Missbrauchs­gutachten: Ist die katholische Kirche noch zu retten?

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.

Berlin. Kein Zweifel: Das jüngste Missbrauchsgutachten der katholischen Kirche über sexuelle Gewalt im Bistum Köln verschafft dem dortigen Erzbischof viel Entlastung. Denn die Botschaft des Papiers lautet ja: Nicht Rainer Maria Woelki ist schuld, sondern sein sattsam bekannter Vorgänger Joachim Meisner – sowie zwei Hierarchen aus dem mittleren Kirchenmanagement, die die Amtszeit des einen mit der Amtszeit des anderen verbinden.

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Woelki hatte vor der Veröffentlichung gesagt, wenn er persönliche Konsequenzen ziehen müsse, dann werde er es tun. Vordergründig besteht dazu nun kein Anlass. Freilich verlassen derzeit Tausende die katholische Kirche – auch wegen Woelki. Ob er diesen Autoritätsverlust stoppen kann, ist ungewiss.

Ohnehin ist die sexuelle Gewalt und ihre jahrzehntelang Vertuschung längst nur das wesentliche Symptom einer Krankheit, die den gesamten Kirchenkörper erfasst hat. Dafür spricht allein, dass in dem Gutachten zwischen systematischer Vertuschung, die es nicht gegeben habe, und systembedingter Vertuschung unterschieden wird.

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Die Vertuschung ist der Institution also immanent. Das beweist: So wie die Kirche war und an der Spitze immer noch ist – männlich und autoritär – hat sie keine Zukunft. Sie braucht eine Reformation, in der Frauen eine wesentliche Rolle spielen müssen. Das wiederum sagt indirekt auch etwas über Rainer Maria Woelki.

Ob eine Reformation die katholische Kirche retten wird, ist offen. Zu wünschen wäre es aber nicht nur denen, die ihr angehören. Was da in 2000 Jahren eher schlecht als recht gewachsen ist, das nämlich wird man kaum ersetzen können. Und eine Institution, die Spiritualität und Menschlichkeit einen Rahmen und einen Anker gibt, die brauchen wir mehr denn je.

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