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Nach Versenkung der „Moskwa“

Russlands geheime U‑Boote: Bringen sie jetzt die Wende im Krieg gegen die Ukraine?

Zwei U-Boote der russischen Pazifikflotte haben am 13. April 2022 erfolgreich Kalibergeschosse abgefeuert, um im Japanischen Meer Ziele zu treffen.

Mit dem Untergang des russischen Kriegsschiffes „Moskwa“ durch ukrainische Neptun-Seeabwehrraketen konnte Kiew die Marine Russlands schwächen. Allerdings lauert unter der Oberfläche des Schwarzen Meeres eine weitaus größere Gefahr für die Ukraine und den Westen: russische U-Boote. Diese agieren zum Teil unsichtbar und sind schwer zu finden, können jedoch Atomwaffen und Marschflugkörper verschießen. Bringen Sie jetzt die Wende im russischen Angriffskrieg in der Ukraine?

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Der Abschuss der „Moskwa“ ist laut Militärexperte Gustav Gressel zwar ein Erfolg für die ukrainische Armee. Allerdings sei dieser Erfolg mit Vorsicht zu genießen: Die Neptun-Flugabwehrraketen, die auch das russische Kriegsschiff versenkt haben können, befänden sich noch in der Erprobung, so der Experte für Sicherheits­politik, Militärstrategien und internationale Beziehungen. Gleichzeitig sei die Fabrik, in der die Seeabwehrraketen hergestellt werden, schwer beschädigt, sagte Gressel gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Moskwa“ schwer beschädigt: Explosion auf russischem Schwarzmeer-Flaggschiff

Ein ukrainischer Beamter hatte zuvor erklärt, das Schiff sei von zwei ukrainischen Raketen getroffen worden.

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Die Ukraine müsste daher sparsam mit den Neptun-Raketen umgehen. „Sie werden sich lohnende Ziele suchen“ – wie etwa die „Moskwa“. Das Kriegsschiff könnte laut Gressel allein unterwegs gewesen sein, was es verwundbar gemacht habe. Solche Faktoren würden die Ukraine bedenken, erklärte der Experte. Allerdings habe der Abschuss Wirkung gezeigt: „Demonstrativ vor der ukrainischen Küste rumfahren: Das macht die russische Marine jetzt dezidiert nicht mehr“, so Gressel.

Unsichtbar und schwer ausgerüstet: Russlands Kilo-U-Boote

Eine Bedrohung, die immer wieder genannt wird, sind jedoch russische U-Boote, die die Ukraine bislang nicht bekämpfen kann. Einige könnten sogar Interkontinentalraketen tragen. Eine reale Gefahr ging von ihnen zuletzt nicht aus: „Strategische Nuklear-U-Boote sind in erster Linie Mittel nuklearer Abschreckung“, sagte Gressel dem RND. „Die Aktivität der russischen Nuklear-U-Boote verläuft zur Zeit noch im Rahmen dessen, was im Ausbildungs- und im Friedensbetrieb üblich ist.“ Der Westen würde auch bemerken, wenn sich dort etwas tut, so der Militärexperte. Schwieriger sei es bei konventionellen U-Booten. Auch die könnten nuklear bestückte Marschflugkörper tragen, warnte Gressel.

Aktuell im Einsatz sind nach aktuellen Satellitenaufnahmen insbesondere U-Boote der Kilo-II-Klasse (Projekt 636). Die fahren zumeist kurz vor Sewastopol raus und setzen immer wieder Marschflugkörper gegen die Ukraine ein, erklärte Gressel. Mobilfunkaufnahmen und Satellitenbilder hatten das zuletzt belegt. Grundsätzlich würden die Kilo-U-Boote jedoch in küstennahen Gewässern gegen Kriegs- und Handelsschiffe eingesetzt werden. „Die sind ursprünglich konzipiert für die Ostsee“, erläuterte Gressel, und eigneten sich sich für alle möglichen Randmeere.

Zwei U-Boote der russischen Pazifikflotte haben am 13. April 2022 erfolgreich Kaliber-Geschosse abgefeuert, um im Japanischen Meer Ziele zu treffen.

Zwei U-Boote der russischen Pazifikflotte haben am 13. April 2022 erfolgreich Kaliber-Geschosse abgefeuert, um im Japanischen Meer Ziele zu treffen.

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Eines dieser Kilo-U-Boote stammt noch aus Zeiten des Kalten Krieges, erklärte der Militärexperte, grundsätzlich sei der Bestand jedoch neu. „Im Schwarzen Meer sind sechs seit 2014 neu gebaut worden“, so der Experte – zum Teil jedoch zu einem Rüstungsstand, der nicht dem entspreche, was der Westen davon erwarte. Im Schwarzen Meer hätten die russische U-Boote kaum realistische Gegner. Allein die türkische Marine hätte uneingeschränkte Möglichkeiten, die russischen U-Boote abzuwehren. Die Ukrainer besitzen keine eigenen U-Boote, erklärte des Osteuropaexperte, auch eine Abwehr russischer Boote unter Wasser sei nicht möglich. Rumänen und Bulgaren hätten diese Fähigkeiten laut Gressel nur sehr eingeschränkt.

Flugabwehrraketen werden knapp: Braucht die Ukraine ein westliches Luftabwehrsystem?

„Das Wichtigste wäre, Fliegerabwehrsysteme der Ukraine zur Verfügung zu stellen, bei denen wir die Lieferketten kontrollieren“, erklärt Gressel. Bei eigenen Flugabwehrsystemen könnte auch Munitionsnachschub sichergestellt werden. Diese Systeme könnten dann Raketen, die von russischen U-Booten abgefeuert werden, abfangen.

Aktuell besitzt die Ukraine unter anderem zwar das slowakische S-300-Flugabwehrsystem. Dieses wurde jedoch ebenso wie die Abwehrraketen in Russland produziert. Innerhalb der Nato sind die Munitionsbestände für ebensolche sowjetischen Systeme sehr begrenzt. Gressels Erklärung zufolge schießt die Ukraine daher aktuell nur selten auf Marschflugkörper. Die Raketen müssten vielmehr für russische Flugzeuge aufgehoben werden.

Vonseiten des Westens müssten nun neue Flugabwehrsysteme an die Ukraine geschickt werden, um Angriffe von russischen U-Booten oder Bombern zu verhindern. Die Ukrainer müssen laut für diese Waffensysteme jedoch erst eingeschult werden, heißt es aus Militärkreisen. Wie lange das genau dauert, ist umstritten. Einige Experten gehen von wenigen Wochen, andere von zwei bis drei Monate aus. Gressel rechnet damit, dass sich in nächster Zeit eine Entscheidung fällt, weil die sowjetische Munition früher oder später knapp wird.

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RND/hyd

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