Abramowitsch – ein Nachkomme sephardischer Flüchtlinge?

Neuer Pass für den Oligarchen: Wie Roman Abramowitsch plötzlich zum Portugiesen wurde

Der russische Oligarch Roman Abramowitsch kommt zum Freiburger Zivilgericht.

Madrid. „Der Außenminister sagt, dass das alles legal war. Ich weiß nicht, wem er damit etwas vormachen will.“ „Das alles“, von dem der portugiesische Russland-Experte José Milhazes an diesem Wochenende in einem Interview sprach, ist die Verleihung der portugiesischen Staatsbürgerschaft an den russischen Milliardär Roman Abramowitsch vor knapp einem Jahr. Milhazes ist nicht der Einzige, dem diese Einbürgerung merkwürdig vorkommt. Seit zwei Monaten ermitteln auch die portugiesische Staatsanwaltschaft und das öffentliche Standesamts- und Notariatsinstitut (INR) in der Sache. Ein offizielles Untersuchungsergebnis gibt es noch nicht. Nur einige Verdächtigungen sind bisher durchgesickert.

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Tochter distanziert sich von Abramowitsch

Roman Abramowitsch ist Russe, reich und (als Eigentümer, jetzt Verkäufer des Chelsea Football Club) berühmt, was ihn verdächtig macht. Ob er ein Putin-Vertrauter ist, lässt sich aus der Ferne schwer herausfinden. Seine Tochter soll sich schon vom Ukraine-Einmarsch distanziert haben, was aber ebenfalls nicht zu bestätigen ist. Man weiß aber, dass Abramowitsch seit 30. April Portugiese ist („der reichste Portugiese der Welt“, schreibt das Netzportal NiT). Das hat die Lissaboner Tageszeitung „Público“ im Dezember ans Licht gebracht, und Abramowitsch ließ es bestätigen. Ihm habe der „espírito acolhedor“ Portugals gefallen, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Lusa. Das lässt sich mit Willkommenskultur übersetzen. Die Frage ist, ob er dieser Kultur etwas nachgeholfen hat.

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„Alles deutet darauf hin, dass hinter einem gut gemeinten Gesetz eine Passmafia errichtet worden ist“, schrieb João Paulo Batalha von der portugiesischen Transparency-International-Sektion im Januar auf Twitter. Das ist ein gewaltiger Vorwurf. Das gut gemeinte Gesetz, von dem er spricht, ist jenes, das den Nachfahren portugiesischer Sepharden seit 2015 die Einbürgerung in Portugal erlaubt. Die Sepharden waren Juden, die Ende des 15. Jahrhunderts von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden. Knapp 57.000 Menschen aus aller Welt haben in den vergangenen Jahren diese Möglichkeit zur Einbürgerung in Portugal wahrgenommen, an die 7000 von ihnen haben sich auch in Portugal niedergelassen, berichtet Michael Rothwell von der jüdischen Gemeinde Portos der Agentur Lusa.

Abramowitsch soll Nachkomme sephardischer Flüchtlinge sein

Einer von den 57.000 ist Roman Abramowitsch; nach Portugal ist er allerdings nicht gezogen. Dass er ein Nachkomme sephardischer Flüchtlinge sei, haben ihm die jüdische Gemeinde von Porto und sephardische Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Hamburg bestätigt, schreibt die Frankfurter Zeitschrift „Jüdisches Europa“. Im Gegenzug soll Abramowitsch „hohe Summen für geplante Projekte“ gespendet haben. Dass er für das vergangenes Jahr eröffnete Museu do Holocausto do Porto Geld gab, berichtet auch das Netzportal NiT. Die Spende für das Holocaustmuseum kann eine Geste der Dankbarkeit sein. Oder Bestechungsgeld. João Paulo Batalha von Transparency International findet es jedenfalls verdächtig, dass 90 Prozent der Anträge auf Einbürgerung für Sepharden in Portugal über die jüdische Gemeinde in Porto liefen. Das sei eine „rote Fahne“, ein Signal, das einen aufmerksam machen müsse.

Portugals Außenminister Augusto Santos Silva versicherte im Dezember, dass die Verfahren zur Verleihung der Staatsbürgerschaft wie im Falle Abramowitschs „der üblichen Prüfung folgen, die das Gesetz vorsieht“. Heute gibt es Zweifel genau daran. Der portugiesische Fernsehsender SIC berichtete am Mittwochabend, dass sich aus den laufenden Untersuchungen „der Verdacht einer Pflichtverletzung ergeben haben“ könnte. Konkreter wird der Sender nicht. Der staatliche Rundfunk RTP berichtete am Freitagabend, dass gegen die jüdische Gemeinde in Porto ermittelt werde. Das muss nichts heißen. Bei Verdacht wird ermittelt, das ist normal. Aber ob an dem Verdacht etwas dran ist, muss sich erst noch herausstellen.

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