Wieler zur aktuellen Corona-Lage: „Wie viele Menschen müssen denn noch sterben?“

Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI).

Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI).

Johannesburg/Berlin. Deutschland wird Südafrika wegen der neu aufgetretenen Coronavirus-Variante B.1.1.529 zum Virusvariantengebiet erklären. Die Regelung trete in der Nacht zu Samstag in Kraft, Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger nach Deutschland befördern, teilte der geschäftsführende Bundesgesundheits­minister Jens Spahn (CDU) am Freitagmorgen mit. „Diese neu entdeckte Variante besorgt uns, daher handeln wir hier proaktiv und frühzeitig. Das Letzte, was uns jetzt noch fehlt, ist eine eingeschleppte neue Variante, die noch mehr Probleme macht“, sagte Spahn. Gegebenenfalls seien auch Nachbarländer Südafrikas betroffen.

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Spahn: „Die Lage ist ernst, so ernst wie noch zu keinem Zeitpunkt in der Pandemie“

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler am Freitagmorgen schaut der Gesundheitsminister jedoch zuerst auf die aktuelle Situation in Deutschland: „Die Lage ist ernst, so ernst wie noch zu keinem Zeitpunkt in der Pandemie.“ Aber es passiere zu wenig und wenn etwas passiere, sei es oft schon zu spät. „Der Weckruf ist noch immer nicht überall angekommen.“ Immer noch zu viele Personen „in politischer Verantwortung oder in zukünftiger Verantwortung scheinen zu denken: ‚Wird schon irgendwie gut gehen‘“, sagte Spahn. Das werde es aber nicht. „Jedenfalls nicht von allein.“ Es sei nun an allen, diese Welle zu stoppen, appelliert Spahn: „Sonst erleben wir genau das, was wir immer vermeiden wollten: eine Überlastung des Gesundheitssystems.“

Der Übergang zwischen der bisherigen und der neuen Regierung „darf nicht zu Verzögerungen führen. Es braucht in dieser nationalen Notlage das Zusammenstehen aller Verantwortlichen, jetzt“, sagte Spahn.

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Spahn fordert ein schnelles Treffen der Ministerpräsidentinnen und ‑präsidenten. Es sei falsch, angesichts der schwierigen Lage zehn Tage zu warten, sagt der CDU-Politiker. Der Übergang von der bisherigen zur neuen Regierung dürfe nicht zu Verzögerungen bei der Corona-Bekämpfung führen. Nun müssten alle Verantwortlichen zusammenstehen.

Wieler: „Wir sind tatsächlich in sehr großer Sorge“

Der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, stellt einleitend in sein Statement in der Pressekonferenz die Frage: „Welche Todeszahl würde uns denn überzeugen, dass Covid-19 keine leichte Erkrankung ist, und uns zum Impfen motivieren. Wie viele Menschen müssen denn noch sterben?“ Was müsse noch geschehen, damit wir überzeugt sind, alles gegen den Virus getan zu haben? Wieler wiederholt seinen Appell der vergangenen Wochen erneut: Eine Überlastung der Intensivstationen sei nur dann zu verhindern, wenn man es schaffe, dass „sich nicht mehr so viele Menschen anstecken“. Wieler erwarte von den Entscheidern nun, dass sie alle Maßnahmen in Anspruch nehmen, um die Fallzahlen zu senken. Er beglückwünscht all diejenigen, die ihre Booster-Impfung bereits haben. Diese Menschen seien „deutlich besser geschützt“. Gleichwohl sollten sich auch die Menschen mit Auffrischungs­impfung an alle geltenden Auflagen halten. Man wisse noch nicht genau, ob sich auch geboosterte Personen infizieren können, sagt Wieler. Im Übrigen sei dies auch eine Frage der Solidarität.

Wieler äußert sich beunruhigt wegen der in Südafrika aufgetretenen neuen Virusvariante. „Wir sind tatsächlich in sehr großer Sorge“, sagt Wieler in Berlin. Bislang sei nach seiner Kenntnis aber noch kein Fall in Deutschland oder Europa festgestellt worden. Er ergänzt, die Gefährlichkeit könne noch nicht eingeschätzt werden.

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Von der Leyen will EU-weiten Reisestopp

Wegen der Ausbreitung der neuen, möglicherweise gefährlicheren Variante des Coronavirus aus dem Süden Afrikas will die EU-Kommission Reisen aus dem südlichen Afrika in die EU auf ein absolutes Minimum beschränken. Die Brüsseler Behörde werde den EU-Staaten vorschlagen, die dafür vorgesehene Notbremse auszulösen, um den Luftverkehr auszusetzen, teilte EU-Kommissions­präsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mit. Die Echtheit des Tweets wurde der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. Die EU-Staaten müssen darüber jetzt noch beraten und entscheiden. Rechtlich bindend wäre die Notbremse nicht, doch es wäre eine wichtige Richtungsentscheidung. Großbritannien und Israel haben bereits vorsorglich den Flugverkehr in die Staaten der Region eingeschränkt.

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Geringere Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs bei neuer Virusvariante?

Fachleute befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen hochansteckend sein könnte und zudem den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte.

Das südafrikanische Institut für ansteckende Krankheiten NICD teilte am Donnerstag mit, es seien in Südafrika 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen. Die Weltgesundheits­organisation (WHO) untersucht bereits, ob B.1.1.529 als besorgniserregend eingestuft werden muss. Das sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove in einem Briefing. Es werde dabei auch untersucht, inwieweit die Variante Folgen für Diagnostik, Therapien und Impfkampagnen habe.

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RND/fw/dpa

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