Unter Vermittlung der Türkei

Russland nimmt Getreideabkommen mit Ukraine wieder auf

Frachtschiffe liegen bei Istanbul vor Anker und warten auf die Durchfahrt durch die Bosporusstraße.

Frachtschiffe liegen bei Istanbul vor Anker und warten auf die Durchfahrt durch die Bosporusstraße.

Ankara. Russland kehrt nach Angaben der türkischen Regierung wieder zu dem Abkommen zurück, das ukrainische Getreide-Exporte durch das Schwarze Meer ermöglichen soll.

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Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angaben am Mittwoch in Moskau. Dank der Vermittlung der Türkei habe die Ukraine zugesichert, den Seekorridor nicht für Kampfhandlungen gegen Russland zu nutzen.

Im Präsidialamt der Ukraine wurde die Rückkehr Russlands zum Getreideabkommen als „Ende der Erpressung“ durch Moskau verstanden. „Aus geopolitischer Sicht setzt das, was an diesen Tag passiert ist, einen Punkt hinter die viele Jahre lange Diplomatie der Erpressung, die Russland betrieben hat“, schrieb Andrij Jermak, der Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, auf Telegram. „Eine andere Diplomatie kennen sie dort nicht, deshalb verlieren sie auch in der modernen Welt“, schrieb er.

Getreide-Abkommen: 16 Schiffe sollen wieder durch Schutzkorridor fahren dürfen

Die Türkei macht sich dafür stark, das Abkommen zum Export von Getreide aus der Ukraine fortzuführen.

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Präsident Recep Tayyip Erdogan teilte mit, der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe dessen türkischen Kollegen Hulusi Ajar angerufen und darüber informiert, dass das Abkommen für den sogenannten Getreidekorridor von Mittwoch an in derselben Art und Weise wie zuvor gelte. Lieferungen an afrikanische Staaten würden Vorrang erhalten, erklärte Erdogan weiter, darunter Somalia, Dschibuti und Sudan.

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Russland spricht von „Terroranschlägen“ auf Krim-Hafen Sewastopol

Russland hatte das Abkommen nach einem von ihm gemeldeten Angriff auf seine Schwarzmeerflotte ausgesetzt. Moskau bezeichnete die Angriffe als „Terroranschläge“. Das Verteidigungsministerium warf der britischen Marine vor, die Anleitungen zum Beschuss der Halbinsel mit Drohnen gegeben zu haben.

Wie das Außenministerium in Moskau am Samstag erklärte, hätten die ukrainischen Streitkräfte unter Deckung des humanitären Korridors für die Getreideausfuhren per Schiff Angriffe aus der Luft und vom Meer aus gegen die russische Schwarzmeerflotte verübt. Dabei sei am Samstag die Infrastruktur des Flottenstützpunkts in Sewastopol auf der Halbinsel Krim beschossen worden und ein Minenräumschiff beschädigt worden. Großbritannien wies eine Beteiligung entschieden zurück. Auch die Ukraine hat die Drohnenangriffe nicht bestätigt.

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Am Montag sollten dennoch zwölf Schiffe durch den festgelegten humanitären Korridor in Richtung Istanbul aufbrechen, vier in entgegengesetzte Richtung, hieß es in einer Mitteilung des Koordinierungszentrums in Istanbul in der Nacht zum Montag. Die russische Delegation sei darüber informiert worden. Am Sonntag seien sechs beladene Schiffe in Richtung des Korridors aufgebrochen. Im Korridor selbst habe es am Sonntag aber keine Schiffsbewegungen gegeben. Auch für Donnerstag waren bereits weitere Durchfahrten angekündigt worden. Lieferungen sollten vornehmlich ärmere Länder zum Ziel haben.

Putin fordert Untersuchung der Angriffe

Das Abkommen vom Juli wurde von der Türkei und den Vereinten Nationen vermittelt und soll eine sichere Passage für mit ukrainischem Getreide beladene Frachter über das Schwarze Meer zum Bosporus garantieren.

Um die Auslieferung des Getreides zu retten, hatte der türkische Präsident zuvor mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin telefoniert. Putin forderte dabei eine Untersuchung eines mutmaßlichen ukrainischen Drohnenangriffs auf die russische Schwarzmeerflotte, wie der Kreml mitteilte. Außerdem beklagte er, Russlands landwirtschaftliche Exporte seien nach wie vor blockiert.

Baerbock lobt Vereinte Nationen

Außenministerin Annalena Baerbock nannte die Wiederaufnahme im Gespräch mit der „Welt“ einen „Ausdruck dafür, wie stark der internationale Zusammenhalt ist“. Russland habe erneut versucht, „Hunger als Waffe einzusetzen“. Aber die Weltgemeinschaft unter Führung der Vereinten Nationen habe deutlich gemacht: „Nein, wir glauben euren Lügen nicht“, sagte Baerbock.

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Analystin sieht in Wiederaufnahme rationales Verhalten

Die Kehrtwende Moskaus zeige immerhin, dass Putin in gewissem Maße ein rationaler Politiker bleibe und auch nachgeben könne, meinte die russische Analystin Tatjana Stanowaja. „Der Kreml geriet selbst in die Falle und wusste nicht, wie er da wieder rauskommen soll. Den Deal haben sie zwar ausgesetzt, aber sie wussten am Ende nicht, wie sie die Getreideausfuhr stoppen können“, so die Expertin. Russland habe die Getreideschiffe nicht beschießen wollen.

Der UN-Koordinator für die Ausfuhr des ukrainischen Getreides, Amir Abdulla, begrüßte die Wiederaufnahme des Abkommens. „Ich freue mich darauf, wieder mit allen Parteien der Initiative zusammenzuarbeiten“, teilte er via Twitter mit.

Russland hatte davor schon seit Wochen mit einem möglichen Stopp des Kornabkommens gedroht, durch das seit Sommer wieder ukrainische Lebensmittel auf den Weltmarkt kommen. Vor allem stört sich Moskau weiter daran, dass es selbst im Zuge der westlichen Sanktionen nicht in gewünschtem Umfang Getreide und Düngemittel exportieren kann.

RND/AP/dpa/sic

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