespräche mit der Politik als notwendige Maßnahme bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch Geistliche oder Kirchenvertreter. „Es ist für mich nicht mehr zu erwarten, dass die Kirche die Aufarbeitung alleine schafft“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Es müssten Ombudsstellen eingerichtet werden.

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Sie sprach sich zudem für „neue Formate“ aus, in denen Betroffene und Täter – wenn beide Seiten dazu bereit seien – in einem geschützten Raum auch Fragen von Schuld und Versöhnung persönlich erörtern könnten. Das sei allerdings ein sensibles Thema.

Von besonderer Bedeutung sei es auch, „an einem anderen Machtverständnis zu arbeiten“, sagte Stetter-Karp, die 39 Jahre lang in der katholischen Kirche berufstätig war. „Statt einer speziellen Art von Herrschaft brauchen wir ein Mehr an Transparenz und Rechenschaft.“ Nötig sei mehr Entscheidungsbefugnis der Kirchengemeinde- und Diözesanräte in gemeinsamer Verantwortung mit dem Gemeindepfarrer beziehungsweise Bischof. In diesem Zusammenhang sprach sie sich auch für einen Synodalen Rat aus, der auf Dauer eingerichtet werden soll.

RND/dpa

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