Reifeprüfung für die Junge Union

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, beim Deutschland-Tag.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, beim Deutschland-Tag.

Münster. Dieser stets frenetische Jubel, diese Partystimmung auf den Bundeskongressen der Jungen Union in den vergangenen Jahren ist beim Deutschland-Tag in Münster einer ungewohnten Ernsthaftigkeit gewichen. In gewisser Weise ist es ein Reifeprozess, den der politische Nachwuchs von CDU und CSU jetzt durchmacht. Es wird Zeit.

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Man muss sich das bewusst machen: Die jungen Frauen und Männer kennen diese Situation gar nicht, sie wissen nicht, wie sich das anfühlt: verlieren. Denn 16 Jahre – über eine ganze Generation der JU, in der man nur bis zum 33. Lebensjahr Mitglied sein kann – gewann die Union mit Angela Merkel die Bundestagswahlen. Die Junge Union war immer auf der Siegerseite. Bis jetzt.

Oft wirkte sie erfolgsverwöhnt, manchmal überheblich. Dieser Jugendverband ist immer auch die Möglichkeit zu einer persönlichen politischen Karriere. Das ist besonders attraktiv, wenn die Union die Regierung stellt. Denn das verbessert die Chancen, die Aussicht auf Posten, auf Macht.

Jetzt, in den absehbar schwierigen Zeiten der Opposition, wird sich zeigen, was die Junge Union draufhat, die Partei selbst weiter zu entwickeln und aus der Krise mit herauszuholen.

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Laschet holt sich Prügel ab, Söder duckt sich weg

Einen Anfang hat sie in Münster gemacht. Sie hat besser zugehört, wer was sagt. Zumindest hat sie nicht mehr wie früher einfach wild drauf losgeklatscht. Sie hat auch eine eigene, eine mutige Wahlanalyse vorgelegt, was warum wie schiefgegangen ist. Sie hat den Verlierer Armin Laschet scharf attackiert, ihm dann aber für seine Rede mit der Verantwortungsübernahme der Wahlschlappe Respekt gezollt.

Sie sollte den Unterschied gemerkt haben zwischen Laschet und ihrem Idol Markus Söder, besser gesagt: ihrem vielleicht einstigen Vorbild. Laschet holt sich die Prügel ab, Söder, für den sich die Junge Union mit großer Mehrheit als Kanzlerkandidat ausgesprochen hatte, duckt sich weg. Er sagt seinen Auftritt vor der Parteijugend ab – und meldet sich aus sicherer Entfernung via Zeitungsinterview mit einem Appell an Zusammenhalt. Das sollte sich die JU gut merken.

In Selbstkritik wird sie sich aber noch üben müssen. Es gefiel der JU nicht, dass Friedrich Merz auch ihr die Frage stellte, warum eigentlich so viele Erstwählerinnen und -wähler zur FDP gegangen sind. Das ist aber eine sehr berechtigte Frage. Die Junge Union ist mit 100.000 Mitgliedern ein riesengroßer Jugendverband. Sie hat immerhin mehr Mitglieder als die FDP. Wäre sie für junge Leute attraktiv gewesen, hätte sie vielleicht für die Prozentpunkte sorgen können, die der Union zum Wahlsieg fehlten.

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Spahn hat sich eine Brücke gebaut

Im Ringen um die nächste CDU-Führung wird sie vermutlich wieder einen Favoriten benennen. Bei ihrer Mitgliederbefragung vor einem Jahr zu den Kandidaten für den Parteivorsitz – Laschet, Merz und Norbert Röttgen (die Merz gewann), hieß es, dass sie lieber Jens Spahn gewählt hätte, wenn man seinen Namen denn hätte ankreuzen können.

Spahn selbst hat beim Deutschland-Tag eine Brücke gebaut. Er habe „Lust, die neue CDU zu gestalten“. Da kann er noch so viel von Team reden. Das hörte sich sehr nach einer Bewerbung an. Und wenn die jüngere Generation die Macht übernehmen will, dann muss sie auch springen.

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